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Tatort Tatort - Prof. Stefan Scherer

Tatort Tatort - Prof. Stefan Scherer
   

Der KIT-Experte untersucht, wie die ARD-Krimireihe soziale Entwicklungen und regionale Lebensverhältnisse widerspiegelt. Dazu analysiert er Hunderte von Folgen.

Forschung zum "Tatort"

Prof. Stefan Scherer untersucht den Tatort
Prof. Stefan Scherer, Institut für Germanistik

Der Mord zum Sonntag zieht jedes Mal Millionen von Zuschauern an und liefert am Montagmorgen Gesprächsstoff für Frühstückstische, Büropausen, Medienkolumnen und soziale Netzwerke: Seit über 40 Jahren läuft die Krimireihe „Tatort“ in der ARD. Es begann im November 1970 mit „Taxi nach Leipzig“; seitdem wurden über 800 Folgen ausgestrahlt. „Der Tatort ist einzigartig in der deutschen Fernsehlandschaft“, erklärt Stefan Scherer, Professor für Neuere Deutsche Literatur am KIT. „Die Reihe erzielt Quoten, die nur noch von der Tagesschau oder großen Sportereignissen übertroffen werden. Dabei erreicht sie sämtliche Generationen.“

Stefan Scherer, Professor am Institut für Germanistik: Literatur, Sprache, Medien, ist einer der führenden „Tatort“-Forscher Deutschlands: Als Fellow der DFG-Forschergruppe „Ästhetik und Praxis populärer Serialität“ untersucht er gemeinsam mit Professorin Claudia Stockinger und Dr. Christian Hißnauer von der Universität Göttingen die „Formen und Verfahren der Serialität in der ARD-Reihe Tatort“. Einzigartig macht den „Tatort“ vor allem seine föderalistische Struktur, wie Scherer erläutert: Jeder Sender der ARD steuert eine oder mehrere Serien bei, die jeweils stärker oder schwächer regional geprägt sind. „Dies ermöglicht es, immer wieder neue Konzepte einzuführen, die Mentalität und Lebensstil der jeweiligen Zeit widerspiegeln.“ Damit ist der „Tatort“ nach den Worten Scherers „der wahre Gesellschaftsroman der Bundesrepublik Deutschland“.

Wie sich die Krimireihe in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat, untersuchen die Wissenschaftler anhand von rund 500 Folgen. Sie erstellen Inhaltsanalysen nach einem festen Beobachtungsraster und erfassen statistisch Kriterien wie Ermittlungszeit, Rauminszenierung und Opferwahl auf drei Ebenen – Folge, Figuren/Räume, Verweise/Selbstthematisierung. Zusätzlich erforschen sie einzelne Aspekte, beispielsweise die Reflexion von Technik. Eine Folge in allen Kategorien zu bearbeiten, erfordert rund acht Stunden, wie Professor Scherer berichtet.

Was hat sich am „Tatort“ seit den 1970er Jahren verändert? „Die Reihe ist vielfältiger geworden“, stellt Stefan Scherer fest. „Was die Bildästhetik betrifft, nähern sich viele Folgen dem Spielfilm an. Die seit 1978 auch weiblichen Ermittler sind zunehmend individueller dargestellt; sie sind in ihr Milieu eingebunden und auch ihr Privatleben wird thematisiert.“ Der Wandel der Reihe im Kontext der Zeit lässt sich deutlich an den Ermittlern in den „Tatort“-Serien des WDR erkennen, wie Scherer darlegt: vom bundesweit und im angrenzenden Ausland ermittelnden Zolloberinspektor Kressin als James-Bond-Parodie über den nüchternen Essener Kommissar Haferkamp, den fluchenden und sich prügelnden Duisburger Kommissar Schimanski und den mürrischen Einzelgänger Flemming in Düsseldorf bis hin zu den gegensätzlichen Charakteren Ballauf und Schenk in Köln sowie zum Duo Thiel und Boerne in Münster, das komödiantische Elemente in die Krimireihe einbringt.

 

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Die Abteilung Presse stellt gerne den Kontakt zwischen Journalisten und Prof. Stefan Scherer her.

 

Fotonachweis:
Foto Prof. Stefan Scherer: Martin Lober, KIT