Ein Junge fährt auf dem Fahrrad durch hohes Wasser, welches sich vor einer Schule gesammelt hat.Gabi Zachmann, KIT

Naturgefahren managen – Prof. Michael Kunz

  • Natürliche und menschengemachte Risiken besser zu verstehen, früher zu erkennen und besser bewältigen zu können, ist Ziel des Sprechers des Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology, kurz CEDIM, am KIT.

Gefährdungsanalysen und Risikobewertungen von Naturkatastrophen

Portrait von Herrn Professor Michael Kunz Susanna Mohr, KIT
Prof. Michael Kunz, CEDIM

Stürme, Überschwemmungen, Erdbeben und weitere Extremereignisse führen immer wieder zu massiven Schäden und zahlreichen Todesopfern. Dass sie auch Mitteleuropa und Deutschland mit Wucht treffen können, haben die Hitzewellen in den Jahren 2018 und 2019 sowie die Flutkatastrophe 2021 im Ahrtal gezeigt. „Die Häufigkeit und die Auswirkungen derartiger Ereignisse werden durch den globalen Wandel noch erheblich zunehmen, insbesondere durch die Klimakrise, aber auch durch das Bevölkerungswachstum, die Urbanisierung und die zunehmende Abhängigkeit von kritischen Infrastrukturen“, sagt Michael Kunz, Experte für Naturgefahren und Risikomanagement.

Das 2002 gegründete CEDIM forscht disziplinübergreifend zu Ursachen, Bewältigung und Prävention natürlicher und technischer Risiken und entwickelt Modelle und Konzepte, um die Sicherheit und Resilienz in Gesellschaft und Wirtschaft zu stärken. Der Schwerpunkt des derzeitigen Forschungsprogramms von CEDIM liegt auf den Auswirkungen von Hitzewellen und Dürreperioden, die als Folge des Klimawandels in Mitteleuropa in den vergangenen Jahrzehnten in ihrer Häufigkeit, Intensität und Dauer deutlich zugenommen haben. „Für die Zukunft projizieren alle Klimamodelle eine weitere Verschärfung der Situation“, erklärt Kunz, der am Institut für Meteorologie und Klimaforschung die Arbeitsgruppe „Atmosphärische Risiken“ leitet.

Mit einem interdisziplinären Team betrachtet der CEDIM-Sprecher die gesamte Prozesskette der Naturkatastrophen – von ihren Ursachen über die Gefährdungsanalyse und Risikobewertung bis zu den ökonomischen und ökologischen Folgen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erstellen für extreme Wetterereignisse wie Sturm, Hagel, Erdbeben und Hochwasser Gefährdungs- und Risikoanalysen, die beispielsweise für die Standortanalyse nachhaltiger Bauvorhaben relevant sind. Außerdem entwickeln sie neuartige Modelle, die bei einigen Versicherungsunternehmen angewendet werden.

Der Forschungsschwerpunkt „Zeitnahe forensische Katastrophenanalysen – Forensic Disaster Analysis (FDA)“ hat das Ziel, angesichts von weltweit immer komplexeren Naturereignissen schnell ein Gesamtbild einer Katastrophe und ihrer relevanten Schadentreiber zu erhalten. Innerhalb weniger Tage veröffentlicht CEDIM im Fall einer FDA-Aktivität einen ersten Bericht – so auch im Sommer 2021 zum verheerenden Hochwasserereignis im Ahrtal. Unmittelbar nach Eintreten einer Katastrophe analysieren die Forschenden nahezu in Echtzeit deren zeitlichen und räumlichen Ablauf und schätzen die direkten Auswirkungen, also etwa Schäden, Todesopferund Notunterkünfte. Forschungseinrichtungen, Hilfsorganisationen oder Medien greifen vielfältig auf die Ergebnisse zurück, die auf den CEDIM-Webseiten veröffentlicht werden. Der öffentlich zugängliche CEDIM/Risklayer Explorer  bietet allen Interessierten und Entscheidungsverantwortlichen zeitnah leicht lesbare Tabellen und Grafiken sowie detaillierte Berichte und Analysen zu aktuellen Katastrophen. Die höchsten Zugriffszahlen hatte das Corona-Dashboard, das zusammen mit der Risklayer GmbH – einer Ausgründung des KIT/CEDIM –  mehr als zwei Jahre betrieben wurde. Die mehrfach am Tag aktualisierten vielfältigen Informationen über das Corona-Infektionsgeschehen, seien weitaus aktueller und valider im Vergleich zu den offiziellen Zahlen des Robert-Koch Instituts gewesen, so Kunz, und wurden von zahlreichen hochrangigen Medien und Entscheidungsträgern aus der Politik genutzt.

afr

 

Der Presseservice des KIT stellt gerne den Kontakt zwischen den Medien und Prof. Michael Kunz oder den Mitarbeitern des CEDIM her.

 

Fotonachweis:
Porträtfoto: Susanna Mohr, KIT
Forschungsfoto: Gabi Zachmann, KIT