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Das Pariser Abkommen hat nichts von seiner Bedeutung verloren.

Dr. Hans Schipper zum angekündigten Ausstieg der USA aus dem Klimaschutzvertrag – und weiteren Themen, die in Bonn wichtig sind
Dr. Hans Schipper leitet das Süddeutsche Klimabüro am KIT, das zwischen Klimaforschung und Gesellschaft vermittelt – und in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag feiert. (Foto: Irina Westermann, KIT)
Dr. Hans Schipper leitet das Süddeutsche Klimabüro am KIT, das zwischen Klimaforschung und Gesellschaft vermittelt – und in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag feiert. (Foto: Irina Westermann, KIT)

Die USA steigen möglicherweise aus dem Pariser Abkommen aus: Welche Folgen hätte das für den Klimaschutz?

Hans Schipper: Mit etwa fünf Gigatonnen pro Jahr sind die USA aktuell für 14 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich, nur China verursacht mehr, nämlich mehr als zehn Gigatonnen. Zum Vergleich: In Deutschland sind es etwa 0,8 Gigatonnen.* Ein Ausstieg der USA aus dem Klimaschutzabkommen wäre deshalb ein Rückschlag – und ein falsches Signal gegenüber dem Rest der Welt. Allerdings hat das Abkommen mit der Ankündigung des Ausstiegs nichts von seiner Bedeutung verloren: Zum einen mag die USA als Nation zwar aussteigen, einige Staaten der USA – deren Vertreter auch in Bonn dabei sein werden – wollen den Klimaschutz aber weiter entschlossen vorantreiben. Zum anderen haben, seit der Ankündigung der USA im Frühjahr, 70 weitere Nationen das Abkommen ratifiziert. Für Bonn ist das ein starkes Signal: Ein Ausstieg der USA würde nicht das Ende des Pariser Abkommens bedeuten, sondern die Weltgemeinschaft will den eingeschlagenen Weg weiter gehen.

 

Die Rolle der USA wird ein großes Thema in Bonn sein. Worum geht es noch?

Schipper: Vor allem um die praktische Umsetzung des Paris-Klimaschutzabkommens, also um Textvorschläge für das „Kleingedruckte“. Das mag nicht sehr spannend klingen, ist aber für das Konkretisieren der Klimaschutzziele der einzelnen Länder absolut notwendig. Zentrale Themen sind dabei die Reduktion des vom Menschen verursachten Treibhausgasausstoßes, die Anpassung an den Klimawandel und die Finanzierung der dazugehörigen Maßnahmen.

 

Die Erderwärmung soll um maximal zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter steigen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten wir sehr schnell sehr viel CO2 einsparen – ist das überhaupt zu schaffen?

Schipper: Dazu müssen wir den weltweiten Treibhausgasausstoß in den nächsten Jahrzehnten auf null reduzieren. Aktuelle Modellsimulationen zeigen aber, dass das ohne „negative“ Emissionen – also das aktive Entziehen von Treibhausgasen aus der Atmosphäre – sehr schwierig wird. Angestrebt wird ja sogar ein Anstieg um maximal 1,5 Grad. Um das zu erreichen, brauchen wir die Reduktion auf null in den nächsten fünf Jahren. Die bisherigen Angaben zur nationalen Reduzierung in den einzelnen Ländern reichen dafür noch nicht aus. Auch Deutschland muss nachsteuern. Die Pariser Ziele zu schaffen, wird also sehr schwer werden. Eine gute Kombination aus politischen Rahmenbedingungen und wirtschaftlichem sowie persönlichem Engagement könnte uns einen großen Schritt vorwärts bringen. Ersteres soll nun in Bonn verhandelt werden – das könnte ein wichtiges Signal setzen.

 

Stichwort „Anpassung“: Was ist damit genau gemeint: weltweit und vor unserer eigenen Haustür?

Schipper: Vorab: Das Anpassen an dem Klimawandel ist keine Resignation gegenüber dem Klimawandel. Das Vermeiden weiterer Treibhausgase ist entscheidend, um die Folgen des Klimawandels möglichst einzudämmen. Die Anpassung dient dazu, auf die unvermeidbaren Änderungen vorbereitet zu sein. Die deutsche Bundesregierung fährt hier seit 2008 „zweigleisig“. In diesem Zusammenhang entstehen eben vielen Klimaschutzplänen auf nationaler und regionaler Ebene, auch immer mehr Strategien zur Klimaanpassung. So haben viele Städte und Kommunen schon einen solche Strategie verabschiedet – oder werden das in naher Zukunft machen. Konkrete Maßnahmen zur Anpassung sind beispielsweise in der Forstwirtschaft das Anpflanzen neuer Baumarten, die im Sommer besser mit Hitze und Trockenheit umgehen können, das Verstärken des Küstenschutzes, indem Deichen erhöht und verstärkt werden, oder ein verändertes Tourismusangebot im Schwarzwald von reinen Skigebieten hin zu Alternativangeboten wie Wellness und Indoor-Sport.

 

Das Süddeutsche Klimabüro vermittelt zwischen Wissenschaft und Gesellschaft und sensibilisiert für den Klimaschutz. Was kann die oder der Einzelne wirklich tun?

Schipper: In unserer Gesellschaft ist die Verbrennung fossiler Brennstoffe immer noch eine wichtige Energiequelle. Wenn wir also Energie einsparen, reduzieren wir die Treibhausgase und betreiben damit aktiv Klimaschutz. Wer Autofahren und Fliegen auf ein Minimum reduziert und beim Essen auf regionale und saisonale Produkte achtet, kann die eigene Treibhausgasbilanz schon erheblich verbessern.

Wie der eigene Kohlendioxidverbrauch im Vergleich zum Bundesdurchschnitt ist, veranschaulichen CO2-Rechner, von denen es mehrere im Internet gibt. Anhand des Verbrauchs in Bereichen wie Heizung, Mobilität und Ernährung, errechnen sie den persönlichen CO2-Ausstoß. Ein Beispiel ist der des Umweltbundesamtes: www.uba.co2-rechner.de

* Zahlen des Carbon Dioxide Information Analysis Center (CDIAC) aus dem Jahr 2015.

 

Interview: Margarete Lehné