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Prof. Jochen Kolb - Rohstoffverfügbarkeit und Urban Mining

Prof. Jochen Kolb - Rohstoffverfügbarkeit und Urban Mining
Autor:

Prof. Jochen Kolb

Geowissenschaften

Rohstoffverfügbarkeit und Urban Mining

Goldsuche mit multidisziplinärer Wissenschaft, so könnte man das Forschungsfeld des Experten auf den Punkt bringen, der am Institut für Angewandte Geowissenschaften die Abteilungen Geochemie und Lagerstättenkunde sowie Aquatische Geochemie leitet. Ziel seiner Forschung ist es, die komplexen, über Jahrmillionen ablaufenden geologischen Prozesse zur Bildung von Lagerstätten nicht nur von Gold oder Silber sondern auch von Eisen, Zink, Kupfer oder Seltenen Erden geführt haben, zu verstehen. Denn daraus ergeben sich die Indizien, welche die Suche nach bisher unentdeckten Vorkommen erleichtern und damit die Kosten der Exploration deutlich senken können. 
 

Rohstoffverfügbarkeit und Urban Mining

Prof. Jochen Kolb
Prof. Jochen Kolb

„Die Rohstoffverfügbarkeit ist ein Problem, das von der Industriegesellschaft vernachlässigt wurde. Dies hat dazu geführt, dass wir in Europa und Deutschland die Kontrolle über wichtige Rohstoffvorkommen verloren haben.“ Das ist die Erfahrung, die Professor Jochen Kolb in seiner zehnjährigen Forschungstätigkeit gemacht hat. Der Hunger der Hightech-Industrie nach immer neuen Rohstoffen wirft für den Geologen ein grundsätzliches Problem auf: „Die Zeithorizonte divergieren immer mehr. Wir brauchen im Durchschnitt ein bis zwei Jahrzehnte, um Vorkommen zu identifizieren und zu erschließen. Dann ist aber möglicherweise die technologische Entwicklung schon weiter und es werden ganz andere Stoffe gebraucht.“ 

Aber auch bei traditionellen Edelmetallen wie Gold, das bei einer wachsenden Zahl von Hightech-Anwendungen eine Rolle spielt und seit langem 50 Prozent des Wertes auf den Rohstoffmärkten repräsentiert, ist das Knowhow der Lagerstättenkunde von entscheidender Bedeutung. Denn die leicht aufzufindenden Vorkommen sind inzwischen alle bekannt. Jetzt geht es darum, auch die sogenannten „blinden Lagerstätten“ zu entdecken, die sehr viel tiefer liegen und keine Verbindung zur Erdoberfläche besitzen. Sie sind nur einer systematischen, wissenschaftlich fundierten Suche zugänglich, wie sie die Erdölindustrie schon seit langem betreibt. 

Sekundärrohstoffe gehören ebenfalls zum Kompetenzportfolio des Experten. In einem Projekt in Cedral, Mexiko geht es gegenwärtig um die Evaluierung von Abraumhalden aus dem Silberbergbau, die mit Quecksilber kontaminiert sind. Hier interessiert auch die Frage, ob eine umfassende Dekontaminierung durch den Restsilbergehalt des Gesteins finanziert werden kann. Auch in Deutschland gibt es solche Überbleibsel des Silberabbaus. Unter dem Stichwort „Urban Mining“ rücken inzwischen auch Schrottplätze, Bauschutt oder Müllhalden in den Fokus der Rohstoffrückgewinnung. Genau wie bei einer primären Lagerstätte muss man auch hier erst einmal erkunden, welche Materialien in welcher Konzentration in den urbanen Lagerstätten zu finden sind. 

Das zweite Forschungsfeld des Experten, die aquatische Geochemie, beschäftigt sich mit dem ökologischen Fußabdruck des Bergbaus und bemüht sich um eine ganzheitliche Perspektive bezüglich Landnutzung, Wasserverbrauch und Verunreinigung von Grundwasser und Oberflächengewässer. Eine unverzichtbare Voraussetzung für eine ökologisch nachhaltige Rohstoffgewinnung wie eine Reihe von Umweltkatastrophen durch Minenprojekte zeigen.

Prof. Kolb ist beteiligt am Assessment der Rohstoffsicherheit für Baden-Württemberg im Rahmen des Anfang 2018 am KIT gegründeten THINKTANKs „Industrielle Ressourcenstrategien“. Nach der Promotion an der RTWH Aachen mit einer Untersuchung zu einer Goldlagerstätte in Simbabwe arbeitete er in Kopenhagen am „Geological Survey of Denmark and Greenland“ (GEUS) vergleichbar mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Deutschland. 2016 wurde er ans KIT berufen.


Autor: Stefan Fuchs

 

Der Presseservice des KIT stellt gerne den Kontakt zwischen Journalisten und Prof. Jochen Kolb her.

 

Fotonachweis: 
Foto Forschung: Privat
Foto Prof. Jochen Kolb: Privat