Strategische Entwicklung und Kommunikation
Collage: aktueller Börsenserver und historische Parkettbörse von 1963

Elektronische Märkte - Prof. Christof Weinhardt

  • Marktplätze und Plattformen im Internet begleiten uns in unserem Alltag in nahezu allen Lebenssituationen. „Market Engineering“ macht sich zur Aufgabe, Gestaltungsmöglichkeiten sowie Qualität elektronischer Märkte und Plattformen zu verbessern. Welche anwendungsspezifischen Besonderheiten beispielsweise bei Energie-, Daten- oder Finanzmärkten berücksichtigt werden müssen, erforscht der Leiter des Instituts für Informationswirtschaft und Marketing (IISM) und Gründer des Karlsruhe Service Research Institute (KSRI). Dazu verknüpft er Fragen und Methoden aus VWL, BWL, Wirtschaftsinformatik und Psychologie.

Market Engineering

Prof. Christof Weinhardt Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V.
Prof. Christof Weinhardt, IISM und KSRI

Das Market Engineering nimmt sowohl ökonomische und technische als auch regulatorische Aspekte in den Blick: von der technischen Entwicklung und Integration einer Handelsplattform über das Design ihrer Benutzerfläche bis hin zur Gestaltung und Durchsetzung von Regeln für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Plattformen. „Deutschland hat sehr gute technische Produkte, aber die herausragenden Service-Angebote im Internet stammen immer noch meist aus dem Ausland“, sagt Christof Weinhardt. „Auf dem Gebiet digitaler Dienste oder Services  besteht deshalb größter Bedarf an hochwertiger Forschung und an innovativen Konzepten.“ Das von ihm gegründete Karlsruhe Service Research Innovation Network (KSRI) am KIT widmet sich dieser Herausforderung und ist in Deutschland führend in der Forschung zur Digitalisierung und zu Digitalen Services. Als Public-Private-Partnership/Industry on Campus von IBM Deutschland und dem KIT gegründet, treibt es die Dienstleistungsforschung voran.

Zwei konkrete Anwendungsschwerpunkte sind Energiemärkte – insbesondere mit dem Fokus auf Smart Grids und regionale dezentrale Versorgungskonzepte – und Datenmarktplätze. Um die Nachhaltigkeit der Energiewende zu unterstützen, wird mit Simulationen auf generierten und echten Daten, sowie in Feldstudien und Reallaboren wie dem Landau Microgrid Project (LAMP) das Verhalten bezüglich Preispräferenzen, Flexibilität und Handelsstrategien von Stromverbrauchern in Zukunftsszenarien für dezentrale Strommärkte aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht. „Dabei stehen aktuelle Entwicklungen im Strommarkt wie die Sektorenkopplung, der Einsatz von Smart Metern und die Integration von Elektrofahrzeugen im Vordergrund“, so der Professor für Information & Market Engineering. In Bezug auf die Herausforderungen und Chancen von Internet of Things (IoT) und Industrie 4.0 entwickelt die Forschungsgruppe Konzepte für Datenmarktplätze, mit denen Daten-Bewertung, -Transfer, und -Nutzung in immer komplexer werdenden Wertschöpfungsnetzwerken auf Basis datengeriebener Geschäftsmodelle erfolgreich unterstützt werden.

Um das Verhalten von Marktteilnehmern besser zu verstehen, setzt das Team auch Methoden aus der Soziologie, Psychologie und Psychophysiologie an. „Wir untersuchen unter anderem, wie Emotionen, kognitive Belastung oder Flow das Entscheidungsverhalten von Menschen auf Plattformen und Märkten beeinflussen – seit einigen Jahren auch solche, die mit Virtual Reality oder Augmented Reality bereichert werden.“ Dazu hat Christof Weinhardt die Einrichtung von Europas modernstem und größtem Experimentallabor initiiert. Im KD2Lab (Karlsruhe Decision and Design Labor) leitet er Forschungsprogramme zur experimentellen Forschung in den genannten Forschungsgebieten. Diese Forschung wird derzeit um Experimente erweitert, an denen Bürgerinnen und Bürger – auch im Feld – im Rahmen von Citizen Science mitarbeiten können.

Christof Weinhardt ist seit 15 Jahren Direktor am Forschungszentrum Informatik (FZI) des KIT. Als Sachverständiger in der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Deutschen Bundestags beschäftigte er sich unter anderem damit, wie im Internet für Alle ein fairer Zugang zu Netzressourcen sichergestellt werden kann und wie bessere Partizipationsmöglichkeiten für Bürger*innen im öffentlichen Leben, in Politik sowie in Unternehmen gefördert werden können. Die damit verbundenen Aktivitäten dehnen sich aktuell in Richtung Citizen Science aus, um so das Potenzial und die Kreativität der Bürgerinnen und Bürger zu nutzen und vor allen Dingen deren Akzeptanz für akademische Forschung und ihre Ergebnisse zu erhöhen. Seit 2019 ist er Hauptherausgeber der renommierten internationalen wissenschaftlichen Zeitschrift Business & Information Systems Engineering (BISE).

afr

 

Die Abteilung Presse des KIT stellt gerne den Kontakt zwischen Journalisten und Prof. Christof Weinhardt her.

 

Fotonachweis:
Collage: Hardy Müller, KIT; Library of Congress, Thomas O'Halloran
Foto Prof. Christof Weinhardt: Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V.