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Prof. Rolf-Ulrich Kunze - Neuere und neueste Geschichte

Prof. Rolf-Ulrich Kunze - Neuere und neueste Geschichte
Autor: Prof. Rolf-Ulrich Kunze
Geistes- und Sozialwissenschaften
Quelle:

KIT-Zentrum Mensch und Technik

Zivilgesellschaft und Nationalismus

Der Neuzeithistoriker am Institut für Geschichte widmet sich unter anderem der Nationalismusforschung und hält angesichts des wachsenden Rechtspopulismus und erstarkenden Nationalismus in Europa eine Diskussionskultur der Zivilgesellschaft für wesentlich. 

 

Zivilgesellschaft und Nationalismus

Portrait Prof. Rolf-Ulrich Kunze, IfG
Prof. Rolf-Ulrich Kunze, IfG

„Sprachlosigkeit darf nicht die Reaktion sein, wenn Worte umcodiert und im Kern nationalsozialistische Begriffe wie `System´ oder `Lügenpresse´ verwendet werden“, so der Professor für Neuere und Neueste Geschichte. „Als Neuzeithistoriker, der die Mechanismen gesellschaftlicher Entwicklungen betrachtet, beobachte ich beunruhigt, dass sich die politische Kultur grundsätzlich verändert“, sagt Kunze. „Deutschland war vor 1989 die postnationalste Gesellschaft Europas, Nationalstaat und Nation galten nach 1945 nicht als oberste Werte; in der alten Bundesrepublik waren nationalistische Strömungen aufgrund unserer geschichtlichen Verantwortung für den Nationalsozialismus auf einen schmalen Korridor begrenzt“, so der Wissenschaftler. Es zeige sich jedoch, dass sich die historische Lernerfahrung nicht zementieren lasse. „Für grundlegend gehaltene Gewissheiten lösen sich auf und politische Selbstverständlichkeiten ändern sich“, stellt der Neuzeithistoriker fest. „Es gibt keine Demokratie ohne Populismus“, so Kunze. In Deutschland habe die politische Kultur lange Zeit auf einem hohen Maß von Konsens beruht, aber seit 1989 habe hier eine grundsätzliche Verschiebung stattgefunden. „Wir müssen darüber sprechen, wenn wir Anzeichen nationalistischer Abgrenzung wahrnehmen, Zivilgesellschaft braucht den Einsatz des Einzelnen durch Wort und Diskussion“, so Kunze. Alle bildungspolitischen Einrichtungen, Schulen, Hochschulen und Universitäten ebenso wie etwa auch die Evangelische Kirche seien aufgerufen, Agenturen dieser zivilgesellschaftlichen Kultur zu sein und das Gespräch zu suchen, sagt der Historiker, der sich unter anderem mit der Geschichte des Protestantismus und dem Beitrag von Religion und Konfession zur modernen Industriegesellschaft befasst.

Um die wandlungsfähige, offene, pluralistische Gesellschaft und die Möglichkeit der Teilhabe und Selbstentfaltung, die die freiheitlich demokratische Grundordnung dem Einzelnen bietet, zu bewahren, gelte es, sich auf eine Scheintoleranz gegenüber ausgrenzenden, menschenverachtenden Haltungen nicht einzulassen. Der Wissenschaftler ist Verfasser der Lehrbücher „Nation und Nationalismus“ sowie „Global History und Weltgeschichte“. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Wissenschafts- und Kulturgeschichte, die Entwicklung zur modernen Industriegesellschaft, die Geschichte des Nationalsozialismus sowie die europäische, insbesondere auch niederländische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

afr

 

Der Presseservice des KIT stellt gern Kontakt zwischen Journalisten und Prof. Rolf-Ulrich Kunze her.

Fotonachweis:
Foto Hitler/Mussolini: Bundesarchiv, Bild 146-1969-065-24 / CC-BY-SA 3.0
Foto Professor Rolf-Ulrich Kunze: Zachmann, KIT