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Das "Ecomodernist Manifesto" - Paradigmenwechsel im Umweltschutz?

Das "Ecomodernist Manifesto" - Paradigmenwechsel im Umweltschutz?
   

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

mit dem Ecomodernist Manifesto (http://www.ecomodernism.org veröffentlichten im April Umweltforscher und –aktivisten aus dem Umfeld des US-amerikanischen Breakthrough Institutes einen vielbeachteten Essay, der zu einem grundlegenden Paradigmenwechsel im Umweltschutz aufruft: Es soll nicht mehr darum gehen, den Menschen mit der Natur zu versöhnen. Die Umweltpolitik der Zukunft müsse vielmehr die gesellschaftliche Entwicklung vom Ressourcenverbrauch entkoppeln. Der Einklang mit der Natur wird als romantisches - nicht erstrebenswertes Ideal - identifiziert. Die Unterzeichner des Manifests weisen dabei modernen Technologien eine zentrale Rolle zu – auch umstrittenen wie Kernkraftwerken oder Methoden zur CO2-Abscheidung und -Speicherung.

 

„In Teilen ist der streitbare Vorstoß der Ecomodernisten zu begrüßen“, kommentieren Professor Armin Grunwald, Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT, und Rafaela Hillerbrand, Professorin am ITAS für Technikethik und Wissenschaftsphilosophie. „Nur modernste Technik ermöglicht es, mit einem geringen ökologischen Fußabdruck eine Energieausbeute zu erreichen, welche die zukünftige Weltbevölkerung ernährt“, so die Wissenschaftler, die sich seit Jahren mit den ethischen Aspekten nachhaltiger Entwicklung und der Rolle von Technik in unserer Gesellschaft beschäftigen.

 

Das Manifest bereichere die Debatte über den Klimaschutz und eröffne neue Perspektiven: „Entwicklungs- und Schwellenländern muss ökonomisches Wachstum zugestanden werden, ohne die Zukunft unseres Planeten zu gefährden. Das Manifest kann dazu beitragen, den Widerstand von Ländern wie Indien zu überwinden und für das geplante Klimaabkommen in Paris Ende diesen Jahres mit ins Boot der Klimaschützer zu holen“.

 

Gleichzeitig bleibe das Dokument in einem Denken verhaftet, das schlussendlich für die Probleme der Gegenwart verantwortlich sei. „Sein größter Schwachpunkt ist ein zu enges Verständnis von Wohlstand und Natur“, kritisieren Grunwald und Hillerbrand. „Die Entkopplung des ökologischen Fußabdrucks von gesellschaftlicher Entwicklung ist notwendig, muss aber in eine breitere Reflexion über die Ziele von Technik eingebettet werden.“ Dazu bedürfe es einer Technikfolgenabschätzung, die darüber reflektiert, worin menschliches Wohlbefinden wirklich bestehe. „Neben ökonomischem Wohlstand, spielt hier auch die Natur eine Rolle, die weit über das Verständnis der Ecomodernisten als einer reinen Ressourcenquelle hinausgeht.

 

Aus dem Manifest spreche zudem eine naive Technikgläubigkeit. „Technik hat, auch wenn sie nach den besten Zielen entworfen wird, nicht nur gewollte positive, sondern üblicherweise auch nicht gewollte, bisweilen problematische Folgen.“ Das Design einer zukünftigen Welt ausschließlich auf den technischen Fortschritt auszulegen oder ausschließlich auf diesen zu setzen, erscheine daher deutlich unterkomplex. Technische Systeme wie die Stromversorgung seien heute zudem eng mit gesellschaftlichen Strukturen und Institutionen verknüpft. „Wollen wir unsere Zukunft mit Technik gestalten, so müssen wir immer über die Gesellschaft nachdenken, in die sie eingebettet ist“, fordern die beiden Technikphilosophen.

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu den Experten her. Bitte wenden Sie sich an Jonas Moosmüller, Tel. 0721 608 26796 ,jonas.moosmueller@kit.edu oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721- 608 47414, E-Mail an presse@kit.edu.

Im Portal „KIT-Experten“ finden Sie weitere Ansprechpartner zu Highlights der KIT-Forschung und tagesaktuellen Themen: www.pkm.kit.edu/kit_experten.php

 

Freundliche Grüße

Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Presse, Kommunikation und
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Monika Landgraf
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