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Wohlstandsschere - Prof. Gerd Nollmann

Wohlstandsschere - Prof. Gerd Nollmann
   

In den westlichen Industrieländern öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich. Die Frage, welche Ursachen die wachsende Ungleichverteilung der Einkommen hat, ist Kernthema in der Forschung des Sozialwissenschaftlers.

Blick auf den privaten Haushalt

„Ausreichendes Einkommen ist ein Hauptkriterium für gesellschaftliche Teilhabe“, betont der Institutsleiter. Eine unausgewogene Verteilung von Löhnen und Einkommen betreffe nicht nur diejenigen, die mit geringen Einkünften auskommen müssen, sondern sei „für alle Beteiligten ein Verlust“: für Politik und Staat, Sozialversicherer und Wirtschaft. Deshalb sei Armutsforschung für alle Seiten von Interesse. „Jeder Bürger, der zu wenig Einkommen hat, ist ein verlorener Konsument“, sagt Nollmann.

„Seit den 1970er Jahren ist, ausgehend von den angelsächsischen Ländern, ein Trend zur Polarisierung zwischen Arm und Reich zu beobachten“, so der Wissenschaftler, der am KIT den Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie innehat. Die These, nach der die zunehmende Ungleichverteilung eine Folge der Globalisierung sei, habe sich nicht bewahrheitet. Nollmann erkennt vielmehr „eine entscheidende Weichenstellung in der Bildungsexpansion seit den 1960er Jahren“. Die dadurch erfreulicherweise erreichte gleiche Beteiligung von Frauen und Männern an Bildung und beruflicher Qualifikation habe zu veränderten Heiratsgewohnheiten geführt: In der Ehe tun sich vermehrt Partner mit gleichem oder ähnlichem Bildungs- und Einkommensniveau zusammen. So verdoppeln sich in den jeweiligen Familien die Vor- beziehungsweise Nachteile eines hohen oder geringen Einkommens - der soziale Abstand der privaten Haushalte nimmt zu.

„Der Niedriglohnsektor wird eine dauerhafte Begleiterscheinung der Dienstleistungsgesellschaft sein“, stellt Nollmann fest. Staatliche Zuwendungen, so seine Empfehlung, sollten nicht an den Einzelnen gekoppelt sein, sondern das Gesamteinkommen eines Haushalts betrachten. Der Experte plädiert dafür, auch in Deutschland pragmatische Ansätze zu verfolgen, für die sich international Vorbilder finden. Als Beispiel nennt er die negative Einkommensteuer, die bedeutet, dass Menschen unter einem bestimmten Einkommensminimum keine Steuern zahlen. „Die empirische Forschung zeigt, dass für diese Geringverdiener eine `Sonderprämie´ am Jahresende ein Arbeitsanreiz ist und für Anschaffungen verwendet wird.“

Die empirisch-analytische, auf Daten und Statistiken basierende Sozialforschung des Experten am KIT ist bei Institutionen und Unternehmen gefragt. Unter anderem lässt die Deutsche Rentenversicherung von Nollmann Studien durchführen und auswerten.

afr

 

Die KIT-Abteilung Presse stellt gerne den Kontakt zwischen Journlisten und Prof. Gerd Nollmann her.

 

Bildnachweis:
Grafik Schere: Simon Scheuerle, KIT
Portrait Prof. Gerd Nollmann: Kirsten Bohlig, KIT