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Nichts für Schubladen

Im Projekt Lehre hoch Forschung fördert das KIT mit Mitteln des Bundes problemorientiertes Lernen. Klaus Rümmele hat sich das Teilprojekt „Lehramt Geographie Plus“ an der KIT-Fakultät für Bauingenieur-, Geo- und Umweltwissenschaften angesehen.

Caroline KramerWer Geographie auf Lehramt studiert, kann ein starkes Interesse an der Forschung in diesem Fach haben. Diese Idee prägt das Teilprojekt Lehramt Geographie Plus. Die Studierenden befassen sich mit aktuellen Themen, ihre Ergebnisse sind relevant für die Öffentlichkeit. Zahlen aus einem Seminar zu neuen Wohnformen etwa nutzte die Stadt Karlsruhe in ihrem Jahresbericht. Das sporne die Studierenden an, sagt Professorin Caroline Kramer vom Institut für Geographie und Geoökologie: „Sie wissen, ihre Arbeit wird nicht schubladisiert.“

 

In dem Teilprojekt lernen die Studierenden auch, interdisziplinär zu arbeiten. Spannend fand Caroline Kramer die Zusammenarbeit mit Professorin Kerstin Gothe vom Fachgebiet Regionalplanung und Bauen im Ländlichen Raum im Seminar Grenzland, das sich 2014 um das Leben an der französisch-deutschen Grenze drehte. Bei Workshops in Lauterbourg und Scheibenhard erhoben die Studentinnen und Studenten die räumliche Situation, nahmen Befragungen vor und entwickelten Zukunftsszenarien. Das Seminar führte Architektur- und Geographie-Studierende zusammen: „Schon ihre Lehrformate sind sehr unterschiedlich“, erklärt Caroline Kramer. Während die Studierenden der Geographie Veranstaltungen im wöchentlichen oder 14tägigen Rhythmus gewohnt sind, treffen sich ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen in der Architektur bei Blockseminaren. Zudem, so Kramer, brächten sie andere Fähigkeiten ein: „Die Architekten konnten zum Beispiel sehr geschickt und anschaulich visualisieren, Skizzen entwerfen oder mit Szenario-Techniken arbeiten, die Geographen wiederum beherrschten empirische  Verfahren – das hat sich hervorragend ergänzt.“ Die Broschüre Grenzland stellt die Ergebnisse dar.

 

Studierende als Experten

 

Die Seminare erstrecken sich jeweils über zwei Semester. Zu Beginn geben Caroline Kramer und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Angelika Hoppe den Studierenden im Plenum den Rahmen vor: „Wir unterstützen sie dabei, eigene Forschungsfragen zu formulieren, und vermitteln ihnen den theoretischen Hintergrund“, so Kramer. Gemeinsam entwickeln sie Leitfragen für qualitative Interviews. Dann planen die Studierenden in kleineren Arbeitsgruppen das weitere Vorgehen. „Sie teilen sich die Arbeit auf und motivieren sich gegenseitig“, so Hoppe. In Beratungsgesprächen bekommen die Studierenden Feedback von Kramer und Hoppe. Die empirische Arbeit findet in der vorlesungsfreien Zeit statt: „Die Studierenden können sie relativ frei gestalten“, sagt Angelika Hoppe. Sie werten ihre Ergebnisse aus und interpretieren sie, dafür treffen sie sich alle zwei Wochen für einen Nachmittag. Der Erfolg der Lehrform, sagt Kramer, ist messbar: „Die Abschlussarbeiten haben an Qualität gewonnen.“

 

Am Ende steht neben einem Bericht die Abschlusspräsentation. Sie findet an einem Ort statt, auf den sich das Projekt bezog, und ist öffentlich – Politiker und betroffene Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen. Die Studierenden üben, für jeden und jede verständlich zu sein. „Sie treten als Experten auf – das ist ein Erfolgserlebnis für sie“, sagt Caroline Kramer. Und sie erleben, dass sie mit ihrer Forschung am Puls der Zeit ist – zum Beispiel 2013, bei der Vorstellung der Ergebnisse aus dem Seminar Nationalpark Nordschwarzwald:  In einem Gymnasium in Bühl führten Befürworter und Gegner eine intensive Diskussion.

 

Bis jetzt ist der Besuch der Lehrveranstaltung freiwillig, die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer lag bei zehn bis 15. Vom Wintersemester 2017/18 an, wenn der neue Bachelorstudiengang in das 5. Semester kommt, ist die Teilnahme Pflicht – dann werden es 20 Studierende sein.

 

Die Mittel für die zweite Förderphase des Teilprojekts im Vorhaben KIT – LehreForschung (Maßnahmen) sind bewilligt: Die Studierenden sollen von 2017 an verstärkt die Rolle von Multiplikatoren einnehmen und ihre Erkenntnisse Studierenden jüngerer Semester sowie Schülerinnen und Schülern nahebringen. In einem Projekt arbeiten die Studierenden mit hochbegabten Schülern aus dem HECTOR-Seminar zusammen. „Sie sollen den Jüngeren Anregungen geben und umgekehrt“, erklärt Hoppe. Und noch eine Chance sieht sie für die Studierenden: Sie könnten sich mit Praxisbezug und zugleich forschungsorientiert auf den Beruf der Lehrerin oder des Lehrers vorbereiten.