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Prof. Georg Vrachliotis - Architekturtheorie

Prof. Georg Vrachliotis - Architekturtheorie
Autor:

Prof. Georg Vrachliotis

Quelle:

KIT-Zentrum Mensch und Technik

Architektur und Bauwesen

Architekturtheorie

Entwicklungen in der Architektur sind eng mit der Technikgeschichte verknüpft, beziehen sich aber ebenso auf soziale, politische, ästhetische und wissenschaftliche Aspekte ihrer Zeit. Der Architekturtheoretiker und Leiter des Südwestdeutschen Archivs für Architektur und Ingenieurbau (saai) befasst sich insbesondere mit der Geschichte und Theorie von Architektur und Stadt des 20. und 21. Jahrhunderts.

Architekturtheorie

Portrait Prof. Georg Vrachliotis
Prof. Georg Vrachliotis, saai, KIT

„Uns interessieren gegenwärtige und künftige Strömungen in Architektur und Gesellschaft sowie ihre kulturhistorischen Grundlagen“, sagt der am Institut für Entwerfen, Kunst und Theorie der Architekturfakultät forschende Wissenschaftler. „In einer Art Decodierung von Geschichte und Gegenwart fragen wir  danach, was passiert, warum es passiert, und ob es historische Analogien gibt.“ Architekturtheorie begreife Architektur als Teil einer größeren Kulturlandschaft. Die derzeitige digitale Transformation der Gesellschaft verändere die Architektur auf allen Ebenen von Theorie und Praxis: von der Formfindung bis zur Fabrikation von innovativen Materialien und der intelligenten Vernetzungstechnik für sogenannte Smart Homes. „Mit digitalen Entwurfswerkzeugen lassen sich mittlerweile Strukturen entwerfen, die man aufgrund ihrer komplexen Geometrie und der grossen Anzahl per Hand niemals hätte zeichnen können, zum Beispiel die spektakulären Glasaugenfenster der Elbphilharmonie“, so Vrachliotis.

Architektur werde jedoch nicht nur durch ihre technischen Möglichkeiten beeinflusst, sondern auch durch ästhetische Sehnsüchte, soziale Konflikte, ökonomische Interessen und politische Rahmenbedingungen, sagt der Experte, der sich insbesondere mit der Architektur nach 1945 befasst. „Die Nachkriegsarchitektur war nach der Enge und Bevormundung in der NS-Zeit ein intellektuelles Experimentierfeld für Thesen und Utopien einer besseren Gesellschaft“, betont er. Bis heute faszinierten deshalb auch insbesondere die Entwürfe und Ideen des 2015 verstorbenen Frei Otto, der mit weit gespannten Flächentragwerken und von der Natur inspirierten Konstruktionen zu den innovativsten deutschen Architekten des 20. Jahrhunderts gehört. Frei Otto wurde 2015 mit dem Pritzker Preis ausgezeichnet, der als Nobelpreis der Architektur gilt. Vrachliotis hatte die 2016 / 2017 im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) präsentierte, international vielbeachtete Ausstellung zum Oeuvre von Frei Otto kuratiert, dessen Werkarchiv sich am Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai) des KIT befindet. Das saai, dessen Leiter Vrachliotis seit 2014 ist, umfasst eine der umfangreichsten und wertvollsten baukünstlerischen Archivsammlungen in Deutschland und versteht sich ausdrücklich nicht nur als reines Architekturarchiv, sondern sammelt und konserviert ebenso Archivalien von bedeutenden Bauingenieuren wie Fritz Leonhardt, dem Planer des Stuttgarter Fernsehturms, der als weltweit erster in Stahlbetonbauweise entstand. Zum Bestand des saai zählen Pläne, Zeichnungen, Skizzen, Fotografien, Film- und Tondokumente sowie Bauakten, Modelle und Möbel von rund 250 Architekten, Ingenieuren, Bauhistorikern, Landschafts- und Innenarchitekten, die vorwiegend im deutschen Südwesten oder von dort aus international tätig waren. Auch Materialien zum architektonischen Werk von Egon Eiermann und Günter Behnisch gehören zum Bestand des Archivs, dessen Schwerpunkt auf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts liegt.

Die Frage, was die Flüchtigkeit digitaler Daten für die Zukunft von Archiven bedeutet, gehört ebenso zu den Forschungsthemen des Wissenschaftlers wie die Urbanisierung als weltweites Phänomen und die Wechselwirkung von physischen und virtuellen Infrastrukturen.

afr

 

Die Abteilung Presse stellt gerne den Kontakt zwischen Journalisten und Prof. Georg Vrachliotis her.

 

Fotonachweis:
Foto Architekturmodell von Frei Otto: saai, KIT
Foto Prof. Georg Vrachliotis: privat