Strategische Entwicklung und Kommunikation
Frau auf Leiter

Frauen in Führungspostionen - Prof. Hagen Lindstädt

  • Den aktuellen Stand von Frauen in Führungspositionen hat der Wirtschaftswissenschaftler mit einem Team aus Unternehmensforschern und Wirtschaftsexperten in einer groß angelegten, deutschlandweiten Studie untersucht.

Frauen in Führungspositionen

Prof. Hagen Lindstädt, IBU

Die Diskussion über die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote für Spitzenpositionen in der Wirtschaft ist aktuell neu entfacht.
Den Status quo von Frauen in Führungspositionen hat Professor Hagen Lindstädt, Leiter des Instituts für Angewandte Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensführung am KIT, mit einem Team aus Unternehmensforschern und Wirtschaftsexperten in einer groß angelegten, deutschlandweiten Studie untersucht. Hierfür haben die Wissenschaftler die 600 wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland, die im CDAX zusammengefasst sind, ab 1998 über einen Zeitraum von elf Jahren untersucht. Das Ergebnis: In deutschen Aktiengesellschaften gibt es fast keine Frauen auf Vorstandsebene. 2008 waren zum Stichtag gerade einmal 42 von 1.721 Vorstandsmitgliedern Frauen. Dies entspricht einem Anteil von 2,4 Prozent, der im Vergleich zu 1,2 Prozent im Jahr 1998 nicht nennenswert gestiegen ist. Der Frauenanteil in Aufsichtsräten hat sich auf der Seite der Kapitalgeber ebenfalls nur geringfügig von 2,5 Prozent (1998) auf 4,0 Prozent (2008) erhöht. Auch die Arbeitnehmer waren mit einem Frauenanteil in der Chefetage von 20,5 Prozent (2008) noch weit von Ausgewogenheit entfernt.

Um mehr Frauen – auch ohne gesetzliche Frauenquote – in Führungspositionen zu bringen, empfehlen Lindstädt und sein Team dem Gesetzgeber, die Aktiengesellschaften zu mehr Transparenz zu verpflichten. Mit der Veröffentlichung des Frauenanteils auf den obersten Führungsebenen könnten Frauen ihre Berufswahl entsprechend ausrichten und „mit den Füßen abstimmen“. So würde der soziale Druck auf die Unternehmen erhöht und eine Selbstregulierung initiiert werden. Nach Ansicht der Managementforscher vernachlässigt die Wirtschaft bei der Besetzung von Führungspositionen momentan fast 50 Prozent der menschlichen Ressourcen. „Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung ist dies auch ein Problem jenseits der Gerechtigkeitsperspektive,“ so Lindstädt, „zudem riskieren Unternehmen damit, dass gut ausgebildete Frauen in Länder mit besseren Rahmenbedingungen abwandern oder ihre Karriereplanung ändern und Tätigkeiten ergreifen, die weder ihren Potenzialen noch ihren Qualifikationen entsprechen.“

sk/le

 

Die Abteilung Presse stellt gerne den Kontakt zwischen Journalisten und Prof. Hagen Lindstädt her.

 

Fotonachweis:
Foto Frau auf Leiter: Martin Lober, KIT
Foto Prof. Hagen Lindstädt: KIT