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Monika Landgraf

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KIT-Express

KIT-Experten zu tagesaktuellen Themen

Mit den KIT-Express-Mails bietet die Abteilung Presse Journalisten aktiv Experten zu einem tagesaktuellen Thema an. Interviews, Meinungen, Einschätzungen, Hintergrundinformationen. Schnell und fundiert.

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 KIT-Zentrum Information, Systeme, Technologien

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Cyberattacken gehören im Internetzeitalter zum Alltag. In Deutschland wurde nahezu jedes dritte Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren über das Internet angegriffen. Der wirtschaftliche Schaden dabei ist enorm: Schätzungen gehen von jährlich 100 Milliarden Euro allein in Deutschland aus. Und auch unzählige Privatpersonen werden regelmäßig zu Opfern, etwa wenn millionenfach Zugangsdaten von Nutzerkonten bei Online-Diensten entwendet werden oder sich nach dem Öffnen eines unbekannten Emailanhangs schadhafte „Spyware“ auf dem Privatrechner installiert.
Heute stellt die Bundesministerin für Bildung und Forschung Johanna Wanka in Berlin das neue Forschungsprogramm der Bundesregierung zur IT-Sicherheit vor, das am nächsten Mittwoch im Kabinett verabschiedet werden soll.

 

„IT-Systeme haben unsere Geschäftswelt und unseren Alltag stark verändert, aber auch neue Missbrauchsmöglichkeiten eröffnet“, sagt Jörn Müller-Quade, Professor am Karlsruher Institut für Technologie und Direktor am FZI Forschungszentrum Informatik. Er erforscht Modelle und Methoden für sichere IT-Anwendungen, die persönliche Daten und Betriebsgeheimnisse intrinsisch schützen.
Müller-Quade leitet auch das von der Bundesregierung finanzierte Kompetenzzentrum für angewandte Sicherheitstechnologie (KASTEL) am KIT. Hier arbeiten elf Lehrstühle des KIT gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung und dem FZI sowie mit Partnern aus Forschung und Lehre anwendungsbezogen an Sicherheitslösungen.

 

„Wesentliches Merkmal von KASTEL ist der interdisziplinäre Zugang zur Sicherheit: Die Zusammenarbeit von Juristen, Experten für IT-Sicherheit, Kryptographen und Software-Ingenieuren ermöglicht es, Sicherheit für Systeme von großer Komplexität zu betrachten“, erläutert Müller-Quade. „Dies wird in Zukunft immer wichtiger, da immer mehr Geräte einen hohen Anteil an IT-Technik haben und immer stärker vernetzt sind. Wir widmen uns auch diesem Zusammenwachsen von Geräten und Lebenswelten und entwickeln verlässliche und nachvollziehbare Sicherheitsgarantien.“

 

Mehr zur Forschung von Jörn Müller-Quade: http://www.pkm.kit.edu/kit_experten_mueller-quade.php

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu Prof. Müller-Quade her.

 

Bitte wenden Sie sich an Nils Ehrenberg, Tel. 0721 608 48122, E-Mail: nils.ehrenberg@kit.edu, oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721 608-47414, E-Mail: presse@kit.edu.

 

Im Portal „KIT-Experten“ finden Sie weitere Ansprechpartner zu Highlights der KIT-Forschung und tagesaktuellen Themen: http://www.pkm.kit.edu/kit_experten.php.

 

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Als zertifizierte Universität und Großforschungseinrichtung fördert und praktiziert das KIT die Vereinbarkeit von Beruf, Studium und Familie.
KIT - Universität des Landes Baden-Württemberg und nationales Forschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

der digitale Wandel beeinflusst nicht nur unseren Alltag. Auch unser Bildungssystem, das wissenschaftliche Arbeiten sowie die Anforderungen an den Nachwuchs werden durch die zunehmende Digitalisierung stark beeinflusst. Um den Herausforderungen des digitalen Wandels gerecht zu werden, wurde die IT-Gipfel-Plattform „Digitalisierung in Bildung und Wissenschaft“ gegründet. Unter dem Vorsitz von Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung sowie dem Co-Vorsitzenden August-Wilhelm Scheer, verbindet die Plattform einflussreiche Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Forschung, Bildung und Sozialpartnern.

 

Ein Mitglied der IT-Gipfel-Plattform ist Dorothea Wagner, Informatikprofessorin am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Sie ist als Wissenschaftlerin am Institut für Theoretische Informatik hautnah an den digitalen Prozessen in der Forschung beteiligt und sieht in der zunehmenden Digitalisierung nicht nur eine Herausforderung, sondern auch viele Chancen für das Bildungssystem.

 

„Der digitale Wandel verändert das Lernen und Lehren im gesamten Bildungsbereich“, so Dorothea Wagner. Bereits in der Schulbildung müssen beispielsweise ein kompetenter Umgang mit digitalen Medien und der Digitalisierung zugrunde liegende Informatikkompetenzen vermittelt werden. Andererseits entstehe die gesellschaftliche wie individuelle Notwendigkeit der Weiterbildung in allen Lebens- und Berufskontexten, um der durch den digitalen Wandel erhöhten Innovationsgeschwindigkeit gewachsen zu sein, erklärt Wagner.

 

„Digitale Bereitstellung und Unterstützung von Lern- und Bildungsangeboten, die damit verbundenen Möglichkeiten der Individualisierung des Lernens oder des offenen Zugangs zu digitalen Bildungsangeboten birgt große Chancen“, so Wagner weiter. Dazu müssen insbesondere schon in den Schulen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass solche Angebote schnell erarbeitet und genutzt werden können. Hier sei vor allem der öffentliche Bildungssektor gefragt, es gehe aber auch um die sinnvolle Einbindung von Anbietern digitaler Lehrmittel und Betreiberplattformen sowie um die Kooperation von Unternehmen mit Schulen und Hochschulen.

 

Der digitale Wandel bringt eine enorme Nachfrage für qualifizierte Fachkräfte mit sich. Dieser müsse man auf mehreren Ebenen begegnen. „IKT-Fach- und Führungskräfte gehören heute und zukünftig zu den gefragtesten Berufsgruppen in Deutschland. Deshalb müssen nachhaltige Konzepte zur Nachwuchsgewinnung entwickelt werden, aber auch die erforderliche Qualifikationsstruktur vorhandener und zukünftiger Fach- und Führungskräfte in diesem Bereich weiterentwickelt werden. Dies betrifft den Hochschulbereich ebenso wie den Ausbildungsbereich“, so Wagner.

 

In Wissenschaft und Forschung sei der digitale Prozess bereits in vollem Gange, erläutert Wagner. „Hier verändert die Digitalisierung den Umgang mit Daten, die Art der Wissensgewinnung oder die nutzbaren Forschungsmethoden fundamental. Diese Veränderungen umfassen eine höhere Effizienz und Reproduzierbarkeit durch weitgehende Rechnerunterstützung in nahezu allen Disziplinen, eine mit hoher Dynamik ansteigende Menge an Daten, die für Forschungszwecke genutzt werden können, computergestützte Methoden und Werkzeuge zur Informationsextraktion oder neue Formen des Publizierens. Der gesamte Wissenschaftsbereich wird vor neue Herausforderungen gestellt, aber gleichzeitig sind Wissenschaft und Forschung selbst maßgeblicher Gestalter von zukünftigen Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung - ein höchstspannender Prozess, in dem wir als Wissenschaftler eine zentrale Rolle einnehmen“, erklärt Dorothea Wagner.

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu den Experten her. Bitte wenden Sie sich an Kosta Schinarakis, Tel. 0721 608 41956, schinarakis@kit.edu oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721- 608 47414, E-Mail an presse@kit.edu.

 

Im Portal „KIT-Experten“ finden Sie weitere Ansprechpartner zu Highlights der KIT-Forschung und tagesaktuellen Themen: www.pkm.kit.edu/kit_experten.php

 

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KIT – Universität des Landes Baden-Württemberg und nationales Forschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft

Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute plant das Umweltbundesamt eine großangelegte Studie zum Thema „geplante Obsoleszenz“ zu veröffentlichen. Es beleuchtet damit das Vorurteil, dass Hersteller ihre Geräte mit Absicht kurzlebiger bauen, um mehr Produkte zu verkaufen. Am Karlsruher Institut für Technologe ist die Entwicklung von zuverlässigen, komfortablen, wirtschaftlichen, sicheren und umweltverträglichen Produkten ein aktuelles Lehr- und Forschungsfeld.

 

"Richtig ist, dass Ingenieure Produkte auf eine geplante Gebrauchsdauer hin auslegen“, erklärt Albert Albers, Leiter des IPEK - Instituts für Produktentwicklung am KIT. „Das ist sinnvoll und hat nichts mit dem unnötigen Ausfall eines Produkts vor Ablauf seiner Gesamtlebensdauer zu tun." Als Entwickler einer Bohrmaschine für den professionellen Handwerker beachtet man andere Nutzungsprofile und Verkaufspreise als für den Hobby-Handwerker. „Dann werden alle Komponenten so dimensioniert, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit die vom Markt verlangte Gebrauchsdauer erreicht wird.“

 

„Letztlich hat der Kunde eine unendlich große Macht. Geplante Obsoleszenz fällt in unser Informationsgesellschaft sofort auf und das kann sich ein Hersteller gar nicht leisten. Umgekehrt: Wenn die Nutzer am Markt bewusst Handys kaufen würde, die 10 Jahre halten, oder Bohrmaschinen, die man noch den Enkel vererben möchte, dann würden die Hersteller sich darauf einstellen.“

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse des KIT gern den Kontakt zu den Experten her. Bitte wenden Sie sich an Kosta Schinarakis, Tel. 0721 608 41956, schinarakis@kit.edu oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721- 608 47414, E-Mail an presse@kit.edu.

 

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Das amerikanische Kommunikationsunternehmen Skype hat kürzlich die Sprache Deutsch in seine Übersetzungsfunktion aufgenommen. Damit können Telefonate, Videochats und Kurznachrichten in Echtzeit, also während des Telefonats, zwischen Gesprächspartnern übersetzt werden, die ihre eigenen, verschiedenen Muttersprachen nutzen. Forscher am KIT entwickeln seit einigen Jahren Methoden der Spracherkennung und automatischen Übersetzung und legten so die Grundlagen für solche Anwendungen.

 

„Die Übersetzungstechnologie hat nach Jahren der Forschung nun die Reife erreicht, dass auch große Unternehmen sie ihren Kunden auf einem Massenmarkt anbieten möchten“, freut sich Alex Waibel vom KIT. „Wir kommen damit dem Tag deutlich näher, wo Sprachbarrieren wirklich weltweit fallen. Wahnsinn, dass dies in nur einer Forschergeneration möglich war!“ Waibels Forschungsschwerpunkte sind Spracherkennung, Sprachverarbeitung, Sprachübersetzung sowie neuronale Netze.

 

Im Jahre 2012 führte Waibel das System „Lecture Translator“ zur automatischen simultanen Vorlesungsübersetzung am KIT ein. Es übersetzt die Vorlesungen der Dozenten in Echtzeit ins Englische, Spanische oder Französische. Mittlerweile sind über 300 Stunden Vorlesungen übersetzt worden, etwa 10 Prozent der Vorlesungen am KIT werden im Regelbetrieb mit dem Übersetzer begleitet. Vor allem ausländische Studierende mit noch geringen Deutschkenntnissen profitieren von der Übersetzung , finden einen Zugang zu den ausgezeichneten Lerninhalten am KIT und zur deutschen Sprache allgemein. "Wegen der Sprachschwelle bekommen wir viele ausländische Studenten nicht nach Deutschland ", sagt Waibel. „Der „Lecture Translator" ist ein Baustein, um deutsche Universitäten im Ausland attraktiver zu machen.“

 

Bereits Anfang der 1990er-Jahre entwickelten Waibel und sein Team „Janus“, das erste Amerikanisch-Europäische Sprachübersetzungssystem überhaupt, welches in vielen Projekten angewendet wird. Waibel ist Professor für Informatik am Karlsruher Institut für Technologie und an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. Außerdem leitet er das International Center for Advanced Communication Technologies (interACT), einem Forschungsverbund von acht führenden Forschungseinrichtungen weltweit.

 

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zweihundert Jahre nach seiner Erfindung durch den Karlsruher Pfiffikus Karl Freiherr von Drais ist das Fahrrad so beliebt wie nie in seiner Geschichte: Räder in allen erdenklichen Formen und Preisklassen gelten vor allem in den zunehmend überfüllten Ballungsräumen als ressourcen- und platzsparende Fortbewegungsmittel, aber dienen auch als Sportgerät, modisches Accessoire – wie schon zu Lebzeiten seines Erfinders im 19. Jahrhundert – und Lifestyle-Produkt. „80 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben ein Fahrrad“, sagt Bastian Chlond vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). „Und immerhin ein gutes Drittel der Bevölkerung nutzt in einer durchschnittlichen Woche das Fahrrad zumindest gelegentlich“. Allerdings steigt nicht einmal jeder 10. an mehr als vier Tagen in der Woche aufs Bike. Die Herausforderung bestehe mithin darin, die Menschen dazu zu bringen, es regelmäßiger zu benutzen, und natürlich Nichtfahrer zur Nutzung zu bewegen. Wie das gehen könnte, weiß Chlond.

Der promovierte Ingenieur forscht am Institut für Verkehrswesen (IfV) unter anderem im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums zum Mobilitätsverhalten. Seit über 20 Jahren präsentiert er mit dem Deutschen Mobilitätspanel (MOP) alljährlich eine Art Wasserstandsmeldung zum Mobilitätsverhalten der Deutschen. „Das Fahrradfahren hat hierzulande ein gutes Image“, sagt Chlond. „Radfahren gilt als gesund, umweltverträglich, ressourcen- und geldbeutelschonend und platzsparend.“ Und während nach dem knappheitsbedingten Fahrradboom der Kriegs- und Nachkriegsjahre zwischenzeitlich das motorlose Zweirad als Verlierervehikel galt, dass im Alltag nur noch Kinder, Jugendliche und Hausfrauen benutzten, deren Mann das Familienauto in Beschlag genommen hatte, „wissen heute immerhin knapp 40 Prozent der Bevölkerung, dass das Fahrrad eine gute Sache ist, da sie es zumindest statistisch innerhalb der vergangenen zwei Wochen genutzt haben“.

Warum wird dann nicht mehr Rad gefahren? Nur 12 Prozent aller Ortsveränderungen von Menschen würden mit dem Fahrrad bewältigt – dagegen 53 Prozent mit dem Auto, so Chlond. Laut einer Studie des ADAC machen sich nur noch rund 50 Prozent der Schüler eigenständig auf den Weg zur Schule. Vor 40 Jahren lag der Anteil noch bei über 90 Prozent. Heute kutschieren Eltern den Nachwuchs lieber mit dem Wagen bis an die Schulpforte, was wegen verstopften Straßen und auch Unfällen vielerorts für Ärger sorgt. Und nicht nur das: Die Schere zwischen körperlich fitten und körperlich inaktiven Kindern öffnet sich immer weiter, haben Sportwissenschaftler des KIT kürzlich in ihrer Langzeitstudie „Motorik-Modul“ herausgefunden. „Der Fahrradfahrer ist eben sensibel“, sagt Chlond. Herrscht schlechtes Wetter oder ist die Infrastruktur nicht optimal, bleibt der Drahtesel im Stall. Umgekehrt können dann schon kleine Verbesserungen erhebliche Wirkung entfalten. „Da 60 Prozent der Radfahrer ‚auch Autofahrer‘ sind wissen sie um die Vorteile der jeweiligen Verkehrsmittel und entscheiden vermutlich rational.“

Damit das Fahrrad aber den Vorzug erhält, müssen folgende Kriterien erfüllt sein: „Mit dem Rad muss es bequemer, sicherer und schneller gehen als mit anderen Verkehrsmitteln“, sagt Chlond. Vorwiegend genutzt werde das Rad für Strecken zwischen einem und fünf Kilometern besonders in den Städten. Gerade hier könnten Kommunen durch spezielle Infrastrukturangebote zusätzliche Anreize für den Umstieg aufs Rad schaffen. Chlond denkt dabei nicht nur an ein gut ausgebautes Radwegenetz, sondern zum Beispiel an abschließbare, überdachte Fahrradboxen im öffentlichen Raum. Heute müssten vor allem in Altbauten in Ermangelung geeigneter Abstellmöglichkeiten Fahrräder umständlich aus dem Keller geholt oder gar aus den Wohnungen heruntergetragen werden. In Chlonds Augen eine unnötige und hohe Hürde für deren regelmäßige Benutzung, die leicht und relativ preiswert zu beseitigen wäre. Eine wachsende Zielgruppe seien auch Verkehrsteilnehmer, die das Fahrrad mit anderen Verkehrsmitteln wie Bahn oder Auto kombinierten. „Diese verhalten sich multimodal“, sagt Chlond. „Das heißt, sie bewältigen den Alltag mit dem Fahrrad oder auch öffentlichen Verkehrsmitteln, aber in Fällen, in denen sie ein Auto benötigen, nutzen sie Car-Sharing-Angebote.“

Dabei könne das Fahrrad in den Städten nicht nur Verkehrs- und Parkplatzprobleme lösen, sondern auch die Luftqualität steigern „Das Fahrrad macht weniger Lärm, verursacht weniger Stau und könnte auch bei der Feinstaubproblematik helfen“, ist Chlond überzeugt. Als Allheilmittel für die globale CO2-Belastung tauge es wegen der Kürze der gefahrenen Strecken indes weniger.

Zusätzliches Potential für das Fahrrad sieht Chlond im Lieferverkehr und Kleingewerbe. Als positives Beispiel nennt Chlond die Briefzustellung, wo Lasten-E-Bikes immer mehr Verbreitung finden: „Die Boten können mehr Post auf einmal Transportieren und müssen seltener in die Zentrale zurück.“ Das sei effektiv und somit ökonomisch sinnvoll.

Für Nachfragen steht Ihnen unser Experte zur Verfügung. AP: Kosta Schinarakis, 0721 608-41956, kosta.schinarakis@kit.edu.
 

Sehr geehrte Damen und Herren,

am kommenden Freitag beginnen die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi. Rund 150 deutsche Athleten kämpfen dann zwei Wochen lang um Medaillen und Platzierungen. Neben Leistung und Material könnte auch das Wetter die Wettkampfentscheidungen beeinflussen. Um sich darauf optimal einzustellen, erarbeiten Forscher des KIT für die deutschen Olympia- und Paralympiateams passgenaue Wetterprognosen für die Wettkampfstätten.

„Das Schwarze Meer auf der einen Seite, den Kaukasus auf der anderen; das stellt auch die Wettervorhersagemodelle vor besondere Herausforderungen. In solch komplexem Gelände wie um Sotschi herum ändert sich das Wetter oft auch kurzfristig und die Wetterereignisse können heftig ausfallen“ erklärt Bernhard Mühr, Meteorologe vom Karlsruher Institut für Technologie. „Da gilt es bis kurz vor Start die aktuellsten Daten parat zu haben.“ Dem deutschen Team werden exklusiv Wetterprognosen bis zu 72 Stunden im Voraus als Karten, Diagramme und Tabellen zur Verfügung gestellt und 4 Mal am Tag aktualisiert. Über das Internet können alle Informationen vor Ort abgerufen werden. Gerade für die Ski-Wettbewerbe und die Präparierung der Ski sind möglichst genaue Wetterinformationen nötig. Von besonderem Interesse sind Zeitpunkt, Menge und Art des Niederschlags, die Temperaturen, die Feuchtigkeit oder die Strahlungsverhältnisse.

Für die hoch aufgelösten Wetterprognosen arbeiten das Institut für Meteorologie und Klimaforschung (IMK) des KIT mit der Plattform Wetterzentrale.de zusammen. Eingebettet ist die Arbeit in das Projekt „Snowstorm“ des MikroTribologie Centrum µTC, einer gemeinsamen Initiative des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik IWM und des Karlsruher Instituts für Technologie KIT. Zuletzt hat das IMK bei der Segelflugweltmeisterschaft in Argentinien (Januar 2013) das Deutsche Team mit hoch aufgelösten Wetterinformationen unterstützt. Bernhard Mühr ist auch als Wetterberater im Automobilrennsport tätig.

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auf dem kommenden Forschungsgipfel am 12.4.2016 in Berlin steht die Digitalisierung im Fokus. Vertreter von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft wollen gemeinsam Konzepte entwickeln, wie die Digitalisierung für den Standort Deutschland genutzt werden kann. Zu den Keynote-Sprechern gehören neben der Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG Dieter Zetsche auch Professor Christof Weinhardt, der am KIT zur Internet-Ökonomie, E-Commerce, Market Engineering und Sharing Economy forscht und lehrt.

 

 

„Deutschland hat hervorragende Ingenieure und noch bessere technische Produkte, aber die herausragenden Anwendungen im Internet stammen meist aus den USA - und das hat Gründe in der gesellschaftlichen Kultur zur Technikaufgeschlossenheit aber auch im Forschungssystem hierzulande“, sagt Weinhardt, der an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften des KIT eine Professur für Informationswirtschaft innehat. „In Deutschland bräuchte es mehr Mut für explorative Forschung, also Forschung, deren Nutzen sich nicht unmittelbar in Meilensteinen, Patenten und raschen Unternehmenserträgen messen lässt.“ In Unternehmen und Gesellschaft sollte ein Kulturwandel stattfinden, sodass neue Technologien bei aller notwendigen Vorsicht zunächst als Chancen begrüßt werden. „Wenn neue Ideen auf Innovationsbegeisterung treffen und sich im Wettbewerb bewähren können, dann kann der Standort Deutschland nachhaltig von seinem Wissensvorsprung profitieren.“ Weinhardts Forschung zielt auf den Bereich der digitalen Transformation im IT-, Energie-, Finanz- und Mobilitätssektor sowie auf Online-Partizipation in Wirtschaft und Gesellschaft. Er ist seit acht Jahren Fachkollegiat bei der DFG und war als Sachverständiger Mitglied der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Deutschen Bundestags. 

 

 

 

 „Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft tiefgreifend. Aber gerade zu den globalen, gesellschaftlichen Herausforderungen in Energie und Mobilität, aber auch zur Weiterentwicklung der Industrie wird die Digitalisierung maßgebliche Beiträge leisten“, ist sich Professor Holger Hanselka sicher. Der Präsident des KIT gehört zu den persönlich eingeladenen Experten des Forschungsgipfels, die sich mit Kommentaren, Fragen und Ideen in die Diskussion einbringen werden. „Wichtig ist es für die Digitalisierung, Kompetenzen aus Informatik, Wirtschaftswissenschaften, Elektrotechnik und Informationstechnik, Maschinenbau sowie Human- und Sozialwissenschaften zu bündeln und den Innovationstransfer von Wissenschaft zu Wirtschaft zu stärken.“

 

 

Rund um das KIT mit der ältesten Informatik-Fakultät Deutschlands haben sich in den letzten 45 Jahren viele Firmen rund um Internet, Software, Digitalisierung, Automatisierung und Informatik gegründet oder angesiedelt. Am KIT werden nachhaltige Lösungen für drängende Zukunftsfragen in den Feldern Energie, Mobilität und Information erarbeitet. Durch seine Innovationstätigkeit schlägt es die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung; zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Am KIT-Zentrum „Information · Systeme · Technologien“ forschen und entwickeln rund 800 Mitarbeiter, davon 70 Professoren, komplexe adaptive, technische Systeme zum sicheren und effizienten Umgang mit Information. Die Themen reichen von Algorithmik, Software Engineering, wissenschaftlichem Rechnen, sicheren Kommunikationssystemen und Big Data-Technologien, bis hin zu intuitiven Mensch-Maschine-Schnittstellen, menschzentrierter Robotik und Automation und Medizintechnik. 

 

 

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mit dem Ecomodernist Manifesto (http://www.ecomodernism.org veröffentlichten im April Umweltforscher und –aktivisten aus dem Umfeld des US-amerikanischen Breakthrough Institutes einen vielbeachteten Essay, der zu einem grundlegenden Paradigmenwechsel im Umweltschutz aufruft: Es soll nicht mehr darum gehen, den Menschen mit der Natur zu versöhnen. Die Umweltpolitik der Zukunft müsse vielmehr die gesellschaftliche Entwicklung vom Ressourcenverbrauch entkoppeln. Der Einklang mit der Natur wird als romantisches - nicht erstrebenswertes Ideal - identifiziert. Die Unterzeichner des Manifests weisen dabei modernen Technologien eine zentrale Rolle zu – auch umstrittenen wie Kernkraftwerken oder Methoden zur CO2-Abscheidung und -Speicherung.

 

„In Teilen ist der streitbare Vorstoß der Ecomodernisten zu begrüßen“, kommentieren Professor Armin Grunwald, Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT, und Rafaela Hillerbrand, Professorin am ITAS für Technikethik und Wissenschaftsphilosophie. „Nur modernste Technik ermöglicht es, mit einem geringen ökologischen Fußabdruck eine Energieausbeute zu erreichen, welche die zukünftige Weltbevölkerung ernährt“, so die Wissenschaftler, die sich seit Jahren mit den ethischen Aspekten nachhaltiger Entwicklung und der Rolle von Technik in unserer Gesellschaft beschäftigen.

 

Das Manifest bereichere die Debatte über den Klimaschutz und eröffne neue Perspektiven: „Entwicklungs- und Schwellenländern muss ökonomisches Wachstum zugestanden werden, ohne die Zukunft unseres Planeten zu gefährden. Das Manifest kann dazu beitragen, den Widerstand von Ländern wie Indien zu überwinden und für das geplante Klimaabkommen in Paris Ende diesen Jahres mit ins Boot der Klimaschützer zu holen“.

 

Gleichzeitig bleibe das Dokument in einem Denken verhaftet, das schlussendlich für die Probleme der Gegenwart verantwortlich sei. „Sein größter Schwachpunkt ist ein zu enges Verständnis von Wohlstand und Natur“, kritisieren Grunwald und Hillerbrand. „Die Entkopplung des ökologischen Fußabdrucks von gesellschaftlicher Entwicklung ist notwendig, muss aber in eine breitere Reflexion über die Ziele von Technik eingebettet werden.“ Dazu bedürfe es einer Technikfolgenabschätzung, die darüber reflektiert, worin menschliches Wohlbefinden wirklich bestehe. „Neben ökonomischem Wohlstand, spielt hier auch die Natur eine Rolle, die weit über das Verständnis der Ecomodernisten als einer reinen Ressourcenquelle hinausgeht.

 

Aus dem Manifest spreche zudem eine naive Technikgläubigkeit. „Technik hat, auch wenn sie nach den besten Zielen entworfen wird, nicht nur gewollte positive, sondern üblicherweise auch nicht gewollte, bisweilen problematische Folgen.“ Das Design einer zukünftigen Welt ausschließlich auf den technischen Fortschritt auszulegen oder ausschließlich auf diesen zu setzen, erscheine daher deutlich unterkomplex. Technische Systeme wie die Stromversorgung seien heute zudem eng mit gesellschaftlichen Strukturen und Institutionen verknüpft. „Wollen wir unsere Zukunft mit Technik gestalten, so müssen wir immer über die Gesellschaft nachdenken, in die sie eingebettet ist“, fordern die beiden Technikphilosophen.

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu den Experten her. Bitte wenden Sie sich an Jonas Moosmüller, Tel. 0721 608 26796 ,jonas.moosmueller@kit.edu oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721- 608 47414, E-Mail an presse@kit.edu.

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Sehr geehrte Damen und Herren,

ob in der Kommunikation, der Energieversorgung oder der Mobilität, in der Industrie, im Gesundheitsbereich oder in der Freizeit: Digitale Technologien sind längst Teil unseres Alltags, sie eröffnen neue Möglichkeiten und bieten Lösungen für gesellschaftliche Probleme. Gleichzeitig stellen sie uns vor Herausforderungen. Chancen und Risiken stehen im Mittelpunkt des Wissenschaftsjahres 2014 – Die Digitale Gesellschaft, das Bundesforschungsministerin Johanna Wanka am Mittwoch, 19. Februar, eröffnet. Als Experte für IT-Sicherheit diskutiert Professor Jörn Müller-Quade vom KIT in der Gesprächsrunde zum Auftakt in Berlin mit. Am KIT beschäftigen sich Forscherinnen und Forscher aller Disziplinen mit den vielfältigen – technischen und gesellschaftlichen – Aspekten der Digitalisierung.

IT-Sicherheit
IT-Systeme haben unsere Geschäftswelt und unseren Alltag stark verändert, aber auch neue Missbrauchsmöglichkeiten eröffnet. Deshalb erforscht Jörn Müller-Quade Modelle und Methoden für sichere IT-Anwendungen, die persönliche Daten und Betriebsgeheimnisse intrinsisch schützen. Ein Beispiel sind robuste Firewalls: Um sich vor Lücken in Firewall-Systemen zu schützen, entwickelte er mit seinem Team eine Methode, die verschiedene Firewalls kombiniert und über eine reine Reihenschaltung hinausgeht. „Diese Lösung ist auch dann noch sicher, wenn eine einzelne Firewall von einem Angreifer kontrolliert wird, da verschiedene Firewalls durch einen speziellen Hardwarebaustein parallel geschaltet werden“, so Müller-Quade. Die wichtigste Neuerung ist aber die Herangehensweise: die Sicherheitseigenschaften sind in einem mathematischen Modell beweisbar. Das System entstand am Kompetenzzentrum für angewandte Sicherheitstechnologie (KASTEL) und
wird im März auf der CeBIT vorgestellt. Mehr zur Forschung von Jörn Müller-Quade: http://www.pkm.kit.edu/kit_experten_mueller-quade.php

Kognitive Systeme
Weniger geräuschvolle Handy-Telefonate in der Straßenbahn? Vertrauliche Daten wie Passwörter und PINs unhörbar übermitteln? Anwendungsmöglichkeiten wie diese eröffnet die lautlose Sprachkommunikation. Passende Technologien entwickelt Tanja Schultz: „Wir erfassen über Elektroden auf der Hautoberfläche die Muskelbewegungen beim Sprechen und schließen dann von diesen Signalen über Mustererkennungsverfahren zurück auf das lautlos Gesagte“, so die Informatikerin. Die Technologie kann auch Menschen unterstützen, die durch Unfall oder Krankheit ihre Stimme verloren haben, ältere Menschen könnten eine Stimmunterstützung erhalten. Schultz und ihr Team haben außerdem das „Airwriting“ entwickelt, das sie in diesem Jahr auf der CeBIT zeigen: ein System, das über Bewegungssensoren am Handgelenk in die Luft Geschriebenes aufzeichnen kann. Ein Computersystem übersetzt diese Signale in einen Text. Weitere Informationen: http://www.pkm.kit.edu/kit_experten_schultz.php

Drahtlos vernetzte Sensoren
Stromnetze, Städte, Häuser und Verkehr: Alles wird „smart“. Die enge Verbindung von realer und digitaler Welt ermöglicht Anwendungen, die unser Leben einfacher und angenehmer machen. Dahinter stecken unter anderem Sensoren in Alltagsgeräten, die drahtlos Informationen austauschen. Das Smartphone redet mit Haushaltsgeräten, der Stromzähler mit dem Energieversorger. Die entsprechenden Daten werden von den Sensoren häufig über das Internet an zentrale Speicher gesendet. „Die Herausforderung dabei ist der Schutz der Privatsphäre“, sagt die Informatikerin Martina Zitterbart. „Zwar sollen sich die Geräte im Haus abstimmen – aber Stromversorger oder gar andere Internetnutzer sollen daraus nicht auf mein individuelles Nutzungsverhalten schließen können, auf meine Arbeitszeiten, den Inhalt des Kühlschranks oder wann ich in Urlaub bin.“ In der Forschungsgruppe von Martina Zitterbart werden Lösungen entwickelt, in denen die Sensoren zusammenarbeiten und die Daten künftig so kombinieren und bündeln können, dass sie nicht mehr einer bestimmten Einzelperson zugeordnet werden können und die Privatsphäre geschützt bleibt. Beim Thema Datenschutz arbeiten Informatiker und Juristen des Zentrums für Angewandte Rechtswissenschaften am KIT eng zusammen. Weitere Informationen: http://telematics.tm.kit.edu/forschung.php

Intelligente Energienetze
Neue Informations- und Kommunikationstechnologien spielen für die Integration der erneuerbaren Energien eine wesentliche Rolle: Trotz der Schwankungen bei der Stromproduktion und der dezentralen Erzeugung und Einspeisung gilt es, eine stabile Energieversorgung zu gewährleisten. „Um die erforderliche Flexibilität des Energieverbrauchs erschließen und ausnutzen zu können, sind neue Anreizsysteme und Mensch-Maschine-Schnittstellen erforderlich", sagt Hartmut Schmeck. Im Energy Smart Home Lab am KIT nutzen die Testbewohner intelligente Geräte im Haus; über Touchscreens, Tablets oder Smartphones tragen sie im Energy Management Panel ihre Präferenzen und kritische Rückmeldungen ein. „Zukünftig werden wir vermutlich in einem App-Store für zertifizierte Energiedienste die für uns am besten geeignete Unterstützung herunterladen können, mit der wir alle energetisch relevanten Komponenten in unserem Umfeld steuern können – angepasst an unsere persönlichen Präferenzen", so Schmeck. "Dazu gehören dann auch Dienste zur verlässlichen Vorhersage des lokalen Energieverbrauchs und der -erzeugung."

Humanoide Roboter
Menschenähnliche Roboter sind längst keine Science Fiction mehr. Ziel der Forscher am KIT ist es, Systeme zu entwickeln, die dem Menschen noch ähnlicher sind – was ihre Vielseitigkeit und die Fähigkeiten zum kontinuierlichen Lernen und zur natürlichen Interaktion angeht. Den Tisch zu decken und Saft oder Müsli aus dem Schrank zu holen, beherrscht der Roboter ARMAR bereits mühelos. Er kann Sprachkommandos verstehen und selbstständig umsetzen. Was einfach aussieht, ist technisch eine hochkomplexe Handlung: „Ein Roboter, der im Haushalt hilft, muss seine Umgebung wie ein Mensch wahrnehmen und interpretieren und sich an neuen Situationen anpassen“, sagt der Informatiker Tamim Asfour. „Über Kamera-Augen und Sensoren kann ARMAR sich orientieren – und durch Beobachtung des Menschen lernen, wie man etwa die Spülmaschine ausräumt.“ Die Forschung an humanoiden Robotern am KIT hat das Erschaffen vielseitiger Robotersysteme zum Ziel, die ihre Aufgaben als Helfer im Alltag und in der Produktion verrichten.

Technikfolgenabschätzung – den Menschen im Blick
„Ob Robotik, intelligente Energienetze oder neue Informations- und Kommunikationstechnologien: Die Entwicklung muss immer den Menschen als Technikgestalter und Techniknutzer im Blick behalten“, sagt Armin Grunwald. Der Experte für Technikfolgenabschätzung befasst sich mit den Wechselwirkungen zwischen technischem Fortschritt, gesellschaftlicher Entwicklung und kulturellem Wandel. Ein wesentlicher Teil dieses Wandels ist gerade die fortschreitende Digitalisierung, die nahezu alle Bereiche der Gesellschaft betrifft. „Sie eröffnet neue Möglichkeiten der Kommunikation und der Wertschöpfung, ja sogar der politischen Mitbestimmung und Partizipation (E-Democracy). Aber sie erlaubt Unternehmen und Geheimdiensten auch immer stärker das Eindringen in die Privatsphäre“. Den digitalen Fortschritt in diesem Spannungsfeld konstruktiv mitzugestalten, ist eine der Aufgaben der Technikfolgenabschätzung.

Arbeitsmarkt und technologischer Wandel
„Was die Automatisierung der Produktion für die Industrielle Revolution war, ist heute die Automatisierung der Datenorganisation“, sagt Sozialwissenschaftler Gerd Nollmann. Auch heute ersetzten neue Technologien Arbeitskräfte, vor allem in der Verwaltung. Ein Beispiel seien standardisierte Datenbanken, die das manuelle Eingeben und Pflegen von Datensätzen überflüssig machten. Noch bestimmten die geburtenstarken Jahrgänge der 50er- und 60er-Jahre die Arbeitswelt, die sich teils noch gegen technologische Neuerungen sträubten – gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Das werde sich in zehn bis 15 Jahren ändern. „Der gut ausgebildete, technologieaffine Führungsnachwuchs wird die Abläufe noch weiter automatisieren“, so Nollmann, „allerdings werden dem Arbeitsmarkt beim Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge jährlich auch 600.000 Arbeitskräfte verloren gehen.“ Die Übergangszeit bedeute vor allem für Arbeitnehmer mit geringerem Bildungsabschluss häufigere Erwerbslücken und Arbeitgeberwechsel. „Und eine instabile Erwerbskarriere wirkt sich wiederum negativ auf Heiratsverhalten und Familiengründung aus.“

Elektronische Märkte
Auch den Handel von Gütern und Dienstleistungen haben Informationstechnologien revolutionär verändert. Wie sich elektronische Märkte gestalten, regulieren und weiterentwickeln lassen, ist Thema von Christof Weinhardt. Spezialgebiet des Wirtschaftswissenschaftlers sind Prognosemärkte: „Hier nutzen wir das Marktprinzip für Vorhersagen: Auf elektronischen Märkten werden Erwartungen in Form von virtuellen Aktien ‚gehandelt‘. So eignen sie sich etwa als Frühindikator zur Einschätzung der Konjunkturentwicklung – oder zur Vorhersage darüber, wie ein neues Produkt bei Kunden ‚ankommt‘“. Um das Verhalten von Marktteilnehmern besser zu verstehen, wendet er auch Methoden aus Soziologie und Psychologie an und untersucht beispielsweise, wie Emotionen wirtschaftliche Entscheidungen – etwa bei Internetauktionen – beeinflussen. Weinhardt war Mitglied der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Deutschen Bundestags, die im vergangenen Jahr endete. Weitere Informationen: http://www.pkm.kit.edu/kit_experten_weinhardt

Verteilte IT-Ressourcen
Großprojekte in Industrie und Forschung produzieren große Datenmengen, für deren Analyse und Verarbeitung zentrale Kapazitäten oftmals nicht ausreichen. KIT-Informatiker erforschen, wie Daten effektiv verteilt und verarbeitet werden. „Virtuelle Arbeitsumgebungen in verteilten, sogenannten föderierten IT-Infrastrukturen erlauben es Projektpartnern, entfernte Ressourcen gemeinschaftlich, einfach und sicher zu nutzen“, erläutert Achim Streit. „Zudem helfen standortübergreifende Konzepte arbeitsteilig und wirtschaftlich vorzugehen“, erklärt Holger Marten. Das KIT betreibt in Karlsruhe zahlreiche IT-Infrastrukturen für interne und externe Nutzer, so etwa das Rechenzentrum GridKa für das Forschungszentrum CERN in Genf und den Hochleistungsrechner bwUniCluster für die baden-württembergischen Hochschulen. Weitere Informationen zur Forschung von Achim Streit und Holger Marten: www.pkm.kit.edu/kit_experten_streit_marten.php

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu den Experten her. Bitte wenden Sie sich an Margarete Lehné, Tel. 0721 608-48121, E-Mail: margarete.lehne@kit.edu, oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721 608-47414, E-Mail: presse@kit.edu.

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Sehr geehrte Damen und Herren,

die Bundesregierung will die biobasierte Wirtschaft in Deutschland stärken und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen vermindern. Die Politikstrategie Bioökonomie hat die Bundesregierung in dieser Woche beschlossen. „Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) begrüßt diese Strategie und die Betonung der Bedeutung der Entwicklungen im Bereich der Bioökonomie“, sagt der Vizepräsident des KIT, Dr. Peter Fritz. „Das KIT ist mit der bioliq®-Pilotanlage Vorreiter in der Erforschung und technologischen Umsetzung von Verfahren zur stofflichen und energetischen Nutzung nachwachsender Rohstoffe.“

 

Mit dem bioliq®-Prozess ist es möglich, aus biogenen Reststoffen verschiedener Art hochwertige synthetische Kraftstoffe aller Art, aber auch chemische Grundstoffe für die Industrie herzustellen. „Mit diesem Verfahren stehen wir nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelherstellung, da hier Ausgangsstoffe verwendet werden, die in der Land- und Forstwirtschaft als Begleitstoffe anfallen, wie etwa Stroh oder Restholz. Deren Energiegehalt ist bei konventionellen Verfahren für eine großtechnische Nutzung zu gering, aber mit bioliq® als entscheidender Innovation können wir diese Biomassen in hochwertige Produkte umwandeln“, betont Dr. Karl-Friedrich Ziegahn, Chief Science Officer des KIT und Sprecher der Bioenergieforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft. Damit entfiele auch ein häufig verwendetes Argument gegen die Nutzung nachwachsender Rohstoffe, deren Produktion zur Nahrungsmittelknappheit beitragen würde.

 

Ein großer Vorteil des bioliq®-Verfahrens ist die Variationsmöglichkeit bei den Produkten. So lassen sich die in ersten Prozess-Stufen gewonnen chemischen Grundbausteine im letzten Prozessschritt gezielt zu maßgeschneiderten Energieträgern, Designerkraftstoffen oder Kraftstoffkomponenten zusammensetzen. Je nach Syntheseweg kann dabei Diesel oder Benzin erzeugt werden. „Ziel ist es, leistungsfähige, emissionsarme und motorenverträgliche Kraftstoffe zu erzeugen“,so Ziegahn.

 

Die Konzeption und der Bau der bioliq®-Pilotanlage als international einzigartige und breit nutzbare Forschungs- und Versuchseinrichtung mit einem Investitionsvolumen von rund 64 Millionen Euro wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) über die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR), sowie durch das Land Baden-Württemberg und die Europäische Union (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) gefördert.

 

 
Nähere Informationen zu bioliq® finden Sie unter: http://www.kit.edu/besuchen/pi_2013_12692.php

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu Dr. Karl-Friedrich Ziegahn her. Bitte wenden Sie sich an presse@kit.edu oder an Tel: 0721 608 47414.

 

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Sehr geehrte Damen und Herren,

bis zu 82 Prozent der Sonne wird der Mond bei der partiellen Sonnenfinsterns am morgigen Freitag (20.03.2015) über Deutschland bedecken. Knapp 73 Prozent werden es über Karlsruhe sein, wo die Sonnenfinsternis zwischen 9:28 und 11:48 Uhr zu beobachten sein wird. Kann es durch die kurze Zeit der Dunkelheit tatsächlich zu Engpässen oder gar Ausfällen im Stromnetz kommen? Der Anteil der Solarenergie an der Bruttostromerzeugung hat in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen: Bei 5,8 Prozent lag er im vergangenen Jahr, 2010 waren es erst knapp 2 Prozent (Quelle: Statista 2015).

 

Dr. Reinhard Grünwald, Wissenschaftler am Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag, das vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) betrieben wird, erläutert den Hintergrund: „Innerhalb von etwa einer Stunde fallen bis zu zwölf Gigawatt Einspeiseleistung aus der Photovoltaik aus, etwas später steigt die Einspeisung dann innerhalb von 75 Minuten wieder um bis zu 19 Gigawatt an. Diese Schwankungen gilt es auszugleichen, um die Stromversorgung sicher zu stellen.“

 

Der Physiker, der sich unter anderem mit der zukünftigen Entwicklung des Stromversorgungssystems beschäftigt, sieht jedoch keine Gefahr für die Stromversorgung. Es stünden genügend Reservekraftwerke und regelbare Verbraucher zur Verfügung, um das Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. „Bei weiter fortschreitendem Ausbau der Stromerzeugung durch Photovoltaik und Windkraft werden ähnliche Situationen in zehn bis 15 Jahren zur ganz normalen Routine gehören“, sagt Grünwald. Viel kritischer für die Stabilität der Stromversorgung seien unvorhergesehene Zwischenfälle wie der Ausfall großer Kraftwerksblöcke oder Übertragungsleitungen. Eine Sonnenfinsternis ließe sich dagegen sekundengenau vorhersagen.

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu dem Experten her.

 

Bitte wenden Sie sich an Margarete Lehné, Tel. 0721 608-48121, E-Mail: margarete.lehne@kit.edu oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721 608-47414, E-Mail: presse@kit.edu.

 

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Sehr geehrte Damen und Herren,

durch Zeckenstiche ziehen sich jährlich mehr als 100.000 Menschen in Deutschland eine Borreliose-Infektion zu, etwa 300 erkranken an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Gerade im Frühjahr ab Temperaturen von durchgehend über sieben Grad Celsius, steigt das Risiko gestochen zu werden. Durch den milden Winter 2013/14 zeigten Zecken bereits im Februar eine hohe Aktivität, hat das KIT-Forscherteam festgestellt, das seit zwei Jahren die Zeckenpopulation an 25 Standorten in Baden-Württemberg überwacht.

Besonders gerne halten sich die achtbeinigen Spinnentiere in Gegenden mit hohem Grundwasserspiegel auf wie etwa in den Rheinauen. „Wir finden aber auch in tiefer gelegenen Laubwäldern und überraschenderweise in städtischen Parks große Populationen“, sagt Trevor Petney vom KIT. Der Parasitologe und sein Team untersuchen, in welchen Gebieten Zecken welche Krankheitserreger in sich tragen, wo ihre Population besonders hoch ist und welche Umwelteinflüsse dafür verantwortlich sind. Ziel ihres Forschungsprojektes ist es, ein Modell für das komplizierte Zusammenspiel von Zecken, Klima, Umwelt, Wirtstieren und Krankheitserregern zu erstellen und daraus kleinräumige Warnhinweise und konkretere Impfempfehlungen abzuleiten. So gibt es in der Rheinebene ganz andere Aktivitätsmuster als im höher gelegenen Stuttgart.

„Im Frühjahr werden nach den bisherigen Ergebnissen bei steigenden Temperaturen theoretisch mehr infizierte Zecken auf der Vegetation sitzen und somit mehr Menschen infizieren können“, erklärt Miriam Pfäffle, Nachwuchswissenschaftlerin am KIT. Bestimmte Gegenden sollte man nun meiden, etwa Mischwälder mit einer durchgehenden Laubschicht, Waldränder oder Wiesen, die nicht gemäht werden. Nadelwälder sind wenig geeignet für Zecken, auch an höher gelegenen Standorten ist die Zeckendichte normalerweise geringer. Und in Parkanlagen, auf denen man sich wirklich nur auf der gemähten Wiese aufhält, besteht ebenfalls nur eine minimale Gefahr, einer Zecken über den Weg zu laufen.

Sollte man dennoch gestochen werden, entfernt man die Zecke einfach mit einer spitzen Pinzette, mit der man unterhalb des Körpers der Zecke nahe an der Haut ansetzt und sie dann vorsichtig herauszieht, ohne den Körper zu quetschen. Quetschen, aber auch Hausmittelchen wie Öl, Benzin, Nagellackentferner oder Klebstoff können dazu führen, dass die Zecke erbricht und so der Darminhalt mitsamt der Krankheitserreger in die Wunde gelangt.

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu den Experten her. Bitte wenden Sie sich an Kosta Schinarakis, Tel. 0721 608 41956, schinarakis@kit.edu oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721- 608 47414, E-Mail an presse@kit.edu.

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Sehr geehrte Damen und Herren,

in dieser Woche beginnt die Fußballeuropameisterschaft in Frankreich. Welches der 24 Teams den Titel letztlich erringen wird, wissen wir erst in einem Monat. Doch welche Taktik erfolgversprechend ist, können Forscher des KIT schon jetzt sagen. Und dank Big Data und Statistik wissen Wissenschaftler des KIT schon heute, wer der wahrscheinlichste Europameister ist. Und warum es so teuer werden kann, sein Fußball-Sammelbildalbum zu vervollständigen.

 

„Der Begriff Spielsystem trifft das heutige Geschehen auf dem Platz nicht mehr genau“, findet Sportwissenschaftler Dr. Dietmar Blicker vom KIT. Seine Arbeitsgruppe erstellt Spielanalysen unter anderem für den Karlsruher SC und untersucht die taktische Entwicklung im Fußball. „Während früher 90 Minuten „4-4-2“ oder „5-3-2“ gespielt wurde, ist das moderne Spiel viel flexibler geworden.“ Statt in Systemen wird in „Spielprinzipien“ festgelegt, welcher Spieler sich in welchen Situationen wie verhalten soll. Die taktische Schulung der Spieler steht also immer mehr im Mittelpunkt. „Auf dem Platz müssen Spieler selbstständig erkennen können, ob sie nun in der Rolle eines Innen- oder Außenverteidigers gebraucht werden.“ Zu den neuen Fußballregeln, die ab dem 1. Juni und somit auch schon zur EM gelten, sagt Blicker: „Die Änderungen sind großenteils nicht dramatisch, können aber im Einzelfall vielleicht zu spannenden taktischen Weiterentwicklungen des Spiels führen.“ So darf der Anstoß nun auch direkt nach hinten gespielt werden, und eine „Angriffsmauer“ zur Sichtbehinderung des Torwarts wird verboten.

 

„Die gute Nachricht: Mit 94,3-prozentiger Wahrscheinlichkeit übersteht die deutsche Fußballnationalmannschaft die Gruppenphase und erreicht das Achtelfinale“, sagt Professor Michael Feindt vom KIT. „Allerdings liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland Europameister wird bei unter zehn Prozent.“ Bessere Chancen haben Frankreich (34,4 %), Spanien (17,5 %) und England (11,3 %). Feindt ist Experte für die Analyse großer Datenmengen. Die von ihm gegründete Firma Blue Yonder entwickelt Vorhersage-Software und unterstützt Handelsunternehmen mit datenbasierten Entscheidungen bei der Planung von Lagerbeständen und der dynamischen Preisgestaltung. Die Vorhersage-Software nutzt selbstlernende Neuronale Netze, erkennt in großen Datenmengen Muster und Zusammenhänge und erstellt daraus Prognosen. Ursprünglich wurde sie für die Anwendung in der Elementarteilchenphysik am CERN entwickelt, wo sie erfolgreich unter tausenden Teilchen die wenigen wissenschaftlich relevanten entdeckt. Für die Prognose der Europameisterschaft wurden die Algorithmen angepasst und mit den Ergebnissen aller rund 36.000 seit 1873 ausgetragenen offiziellen Länderspiele gefüttert. Natürlich entscheiden viele Unwägbarkeiten den Turnierverlauf, etwa Wetter, Verletzungen und Fehlentscheidungen. „Dennoch können wir über unsere Algorithmen für jedes Team die Wahrscheinlichkeit vorhersagen, dass es am 10. Juli in Paris als Sieger den Platz verlassen wird“, so Michael Feindt. „Aber wir drücken unseren Jungs die Daumen – trotzdem!“

 

„Um das Fußball-Sammelbildalbum zur Europameisterschaft zu vervollständigen, braucht es eigentlich nur 680 verschiedene Sticker, also 136 Tütchen mit je 5 Sticker im Gesamtwert von rund 100 Euro,“ weiß Mathematiker Professor Norbert Henze vom KIT. „Doch da die Sticker nach dem Zufallsprinzip eingetütet und verkauft werden, steigt der finanzielle Aufwand enorm, wenn man sich sein komplettes Album „erkaufen“ wollen würde.“ Man müsste ca. 4685 (5280/5965/6455) Sticker kaufen, damit man eine 50 (75/90/99)-prozentige Chance auf ein komplettes Album hat, und somit rund 650 bis 900 Euro investieren. „Mein Tipp als Statistiker ist es also, sich mit möglichst vielen Sammlern zu vernetzen und fehlende Sticker untereinander einzutauschen. Das ist deutlich günstiger.“

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse des KIT gern den Kontakt zu den Experten her. Bitte wenden Sie sich an Kosta Schinarakis, Tel. 0721 608 41956, schinarakis@kit.edu oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721- 608 47414, E-Mail an presse@kit.edu.

 

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Sehr geehrte Damen und Herren,

für die Entdeckung der Neutrino-Oszillation wurde heute den Teilchenphysikern Takaaki Kajita aus Japan und Arthur B. McDonald aus Kanada der Nobelpreis für Physik 2015 zugesprochen. Sie werden damit für ihre Entdeckung ausgezeichnet, dass Neutrinos überhaupt eine Masse besitzen. Einen genauen Wert für die Masse zu bestimmen, ist das Ziel des Groß-Experiments KATRIN auf dem Campus Nord des KIT.

 

„Unser herzlichster Glückwunsch geht an die beiden Preisträger“, freut sich Guido Drexlin vom KIT, Sprecher der KATRIN-Kollaboration. „Es macht uns sehr froh, dass die Kollegen, die die Grundlagen für KATRIN gelegt haben nun geehrt werden.“ Es bestehen enge Bande zu den beiden Geehrten: Zahlreiche Mitglieder der Arbeitsgruppe um Arthur B. McDonald sind Mitglieder der KATRIN-Kooperation und der Julius Wess-Preis des KIT wurde im Jahre 2013 an Takaaki Kajita für seine herausragenden Verdienste in der Neutrinophysik verliehen. (https://www.kceta.kit.edu/julius-wess-preis-2013.php)

 

Als präziseste Waage der Welt soll KATRIN die Masse des kleinsten Materie-Teilchens, des Neutrinos, bestimmen, welches über eine Milliarde mal leichter ist als ein Wasserstoffatom. Neutrinos spielen eine wichtige Rolle bei der Untersuchung des Ursprungs der Materie und bei der Gestaltung der sichtbaren Strukturen im Kosmos.

 

Das internationale Experiment nutzt dazu Elektronen aus dem Beta-Zerfall von Tritium, in dem Neutrinos eine tragende Rolle spielen. Die erst im letzten Monat angelieferte, hochintensive, gasförmige Tritiumquelle (25 Tonnen schwer und 16 Meter lang) wird es der KATRIN-Kollaboration ermöglichen, eine nie dagewesene Messgenauigkeit zu erreichen, die mehr als eine ganze Größenordnung besser sein wird als an den bisher weltweit führenden Experimenten.

 

Das bekannteste Bauteil von KATRIN wurde bereits 2006 am KIT aufgestellt: Das Hauptspektrometer mit einer Länge von 24 Metern und einem Durchmesser von 10 Metern wurde auf dem Seeweg und auf den letzten Kilometern unter der Begleitung von Hunderten Schaulustigen angeliefert. Das Foto, auf dem er über ein Mehrfamilienhaus in Leopoldshafen lugt, ging um die Welt. In diesem Spektrometer wird die Energie der beim Tritiumzerfall entstehenden Elektronen und im Umkehrschluss die Masse der Neutrinos mit bisher unerreichter Genauigkeit gemessen werden.

 

Für die Bewältigung dieser Jahrhundertaufgabe haben die Forscher in den vergangenen Jahren zahlreiche wissenschaftliche Herausforderungen gelöst und technologisches Neuland betreten. So etwa eine Hochspannung von 18 600 Volt mit einer Genauigkeit von 0,1 Volt einzustellen. Oder ein Ultrahochvakuum von 10 hoch minus 11 Millibar (14 Größenordnungen unter dem normalen Luftdruck) in einem Volumen von 1240 Kubikmeter (die Größe eines Einfamilienhauses) über 5 Jahren zu halten. Rund 200 Wissenschaftler aus 5 Ländern und 2 Kontinenten sind an KATRIN beteiligt. Das Budget beträgt 60 Millionen Euro. Die Gesamtlänge der KATRIN-Anlage wird 70 Meter erreichen. Die Messungen sollen nach dem vollständigen Anschluss und Tests im Herbst 2016 beginnen. Für die endgültigen Ergebnisse wird eine Messzeit von 5 Jahren erforderlich sein.

 

Mehr Informationen zu KATRIN und seinen Teilen:
https://www.katrin.kit.edu/

 

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zwar klappt es aktuell mit Neuschnee im Schwarzwald und in den Alpen – bislang blieben viele deutsche Skigebiete aber noch geschlossen, in niedrigen Lagen der Alpen waren die Pisten nur dank Schneekanonen in Betrieb.

 

„Schnee gibt es dann, wenn feuchte Luftmassen und niedrige Temperaturen zusammentreffen. Schneekanonen helfen in Situationen wie in den vergangenen zwei Wochen, wenn es sehr kalt ist, aber gleichzeitig die feuchten Luftmassen fehlen. Ob die kalten Temperaturen aber pünktlich zu der für das Skigeschäft entscheidenden Zeit des Jahreswechsels kommen, ist letztlich Zufall. Bei den immer wärmer werdenden und tendenziell später beginnenden Wintern können Schneekanonen deshalb nur eine Übergangslösung sein. Langfristig müssen für das touristische Konzept der Skiregionen Alternativen zum Skifahren entwickelt werden“, sagt der Klimaforscher Harald Kunstmann vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

 

Er und seine Kollegen gehen davon aus, dass die Temperatur in den Alpen künftig alle zehn Jahre um etwa ein halbes Grad Celsius steigen wird. „Damit werden sich auch die Klimazonen nach oben verschieben, um etwa hundert Höhenmeter pro Jahrzehnt“, so Kunstmann. Die Schneebedingungen würden damit immer unsicherer, insbesondere für niedriger gelegene Schneegebiete unter 1500 Metern. Dort werden Niederschläge künftig vor allem als Regen fallen.

 

Der Klimawandel sei in den Alpen deutlich sichtbar, so Kunstmann. „Am eindrucksvollsten lässt sich das an den Gletschern beobachten, die massiv zurückgehen. In den Ostalpen könnten sie bis Ende des Jahrhunderts sogar vollständig verschwunden sein“. Im alpinen Bereich macht sich die Temperaturerhöhung im Vergleich zum globalen Mittel viel stärker bemerkbar, sie ist hier gut doppelt so hoch. „Gleichzeitig wird das Wetter variabler: Die Ausschläge zwischen sehr trockenen und sehr feuchten, sehr kalten und sehr warmen Jahren werden extremer“, sagt Harald Kunstmann.

 

Für weitere Informationen stellt die Pressestelle des KIT gern Kontakt zu Harald Kunstmann her. Bitte wenden Sie sich an Margarete Lehné, Tel. 0721 608-48121, margarete.lehne@kit.edu oder an das Sekretariat, Tel. 0721 608-47414, E-Mail an presse@kit.edu.

 

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Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Deutschland baut seine Energieversorgung um. Der Umbau der Energieversorgungsstrukturen hin zu erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz ist der Schlüssel für mehr Klimaschutz. Soll aber auch Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland erhalten. Beim Zukunftskongress „Energieoffensive 2030“ des BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung), ab dem 23. Mai 2017 in Berlin, tragen Experten ihre Ideen und Ansätze zusammen. Auf dem Podium mit dabei ist auch das KIT.

 

 „Die Energiewende bedeutet für das deutsche Energiesystem einen Paradigmenwechsel, der neben Herausforderungen in starkem Maße auch wirtschaftliche Chancen bietet“, sagt Professor Holger Hanselka, Präsident des KIT und Sprecher von ENSURE, einem der vier Kopernikus-Projekte für die Energiewende des BMBF. Auf dem Zukunftskongress „Energieoffensive 2030“ in Berlin stellt Hanselka Status quo und Ausblick des Projektes ENSURE (Neue EnergieNetzStruktURen für die Energiewende) vor. „Wir wollen zeigen, wie wir in Deutschland gleichzeitig Energie aus fluktuierenden erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind in das Netz dezentral integrieren und eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung gewährleisten können.“

 

Doch nicht nur die Technik wird sich weiterentwickeln. Auch der Bürger wird eine neue Rolle finden. Zusätzlich zum Konsumenten wird er auch Produzent von Energie etwa per Solarzelle oder Blockheizkraftwerk. „Daher kann man den kommunikativen Aspekt der Energiewende nicht unterschätzen“, so Hanselka. „Wer gesellschaftliche Akzeptanz will, muss die Gesellschaft auch flächendeckend mitnehmen.“ Je früher der Veränderungsprozess adressiert wird, so die Erfahrung, desto höher sind die Akzeptanz und die Teilnahme in der Bevölkerung.

 

„Neuentwickelte Technologien öffnen der deutschen Wirtschaft auch neue Märkte“, ist sich Hanselka sicher. „Innovative Forschung mit starken Partnern aus der Industrie bildet die Grundlage für exportfähige Produkte.“ Daher seien Wettbewerber im Ausland sehr aufmerksam auf die Aktivitäten im Rahmen der Energiewende. Aber auch im Inland haben viele Bürger und Interessenvertreter das Thema Energiewende auf der Agenda. „Von Forschung und Entwicklung werden zu Recht die notwendigen Beiträge zur Energiewende erwartet. Umgekehrt sehen wir es als Aufgabe von Politik und Gesellschaft nicht nur den notwendigen finanziellen Rahmen zu schaffen, sondern auch eine offene, ideenfördernde und faktenorientierte Diskussionskultur zu bewahren.“

 

Für weitere Informationen stellt die Pressestelle des KIT gern den Kontakt zum Experten her. Bitte wenden Sie sich an Kosta Schinarakis, Tel.: 0721 608 41956, kosta.schinarakis@kit.edu oder an das Sekretariat der Pressestelle, Tel.: 0721- 608 47414, E-Mail an presse@kit.edu.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute hat die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) in Berlin ihr neues Jahresgutachten an Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben. Die 2006 auf Beschluss der damaligen Bundesregierung eingerichtete EFI ist ein sechsköpfiger Sachverständigenrat, der jährlich ein Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands erstellt. Wesentliche Aufgabe der EFI ist es, die Stärken und Schwächen des deutschen Innovationssystems im internationalen und zeitlichen Vergleich zu analysieren und die Perspektiven des Forschungs- und Innovationsstandorts Deutschland zu bewerten. Auf dieser Basis entwickelt die Expertenkommission dann Vorschläge für die nationale Forschungs- und Innovationspolitik.

 

Seit 2014 Mitglied der EFI ist Ingrid Ott, Professorin für Wirtschaftspolitik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Volkswirtin befasst sich am KIT mit den zentralen Wachstumsdeterminanten moderner Volkswirtschaften. Dabei geht es im Kern um Antworten auf die Frage, warum – bei gleicher Ausstattung mit Ressourcen und Arbeitskräften und entsprechend identischem Potenzial – manche Volkswirtschaften ökonomisch erfolgreicher sind als andere.

 

„In unserem diesjährigen Gutachten diskutieren wir erneut aktuelle Entwicklungen, die für die Innovationspolitik Deutschlands von zentraler Bedeutung sind. Darüber hinaus befassen wir uns vertieft mit verschiedenen Aspekten von Digitalisierung und Innovation“ sagt Ingrid Ott. Hierzu zählen:

 

Der Beitrag von KMU zu Forschung und Innovation in Deutschland
Die Innovationsausgaben der innovationsaktiven kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sind laut Gutachten in Deutschland im internationalen Vergleich gering. Zu hohe Innovationskosten und ein zu hohes wirtschaftliches Risiko seien die am weitesten verbreiteten Innovationshemmnisse. Erneut beklagt die EFI die in Deutschland fehlende steuerliche Förderung für Forschung und Entwicklung.

 

Robotik im Wandel

Beim Robotereinsatz in der industriellen Fertigung, insbesondere im Fahrzeugbau, ist Deutschland laut Gutachten derzeit noch gut aufgestellt. Konkurrenz erwachse jedoch aus Robotik-Nationen wie den USA, Japan, Südkorea und China. Als ein wichtiger Wachstumsmarkt der Zukunft gelte der Bereich Servicerobotik. Hier sei Deutschland bisher nicht gut positioniert.

 

Geschäftsmodelle der digitalen Wirtschaft

Die wirtschaftliche Bedeutung datengetriebener Dienste und Geschäftsmodelle, die den strategisch wichtigen Zugang zum Endkunden besetzen können, habe erheblich zugenommen. Laut EFI-Gutachten konnte Deutschland bislang weder in der klassischen IKT-Branche (Informations- und Kommunikationstechnik) noch in den neuen, internetbasierten Bereichen der digitalen Wirtschaft (Cloud Computing, Big Data) besondere Stärken aufbauen.

 

E-Government in Deutschland

Electronic Government steht für die Abwicklung von Regierungs- und Verwaltungsprozessen mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechniken über elektronische Medien. Verschiedene Studien – so die EFI – zeigen, dass Deutschlands E-Government im internationalen Vergleich deutlich zurückliegt. Der Rückstand spiegle vor allem ein begrenztes und wenig nutzerfreundliches E-Government-Angebot wider.

 

„In allen Bereichen sehen wir einen deutlichen Handlungsbedarf für die Bundesregierung“, sagt Ingrid Ott. Die Expertenkommission erneuert ihre Einschätzung, dass Digitalisierung, Vernetzung und die Einführung neuer internetbasierter Geschäftsmodelle disruptive Veränderungen ver-ursachen. Die EFI ist angesichts der Erfahrungen aus den 1980er Jahren zuversichtlich, dass Deutschland bei den erforderlichen Anpassungen des Arbeitsmarktes gut abschneiden kann. Insgesamt sei die deutsche Politik derzeit aber zu sehr auf die Verteidigung etablierter deutscher Stärken ausgerichtet. Die Gestaltungsmöglichkeiten der Digitalisierung würden nicht ausreichend berücksichtigt. Deutschland müsse in Zukunft verstärkt an der Erschließung neuer Quellen für Wertschöpfung und Arbeitsplätze beteiligt sein – dazu bedürfe es auch eines Umdenkens in der Politik.

 

Die Expertenkommission Forschung und Innovation im Web:
http://www.e-fi.de/

 

Weitere Informationen zu Prof. Ingrid Ott:
https://www.pkm.kit.edu/kit_experten_ott.php
http://wipo.econ.kit.edu/87.php

 

Der Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik am KIT:
http://wipo.econ.kit.edu/

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu Prof. Ott her.

 

Bitte wenden Sie sich dazu an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721 608-47414, E-Mail: presse@kit.edu.

  

Im Portal „KIT-Experten“ finden Sie weitere Ansprechpartner zu Highlights der KIT-Forschung und tagesaktuellen Themen: http://www.pkm.kit.edu/kit_experten.php.

 

Freundliche Grüße

Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Presse, Kommunikation und Marketing

Monika Landgraf
Pressesprecherin, Leiterin Presse

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Telefon: +49 721 608-47414
Fax: +49 721 608-43658
E-Mail: presse@kit.edu
www.kit.edu

KIT – Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft

Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Attraktivität des Wissenschaftsstandorts Deutschland wurde zwar deutlich erhöht, so die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) in ihrem nunmehr zehnten Jahresgutachten, das der Bundeskanzlerin heute in Berlin übergeben wurde, es werde aber noch immer zu wenig in Forschung und Entwicklung investiert, bemängeln die Gutachter. Als Ziel für deutsche Investitionen in Forschung und Entwicklung gaben sie 3,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt aus. „Besonders die Zahl der Unternehmensgründungen, insbesondere in der wissensbasierten Wirtschaft ist vergleichsweise gering“, sagt Professorin Ingrid Ott, Lehrstuhlinhaberin für Wirtschaftspolitik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Mitglied der EFI.


Start-ups und junge Unternehmen leisten nach Meinung der EFI einen wichtigen Beitrag zum Wirtschaftswachstum und zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Erfolgreiche Gründungen schafften durch lokale Wertschöpfung Arbeitsplätze in Deutschland. Ott sieht hier für Deutschland noch großen Handlungsbedarf: „Die Zahl der Unternehmensgründungen ist im internationalen Vergleich gering, speziell in der wissensbasierten Wirtschaft.“ Das liegt für die Kommission insbesondere an der nach wie vor mangelhaften Finanzierung. Es fehle an ausreichendem Wagniskapital.


Zwar wurde mittlerweile, wie von der EFI mehrfach angeregt, die restriktive Behandlung von Verlustvorträgen neu geregelt. „Das ist erfreulich“, so Ott, „doch noch immer ist der deutsche Wagniskapitalmarkt weniger gut entwickelt als jener in anderen europäischen Ländern“. Um hier Abhilfe zu schaffen, habe die Politik mittlerweile vielfältige Förderprogramme aufgelegt und weitere Maßnahmen angekündigt, wie zum Beispiel die Schaffung von Anreizen, die das finanzielle Engagement privater Akteure stärken. Abgesehen davon werde allerdings das in Deutschland vorhandene Gründungspotenzial noch nicht hinreichend ausgeschöpft: „Neben den fachlichen Kompetenzen muss auch Disziplinen übergreifend ein Gründungsbewusstsein geschaffen werden, damit Selbstständigkeit als eine realistische Option wahrgenommenen wird“, erklärt Ott.


Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) mit Sitz in Berlin leistet seit zehn Jahren wissenschaftliche Politikberatung für die Bundesregierung und legt regelmäßig Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands vor. Wesentliche Aufgabe der EFI ist es dabei, die Stärken und Schwächen des deutschen Innovationssystems im internationalen und zeitlichen Vergleich zu analysieren und die Perspektiven des Forschungs- und Innovationsstandorts Deutschland zu bewerten. Auf dieser Basis entwickelt die EFI Vorschläge für die nationale Forschungs- und Innovationspolitik.


Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse des KIT gern den Kontakt zu Ingrid Ott her. Bitte wenden Sie sich an Felix Mescoli, Tel. 0721 608 48120, felix.mescoli@kit.edu oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721- 608 47414, E-Mail an presse@kit.edu.

 

Informationen zur Forschung von Ingrid Ott bietet das Portal „KIT-Experten“: https://www.pkm.kit.edu/kit_experten_ott.php

In diesem finden Sie auch weitere Ansprechpartner zu Highlights der KIT-Forschung und tagesaktuellen Themen: www.pkm.kit.edu/kit_experten.php

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KIT – Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft

Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

Sehr geehrte Damen und Herren,

auf dem heutigen Treffen der Bundesregierung und der Autohersteller will man sich nun auf die finanzielle Förderung von Elektroautos einigen. Ziel der Regierung ist es bislang, die Zahl der Elektroautos in Deutschland bis 2020 auf eine Million zu steigern. Welche konkreten Maßnahmen dieses Ziel am besten unterstützen und die Motivation, ein Elektroauto zu kaufen, steigern, untersucht am KIT der Innovationsforscher Jens Schippl.

 

„Unter bestimmten, aber nicht selten anzutreffenden Rahmenbedingungen, sind Elektroautos schon heute alltagstauglich“, sagt Jens Schippl vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT. „Der Blick nach Norwegen zeigt, das Nutzer zufrieden sind und problemlos die täglichen Fahrten zur Arbeit, zur Schule und zum Einkaufen durchführen.“ Norwegen fördert Elektroautos, indem es beim Kauf Mehrwertsteuer und Importsteuer erlässt, zudem zahlt man keine Autobahngebühren, darf die Busspuren benutzen, auf kommunalen Parkplätzen kostenlos parken und an vielen Stellen gratis aufladen. Mittlerweile sind 18 Prozent der Neuzulassungen und 2 Prozent aller Autos in Norwegen Elektroautos.

 

Im Rahmen der Helmholtz-Allianz ENERGY-TRANS hat eine Arbeitsgruppe aus Forschern der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, der Norwegian University of Science and Technology und des KIT Hinweise für die Förderpolitik in Deutschland abgeleitet – unter Nutzung genereller Ergebnisse der psychologischen und sozialwissenschaftlichen Innovationsforschung. „So führt schon eine gedeckelte Förderung zu einem Verkaufsschub, und gezielte Informationsangebote bauen Vorurteile schnell ab“, erklärt Schippl. Insbesondere die Nutzer teilen gerne ihren positiven Eindruck vom Elektroauto und empfehlen Freunden und Bekannten den Kauf. „Elektromobilität muss sichtbar und greifbar sein, damit sich der Diskurs über Hindernisse in ein Gespräch über Möglichkeiten entwickelt.“ Dazu könnten zeitlich begrenzte Anschaffungsprämien, langfristige Fördermodelle, Informationskampagnen, Ausbau von Infrastruktur oder die Gewährung von Privilegien wie kostenfreie Nutzung von Busspuren und Innenstadtparkhäusern dienen.

 

Die vollständige Studie „Zur besseren Verbreitung von Elektroautos – Was können wir in Deutschland von Norwegen lernen?“ kann man auf der Webseite von ENERGY-TRANS herunterladen: www.energy-trans.de/downloads/ENERGY-TRANS-PolicyBrief_Elektromobilit%c3%a4t.pdf

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse des KIT gern den Kontakt zu den Experten her. Bitte wenden Sie sich an Kosta Schinarakis, Tel. 0721 608 41956, schinarakis@kit.edu oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721- 608 47414, E-Mail an presse@kit.edu.

 

Im Portal „KIT-Experten“ finden Sie weitere Ansprechpartner zu Highlights der KIT-Forschung und tagesaktuellen Themen: http://www.pkm.kit.edu/kit_experten.php.

 

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KIT – Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft

Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Am 11. März jährt sich zum fünften Mal der katastrophale Unfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, welcher sich nach dem schweren Erdbeben von Tohoku und dem folgenden Tsunami ereignete. Das Ereignis markiert einen Wendepunkt in der internationalen und insbesondere deutschen Energiepolitik. Als eines der größten Energieforschungszentren Europas begleitet das KIT nicht nur die Energiewende, seine Wissenschaftler haben auch die deutschen Behörden und die deutsche Öffentlichkeit vom Tag des Unfalls an mit ihrer Expertise beraten und die bruchstückhaften Informationen aus Japan in zahlreichen Berichten eingeordnet. 

 

 

Im Folgenden stellen wir Ihnen die KIT-Experten zu den Themen Reaktorsicherheit, Ausbreitung von Radioaktivität, Rückbau, Endlager, Energiewende, Technik und Gesellschaft, Erdbeben sowie Katastrophenanalyse und -vorbeugung vor:

 

„Anfangs war die Datenlage sehr unbestimmt“, erklärt Joachim Knebel vom KIT, der im Jahr 2011 als Sprecher des Helmholtz-Programms Nukleare Sicherheitsforschung die Task-Force zu den Auswirkungen des Unfalls in Fukushima leitete. „Um uns als Forscher fundiert gegenüber Politik und Presse äußern zu können, haben wir sechs deutschlandweite Arbeitsgruppen eingerichtet, um mit wissenschaftlicher Expertise möglichst viele relevante Informationen zusammenzutragen und zu bewerten.“ Auf dieser Grundlage wurden die Ministerien und die Öffentlichkeit täglich mit aktuellen Hintergrund-Informationen und eigenen Bewertungen der Lage versorgt. Die Berichte sind noch heute abrufbar: www.kit.edu/kit/6042.php . Joachim Knebel leitet am KIT den Bereich „Maschinenbau und Elektrotechnik“. Zu seiner Fachexpertise gehören die allgemeine Energieforschung, Speicher und vernetzte Infrastrukturen sowie die nukleare Sicherheitsforschung.

 

„Seit Fukushima werden Sicherheitseigenschaften und vor allem Sicherheitskultur weltweit neu bewertet“, stellt Walter Tromm vom KIT fest, wissenschaftlicher Sprecher des Helmholtz-Programms Nukleare Entsorgung, Sicherheit und Strahlenforschung am KIT (www.nusafe.kit.edu). „Mittlerweile wird auch international durchgehend die laufende Evaluation und Nachrüstung von Kernkraftwerken auf dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik praktiziert, wie es in Deutschland seit 40 Jahren üblich ist.“ Sicherheitslücken und -verbesserungen werden offen diskutiert und Knowhow aus Deutschland wird nachgefragt: insbesondere Rechenwerkzeuge zur Reaktorsicherheit, die auf Grundlage aufwendiger experimenteller Untersuchungen zum Ablauf von und zu Schäden durch Kernschmelzen durchgeführt wurden. „Diese Tradition und die Tatsache, dass deutsche Firmen keine Kernkraftwerkstechnik mehr verkaufen, verhelfen deutschen Experten in den internationalen Gremien zu einem guten Ruf. Wir sind sozusagen interessenfrei und unsere Stimme hat in Sicherheitsfragen ein hohes Gewicht.“

 

„Kurz nach dem Unfall in Fukushima erreichten uns gerade zur Freisetzung und Verbreitung von Radioaktivität Fragen aus der Öffentlichkeit in Japan aber auch weltweit“, erinnert sich Wolfgang Raskob, Leiter der Arbeitsgruppe Unfallfolgen des Instituts für Kern- und Energietechnik am KIT. Antworten lieferte das am KIT federführend entwickelte Simulationsprogramm RODOS (Real-time Online DecisiOn Support System). Es konnte die aktuelle Ausbreitung radioaktiver Stoffe in der Atmosphäre und im Wasser simulieren. Weiterhin ermöglicht das System die Simulation von Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung und der damit verbundenen radiologischen und materiellen Konsequenzen und unterstützt so die Entscheidungen der Verantwortlichen. „Heute wird RODOS in der Katastrophenvorsorge von mehr als zehn Ländern eingesetzt.“

 

Nachdem das akute Unfallgeschehen in Fukushima eingedämmt war, begannen bereits die Aufräumarbeiten und die Rückbauplanung. „Die japanischen Kollegen rechnen mit 40 Jahren, um den Rückbau zu bewerkstelligen. Das ist sicherlich schon sehr ambitioniert", erklärt Sascha Gentes, Leiter des Instituts für Technologie und Management im Baubetrieb. Im Rahmen der Energiewende werden auch in Deutschland in einigen Jahren über 20 Kraftwerke rückgebaut. „Mit unserer Forschung wollen wir Rückbautechniken standardisieren, in dem wir Technologien optimieren und neue innovative Verfahren entwickeln.“ Im Mittelpunkt steht hierbei die Fernhantierung und Reduktion des einzusetzenden Personals vor Ort. Um Kosten und Dauer zu minimieren, gilt es ebenso Kriterien für das effiziente Rückbaumanagement zu etablieren. „Das Problem in Fukushima ist jedoch, dass es kein geordneter Rückbau sein kann.“ In Fukushima sind zum Teil die Brennelemente geschmolzen und Explosionen haben die Gebäude zerstört, somit ist die Radioaktivität an vielen Stellen noch extrem hoch. Für den Rückbau müssen daher Roboter entwickelt werden, die effektiv in den Ruinen arbeiten können.

 

„Da die Nutzung der Kernenergie bald endet, rückt zunehmend die Frage nach der sicheren Endlagerung der radioaktiven Abfälle in den Fokus“, stellt Horst Geckeis fest, der das Institut für Nukleare Entsorgung am KIT leitet. In der öffentlichen Diskussion werden Optionen wie die direkte tiefengeologische Endlagerung mit und ohne Rückholbarkeit der Abfälle sowie die Langzeitzwischenlagerung intensiv diskutiert. „Für den Entscheidungsprozess wollen wir belastbare Daten für wissenschaftlich fundierte Sicherheitsnachweise bereitstellen.“ Das KIT liefert integrale Bestandteile für die nationale Vorsorgeforschung etwa zur langfristigen Mobilität und zum Verhalten von Radionukliden in der Geosphäre.

 

„Die Studierenden haben erkannt, dass die Berufsaussichten für den Bereich Kraftwerkstechnik gerade im Ausland gut sind“, findet Thomas Schulenberg, Sprecher des KIT-Zentrums Energie und Koordinator des zweisprachigen Master-Studienganges Energietechnik. „Wir bilden international aus und beteiligen uns auch in der Forschung weitgehend an internationalen Projekten.“ Im Rahmen der forschungsorientierten Lehre des KIT werden Studierende bereits früh an die Forschung herangeführt. Schwerpunkte des Master-Studienganges Energietechnik am KIT sind Kraftwerkstechnik, Brennstoff, dezentrale Stromversorgung, Gebäude-Energietechnik, Nukleartechnologien, Energiewirtschaft und -informatik, Erneuerbare Energien und Speichertechnik sowie Infrastruktur.

 

„Die Energiewende nach Fukushima stellt Gerechtigkeitsfragen und erfordert, dass sich nicht nur die Technik, sondern auch gesellschaftliche Regeln und lieb gewonnene Gewohnheiten verändern“, stellt Armin Grunwald, Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des KIT fest, welches sich mit den Wechselwirkungen zwischen technischem Fortschritt, gesellschaftlicher Entwicklung und kulturellem Wandel befasst. „Wir müssen darüber sprechen, wie viel uns die Energiewende, also die sichere und umweltfreundliche Bereitstellung von klimafreundlicher Energie, wert ist und wie die Kosten auf gesellschaftliche Gruppen verteilt werden sollen.“ Grunwald ist Mitglied der Kommission "Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe" des Deutschen Bundestages, die einen gesellschaftlichen Konsens in der Frage der sicheren Endlagerung finden soll. „Neben den technischen Kriterien werden wir auch zahlreiche gesellschaftliche Fragen adressieren.“ Diese reichen von der Akzeptanz der Standortsuche und Beteiligung der Bevölkerung, bis hin zu Ethik und Gerechtigkeit dieser generationenübergreifenden Aufgabe.

 

„Bisher gibt es noch keine anerkannte wissenschaftliche Grundlage, den Zeitpunkt eines Erdbebens vorherzusagen“, stellt Friedemann Wenzel fest, Leiter des Geophysikalischen Instituts des KIT. Daher ermöglichen Erdbeben-Frühwarnungen meist nur kurze Vorwarnzeiten von einigen Sekunden, die für Evakuierungen nicht ausreichen. Aber zumindest ermöglichen sie das Notfallmanagement von kritischen Infrastrukturen wie Strom- und Gasnetz, Bahnen und Aufzügen. Die Vorwarnzeit für Tsunami-Wellen beträgt meist mehrere Minuten bis Stunden. Jedoch sind die Auswirkungen von Tsunamis auf Küsten, Bauwerke und Infrastrukturen stark von der lokalen Geographie abhängig und es bedarf komplexer Computersimulation, um Gefahren abzuschätzen. „Zurzeit entwickeln wir als Input in ein europäisches Projekt Gefährdungsszenarien für alle Arten von Naturgefahren, auch für seltene Kombinationen.“ Diese Szenarien können auch dazu dienen die Sicherheitsanforderungen an europäische Kernkraftwerke anzupassen.

 

„Das Erdbeben, der Tsunami und der nukleare Unfall haben zu ökonomischen Verwerfungen, sozialen Problemen und politischen Entscheidungen geführt“, sagt James Daniell vom KIT, der unter anderem am Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology CEDIM forscht. Er hat 2011 als Mitglied der Task-Force die sozioökonomischen Auswirkungen und Verluste nach dem 11. März untersucht und in einem Bericht zusammengefasst (www.tatup-journal.de/tatup113_khua11a.php). „Einerseits sind 95 Prozent der fast 20.000 Toten direkt dem Tsunami zuzuordnen, jedoch waren über 60 Prozent der rund 130.000 Obdachlosen und Evakuierten eine direkte Folge des nuklearen Unfalls und 40 Prozent des wirtschaftlichen Schadens von rund 280 Milliarden Dollar gingen auf das Konto des Erdbebens. Für Katastrophenanalysen und Vorbeugung bedarf es also differenzierter Betrachtungen,“ so Daniell. „Natürliche und strukturelle Risiken besser zu verstehen, frühzeitig zu erkennen und besser bewältigen zu können, ist unser zentrales Ziel“, unterstreicht Michael Kunz, der Sprecher des Centers for Disaster Management and Risk Reduction Technology CEDIM. Für ein besseres Verständnis von Katastrophen und deren Bewältigung stehen CEDIM im Rahmen des derzeitigen Forschungsansatzes der „zeitnahen forensischen Katastrophenanalyse“ drei Hauptfragen im Vordergrund: Welche Faktoren machen aus einem extremen Naturereignis eine Katastrophe? Welche Interaktionen zwischen dem Naturereignis, den kritischen Infrastrukturen und den gesellschaftlichen Selbstschutzkapazitäten spielen hierfür die entscheidende Rolle? Wie lassen sich Ausmaß und Folgen von Katastrophen möglichst schnell abschätzen?

 

Am Karlsruher Institut für Technologie forschen über 1300 Wissenschaftler an allen Aspekten der Energieversorgung. Sie unterstützen die Energiewende und den Umbau des Energiesystems in Deutschland. Klare Prioritäten liegen in den Bereichen Energieeffizienz und Erneuerbare Energien, Energiespeicher und Netze, Elektromobilität sowie dem Ausbau der internationalen Forschungszusammenarbeit. Das KIT ist eines der größten Energieforschungszentren in Europa und betreibt grundlegende und angewandte Forschung zu allen relevanten Energien für Industrie, Haushalt, Dienstleistungen und Mobilität. Technik- und naturwissenschaftliche, aber auch wirtschafts-, geistes- und sozialwissenschaftliche sowie rechtswissenschaftliche Kompetenzen fließen zusammen, um den Energiekreislauf ganzheitlich zu betrachten und auch die gesellschaftlichen Aspekte mit einzubeziehen. Die Energieforschung, gebündelt im KIT-Zentrum Energie, berücksichtigt alle Ansätze für eine sichere Energieversorgung. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines Gesamtkonzepts für den Energiemix der Zukunft.

 

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse des KIT gern den Kontakt zu den Experten her. Bitte wenden Sie sich an Kosta Schinarakis, Tel. 0721 608 41956, schinarakis@kit.edu oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721- 608 47414, E-Mail an presse@kit.edu.
Im Portal „KIT-Experten“ finden Sie weitere Ansprechpartner zu Highlights der KIT-Forschung und tagesaktuellen Themen: www.pkm.kit.edu/kit_experten.php

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KIT – Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft

Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

Wirtschaftsspionage erzeugt einen enormen wirtschaftlichen Schaden. Schätzungen gehen von jährlich 100 Milliarden Euro in Deutschland aus. Oftmals stehen gerade kleine und mittlere Unternehmen vor der großen Herausforderung, sich angemessen zu schützen. Heute hat die Landesregierung Baden-Württemberg beschlossen, ein Sicherheitszentrum am FZI Forschungszentrum Informatik einzurichten, dem Innovationspartner des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien. Dieses soll als Anlaufstelle für Unternehmen dienen.

 

 

„IT-Systeme haben unsere Geschäftswelt und unseren Alltag stark verändert, aber auch neue Missbrauchsmöglichkeiten eröffnet“, sagt Jörn Müller-Quade, Professor am Karlsruher Institut für Technologie und Direktor am FZI Forschungszentrum Informatik. Er erforscht Modelle und Methoden für sichere IT-Anwendungen, die persönliche Daten und Betriebsgeheimnisse intrinsisch schützen. Dabei geht es nicht nur um Erfahrungswissen aus der IT-Sicherheit, sondern insbesondere um Sicherheitseigenschaften der Algorithmen, die im mathematischen Modell beweisbar sind.

 

Müller-Quade leitet auch das von der Bundesregierung finanzierte Kompetenzzentrum für angewandte Sicherheitstechnologie (KASTEL) am KIT. „Wir freuen uns, auf Landesebene eine Anlaufstelle für diejenigen Unternehmen einrichten zu können, die ihre Sicherheitsstandards verbessern, Sicherheitslücken schließen und ihr wertvolles Knowhow schützen wollen.“

 

Mehr zur Forschung von Jörn Müller-Quade: http://www.pkm.kit.edu/kit_experten_mueller-quade.php

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu Prof. Müller-Quade her.

 

Bitte wenden Sie sich an Kosta Schinarakis, Tel. 0721 608 41956, E-Mail: schinarakis@kit.edu, oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721 608-47414, E-Mail: presse@kit.edu.

 

Im Portal „KIT-Experten“ finden Sie weitere Ansprechpartner zu Highlights der KIT-Forschung und tagesaktuellen Themen: http://www.pkm.kit.edu/kit_experten.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Bundesregierung will die digitale Überwachung stark ausweiten. Der Bundestag hat gestern ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Es enthält den sogenannten Staatstrojaner. Ermittlungsbehörden können demnach damit heimlich Schadsoftware, wie sie sonst Hacker und Kriminelle benutzen, auf Computer und Smartphones spielen und zur Überwachung einsetzen. Der Cybersicherheitsexperte Jörn Müller-Quade vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) warnt eindringlich vor einem massenhaften Verlust der Privatsphäre für Nutzer. „Die Grundrechte der Bürger müssen in jedem Falle Vorrang vor dem Wunsch nach datenbasierten Geschäftsinteressen oder der Überwachung von Verdächtigen haben“, meint der Leiter des Kompetenzzentrums für IT-Sicherheitsforschung KASTEL, wo heute an den Cyberverteidigungsstrategien von morgen geforscht wird.

 

Er sei prinzipiell nicht gegen eine bessere digitale Ausstattung der Strafverfolgungsbehörden, stellt Müller-Quade klar. „Dabei muss aber unbedingt gewährleistet sein, dass nur Methoden zum Einsatz kommen, die nicht skalieren.“ Müller-Quade nennt ein Beispiel: „Wenn jemand mit dem Auto vor Ihrem Haus parkt und Sie beobachtet oder eine Wanze in Ihrer Wohnung anbringt, ist das ein gewaltiger Eingriff in Ihre Privatsphäre.“ Indes seien diese Maßnahmen nicht dazu geeignet „von heute auf morgen Millionen Menschen zu überwachen“. Anders sei das mit einer Spähsoftware, die sich per E-Mail oder gar als Update getarnt verbreite und mit der Ermittler in Computer, Tablets oder Smartphones eindringen, wo heute vielfach privateste Daten der Nutzer lagern, um diese auszuspähen. Die einzige Hemmschwelle zur Massenüberwachung sei dann, dass die Zahl der erlaubten Anwendungsfälle begrenzt sei – noch. „Das halte ich für sehr gefährlich.“ Schließlich könne eine solche Software auch in die Hände von Kriminellen geraten oder – wie ein Blick ins Ausland zeige – schnell auch mal eine nichtvertrauenswürdige Regierung an die Macht kommen.

 

Anders sei der Fall gelagert, wenn der Trojaner zum Beispiel nur über einen speziellen USB-Stick vor Ort aufgespielt werden könne. „Da hätte ich weniger Bedenken“, sagt Müller-Quade.

 

Schon jetzt bedrohten weltweit operierende Konzerne mit datenzentrierten Geschäftsmodellen auf Basis neuer Big-Data-Algorithmen wie Google oder Facebook immer massiver die Privatsphäre der Bürger. „Wer Cloud-Dienste oder die Google-Suche nutzt, kann sich absolut sicher sein, dass seine Daten analysiert werden“, stellt Müller-Quade da. Jetzt komme noch zunehmende Überwachung durch den Staat hinzu. „Werte wie Meinungsfreiheit, Privatsphärenschutz, Schutz von Minderheiten oder Schutz unserer demokratischen Grundordnung kann durch solche Anwendungen der neuen Technologien bedroht werden“, warnt Müller-Quade.

 

Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Cybersicherheitszentren CISPA in Saarbrücken und CRISP in Darmstadt hat Müller-Quade deshalb klare Forderungen an die Politik formuliert und in einem Thesenpapier an die Bundesregierung übergeben. „Die Digitalisierung darf nicht dazu führen, dass für die Bürger das reale Sicherheitsniveau sinkt.“ Müller-Quade denkt hier zum Beispiel an die Einschränkung von Kryptografie, die es nicht geben dürfe. Der Schutz der Privatsphäre würde oft allzu leichtfertig zugunsten von Verbrechens- und Terrorbekämpfung vermindert, beklagt er weiter.

mex

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Dieselmotor ist zweifellos in der Diskussion. Seitdem darüber berichtet wird, dass PKW-Dieselantriebe im Realbetrieb erhöhte Stickoxidemissionen (NOx) aufweisen, stehen die Vor- und Nachteile der Dieseltechnologie im Fokus einer öffentlichen und emotionalen Debatte. Neben einer Untersuchungskommission des Verkehrsministeriums wurde auch ein Untersuchungsausschuss des Bundestages installiert, über dessen Ergebnisse vorrausichtlich am Freitag im Bundestag debattiert wird. Wesentliche Fakten zum aktuellen Stand der Dieseltechnologie hat nun die Wissenschaftliche Gesellschaft für Kraftfahrzeug- und Motorentechnik e.V. (wkm) zusammengetragen und in einem Positionspapier (www.wkm-ev.de) zusammengefasst, an dem auch Thomas Koch vom KIT mitgearbeitet hat.

 

„Kritik an illegalen Datensätzen ist unstrittig berechtigt. Jedoch werden in dem Positionspapier ebenso die in Teilen falsche Berichterstattung, nicht akzeptable Schlussfolgerungen vermeintlicher Experten zur Zukunft des Dieselmotors und ähnliche Aussagen kritisiert“, erklärt Thomas Koch, Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen am KIT. Mitglieder der wkm sind die Universitätsinstitutsleiter in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die die Forschungsfelder Kraftfahrzeugtechnik oder Verbrennungsmotoren in Forschung und Lehre verantworten.

 

„Dank der Forschung der letzten Jahrzehnte ist die aktuelle Generation der Verbrennungsmotoren so sauber, dass es schlicht keine relevante Partikel- oder NOx-Emissionsthematik bei modernsten Otto- und Dieselmotoren mehr gibt“, unterstreicht Thomas Koch, der auch ein Gutachten für den Untersuchungsausschuss des Bundestages verfasst hat. „Wir führen eine reine Altlastendiskussion, die mit den richtigen Schlussfolgerungen beendet werden sollte. Es ist schlicht besorgniserregend, in welchem Umfang die Bevölkerung allein wegen Diskussionen zur Umweltwechselwirkung der Dieseltechnologie verunsichert wird.“

 

„Es ist wichtig festzuhalten, dass sich der Verbrennungsmotor auch langfristig bezüglich der Kohlendioxid-Thematik mit jeder anderen Antriebsform erfolgreich messen kann. In den nächsten Jahren und Jahrzehnten werden zunehmend Kraftstoffe aus kohlendioxidneutralen Quellen zur Verfügung stehen, sodass eine kohlendioxidneutrale Mobilität möglich sein wird.“

 

„Das Vertrauen in die Dieseltechnologie hat insgesamt gelitten. Begründet werden kann dieser Vertrauensschwund jedoch nicht nur durch das Wirken weniger Ingenieure." Was ist also kritikwürdig und welche Informationen bedürfen einer kritischen Reflexion? Hintergrundinformationen für eine faktenbasierte Diskussion bietet der Vortrag von Thomas Koch in der kommenden Woche:

 

„Der Dieselmotor: Haben die Ingenieure versagt?“

Montag, 03. Juli 2017, 18.00 Uhr, Campus Süd des KIT

Im Rahmen der neuen Reihe „KIT Faktencheck intern“ stellt Professor Thomas Koch die Faktenlage vor allem in den Bereichen:

•             Funktionsweise und Herausforderungen der Emissionsentstehung beim Dieselmotor

•             Technologien zur Abgasnachbehandlung

•             Entwicklung der Emissionsgesetzgebung und

•             Aktuelle Immissionssituation in den Städten

•             Weiterführende Analysen zur Thematik

 

Zusammenhänge und technische Randbedingungen mit einem Fokus auf die 2000er und 2010er Jahre werden diskutiert. Ziel der Veranstaltung ist eine sachliche und wissenschaftliche Erörterung wesentlicher Fragen zur Zukunft der Mobilität, insbesondere des Dieselmotors für PKW-Anwendung.

 

Vertreter der Presse sind zur Teilnahme zu dieser KIT-öffentlichen Hintergrundveranstaltung herzlich eingeladen. Anmeldung bitte per mail bis zum 30. Juni 2017, 12 Uhr, an E-Mail: kosta.schinarakis@kit.edu.

 

Bitte wenden Sie sich bei weiterführenden Fragen an Kosta Schinarakis, 0721 608-41956, E-Mail: kosta.schinarakis@kit.edu oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721- 608 47414, E-Mail: presse@kit.edu.

 

Im Portal „KIT-Experten“ finden Sie weitere Ansprechpartner zu Highlights der KIT-Forschung und tagesaktuellen Themen: www.pkm.kit.edu/kit_experten.php

 

Freundliche Grüße

 

Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Strategische Entwicklung und Kommunikation (SEK)

 

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Kaiserstraße 12

76131 Karlsruhe

Telefon: +49 721 608-47414

Fax: +49 721 608-43658

E-Mail: presse@kit.edu

www.kit.edu 

 

KIT – Universität des Landes Baden-Württemberg und nationales Forschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft

 

Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

 

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (angefragt) am 3. Februar 2016 das erste Wasserstoff-Plasma an der Fusionsforschungsanlage Wendelstein 7-X in Greifswald einschaltet, beginnt der eigentliche wissenschaftliche Betrieb der 370 Millionen teuren Anlage, der größten und modernsten Fusionsanlage vom Typ Stellarator. Ziel der Fusionsforschung ist es, ähnlich wie die Sonne, aus der Verschmelzung von Atomkernen Energie zu gewinnen. Experten des KIT tragen an zahlreichen Stellen zur Fusionsforschung bei Wendelstein 7-X und anderen Anlagen bei.

 

„Wir gratulieren den Kollegen in Greifswald ganz herzlich zu diesem Erfolg – das ist ein äußerst wichtiger Meilenstein für das deutsche Fusionsprogramm wie auch für die internationale Fusionsforschung“, freut sich Klaus Hesch, Sprecher des Programms Kernfusion am KIT. Wendelstein 7-X wird wichtige Erkenntnisse liefern, wie ein kontinuierlicher Betrieb von Fusionsanlagen möglich wird. Die Magnetspulen und -felder, die das 100 Millionen Grad heiße Plasma einhüllen, unterscheiden sich daher vom bekannten Fusionsprojekt ITER in Frankreich.
Wendelstein 7-X ergänzt somit das ITER-Projekt, welches als Typ Tokamak gebaut wird und nur einen pulsweisen Betrieb gestattet.

 

„Für das „Anfachen des Sonnenfeuers“ braucht es zunächst eine „Zündung“ durch eine Mikrowellenquelle, die kontinuierlich 10 Megawatt Leistung einspeist. Das entspricht 10 000 Küchenmikrowellengeräten gleichzeitig“, berichtet John Jelonnek, Leiter des Instituts für Hochleistungsimpuls- und Mikrowellentechnik. Für Wendelstein 7-X wurde federführend vom KIT die weltgrößte Mikrowellenheizung mitentwickelt: 10 Mikrowellengeneratoren (Gyrotrons) speisen kontinuierlich je ein Megawatt Leistung bei einer Frequenz von 140 Gigahertz ein.

 

„Die Stromanschlüsse an die supraleitenden Spulen sind ein großes Einfallstor für Wärme“, erklärt Walter Fietz, Leiter der Arbeitsgruppe Fusionsmagnete am KIT, die die Stromzuführungen konstruiert, gebaut und getestet hat. Diese „Zuführungen“ leiten den 14 000 Ampere starken Betriebsstrom von Raumtemperatur zu den mit flüssigem Helium gekühlten supraleitenden Magnetspulen, ohne dass es aufgrund der starken Ströme, großen Magnetfelder oder hohen Wärmeverluste zu Einbußen im Betrieb kommt. Dabei halten sie über Wärmetauscher sowie über den Einsatz von Hochtemperatursupraleitern das Temperaturgefälle auf die Spulenbetriebstemperatur von minus 269 Grad Celsius aufrecht.

 

Im Programm Kernfusion des KIT arbeiten acht Institute des KIT interdisziplinär zusammen. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt auf dem ingenieurtechnischen Entwurf von Bauteilen. Durch die Verknüpfung von Forschung, Experiment, Analyse und Design wird der Weg zu fertigungsreifen fusionstauglichen Komponenten und Systemen beschritten.

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse des KIT gern den Kontakt zu den Experten her. Bitte wenden Sie sich an Kosta Schinarakis, Tel. 0721 608 41956, schinarakis@kit.edu oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721- 608 47414, E-Mail an presse@kit.edu.

 

Im Portal „KIT-Experten“ finden Sie weitere Ansprechpartner zu Highlights der KIT-Forschung und tagesaktuellen Themen: www.pkm.kit.edu/kit_experten.php

 

 

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Sehr geehrte Damen und Herren,

morgen startet in Berlin der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ausgerichtete nationale IT-Gipfel. Unter dem Motto „Digitale Zukunft gestalten - innovativ_sicher_leistungsstark“ diskutieren Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, wie sich der digitale Wandel in der Bundesrepublik meistern und gestalten lässt.

 

„Das Thema Digitalisierung wird in Berlin ganz besonders im Fokus stehen“, sagt Professor Michael Beigl, Leiter des Lehrstuhles für Pervasive Computing Systems am KIT und Sprecher das Smart Data Innovation Lab (SDIL). „Und in diesem Zusammenhang ist das Schlagwort Big Data bereits seit längerer Zeit in aller Munde. Es beschreibt die wohl größte Herausforderung der digitalen Zukunft. Wie sollen wir mit den immer größeren Datenmengen umgehen, die etwa in der Industrie oder in der Medizin anfallen? Wie schaffen wir es, aus den Unmengen von Big Data die wertvollen Inhalte herauszufiltern und ‚smart‘ – also nutzbar zu machen? Die für diese Analyseleistung nötigen Methoden und Infrastrukturen erforschen und entwickeln wir im Smart Data Innovation Lab.“

 

Das SDIL in Karlsruhe ist eines der führenden Big Data Zentren Deutschlands. Es vereint nationale Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft, die gemeinsam an den Herausforderungen von Big Data arbeiten. Das SDIL besteht aus themenorientierten Arbeitsgruppen, den sogenannten Data Innovation Communities (DIC) sowie der Smart Data Innovation Lab Plattform. So entsteht in den zukunftsträchtigen Themengebieten Industrie 4.0, Energie, Smart Cities und Medizin ein reger Austausch zwischen hochrangigen Firmenpartnern und Partnern aus der Forschung.

 

Das Potenzial von Smart Data in den vier thematischen Schwerpunkten des SDIL ist enorm. Durch effektive Big-Data-Analysen lassen sich vom Design über Fertigung und Lagerung bis hin zum Service sämtliche Prozesse in der Industrie 4.0 verbessern. Im Bereich Energie sind präzisere Verbrauchsprognosen möglich, mit denen Versorger den Einkauf von Energie genauer als bisher steuern können. Durch Echtzeitanalyse von Verkehrsdaten können in der „Smart City“ Staus und Gefahren im Straßenverkehr frühzeitig erkannt und Verkehrsaufkommen, Emissionen und Fahrzeiten signifikant gesenkt werden. Und in der modernen Medizin liefert die Analyse von Terabytes an klinischen, molekularen und medikamentösen Daten in Echtzeit effektive Behandlungsoptionen für jeden einzelnen Patienten.

 

Den Stellenwert der Forschung im SDIL hat auch die Bundesregierung in der deutsch-französischen Regierungserklärung erkannt und festgehalten.

 

Das Smart Data Innovation Lab im Web: http://www.informatik.kit.edu/5088_7775.php

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu Prof. Beigl her. Bitte wenden Sie sich dazu an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721 608-47414, E-Mail: presse@kit.edu.

 

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Sehr geehrte Damen und Herren,

mit dem Internationalen Tag der Katastrophenvorbeugung am 13. Oktober 2015 lenkt die UN die Aufmerksamkeit darauf, wie Menschen aktiv werden können, um sich auf Katastrophen vorzubereiten und somit Schäden zu minimieren sowie Mittel für Vorbeugung, Rettungsdienste und Wiederaufbau optimal einzusetzen. Mit Risikoanalysen und Folgenabschätzung von Katastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen, Stürmen und Hagel entwickelt auch das KIT Werkzeuge der Vorbeugung und Politik-Beratung.

 

„Akute Schäden durch Erdbeben oder Stürme erregen große, aber kurzfristige Aufmerksamkeit von Medien und Politik. Die langfristige Schadensprävention dagegen nicht“, erklärt Frank Schilling, Professor am Institut für Angewandte Geowissenschaften des KIT und Sprecher des KIT-Zentrums Klima und Umwelt. „Dabei würde die Prävention oft nur fünf bis zehn Prozent der Kosten des Wiederaufbaus verursachen – von den Menschenleben ganz zu schweigen. Vorbeugen ist besser als reparieren.“ Die größten Schäden durch Naturkatastrophen ließen sich durch präventive Risikoforschung, ein vorrausschauendes Risiko-Management und daraus resultierend durch auf die Gefahr abgestimmte Infrastruktur, Informationspolitik und Rettungsdienste vermeiden.

 

„Natürliche und strukturelle Risiken besser zu verstehen, frühzeitig zu erkennen und besser bewältigen zu können, ist unser zentrales Ziel“, unterstreicht Michael Kunz, der für das KIT zuständige Sprecher des Centers for Disaster Management and Risk Reduction Technology, kurz CEDIM, einer gemeinsamen Forschungseinrichtung des KIT und des Helmholtz-Zentrums Potsdam Deutsches Geoforschungszentrum (GFZ). Für ein besseres Verständnis von Katastrophen und deren Bewältigung verfolgt CEDIM drei Hauptfragen: Welche Faktoren machen aus einem extremen Naturereignis eine Katastrophe? Welche Interaktionen zwischen dem Naturereignis, den kritischen Infrastrukturen und den gesellschaftlichen Selbstschutzkapazitäten spielen hierfür die entscheidende Rolle? Wie lassen sich Ausmaß und Folgen von Katastrophen möglichst schnell abschätzen?

 

Im Projekt „Risikokarte Deutschland“ zum Beispiel haben CEDIM-Forscher das Risiko für Hochwasser, Sturm und Erdbeben in Deutschland auf Gemeindeebene ermittelt und quantitativ verglichen. Mit Hilfe des interaktiven, im Internet frei zugänglichen CEDIM Risk Explorers lässt sich für jede Gemeinde die Naturgefahr identifizieren, welche die größten Schäden verursachen könnte. Darüber hinaus trägt CEDIM zur internationalen Academic-Public-Private-Partnerschaft „Global Earthquake Model“ (GEM) bei. Ziel von GEM ist es, eine weltweit vernetzte Plattform zum Kartieren und Überwachen von Erdbebenrisiken aufzubauen. Um schnell ein Gesamtbild von Katastrophen und deren Folgen zu erhalten, beobachten und analysieren CEDIM-Forscherinnen und Forscher in einem interdisziplinären Team seit 2012 im Rahmen des neuen Forschungsansatzes „Forensic Disaster Analysis“ weltweit Katastrophen in beinahe Echtzeit. Die Ergebnisse dieser Analysen werden zeitnah online veröffentlicht und verschiedenen Nutzern wie Hilfsorganisationen oder Versicherungen zur Verfügung gestellt. Langfristig sollen die Berichte als strukturierte Datenbank dazu dienen, effektive, akute und vorbeugende Maßnahmen für den Katastrophenfall zu entwickeln.

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse des KIT gern den Kontakt zu den Experten her. Bitte wenden Sie sich an Kosta Schinarakis, Tel. 0721 608 41956, schinarakis@kit.edu oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721- 608 47414, E-Mail an presse@kit.edu.

 

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Sehr geehrte Damen und Herren,

 

nur 15,1 Prozent der Aufsichtsratspositionen der Top-200-Unternehmen in Deutschland sind mit Frauen besetzt. Der im Grundgesetz niedergelegte Gleichberechtigungsgrundsatz von Frauen und Männern ist damit noch keine Realität. Im internationalen Vergleich ist der Anteil an Frauen in deutschen Aufsichtsräten derzeit niedrig. Um dies zu ändern, hat die Große Koalition einen Gesetzentwurf für eine Frauenquote in Führungspositionen erarbeitet, welcher 30 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen vorsieht. An diesem Freitag stimmt der Deutsche Bundestag über den Entwurf ab.

 

Am KIT werden zahlreiche Fragen der Unternehmensführung und zu Frauen in Führungspositionen erforscht. „Die deutsche Wirtschaft hätte einer solch starren Quotierung entgehen können, wenn sie sich in den letzten Jahren offener gegenüber sanfteren Eingriffen gezeigt hätte“, so Prof. Hagen Lindstädt vom KIT. Übergreifende, positive, ökonomische Effekte einer starren Quote sind bislang empirisch nicht belegt. „In einer eigenen Untersuchung konnten wir jedoch positive Effekte für Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil bei Belegschaft und bei Kunden zeigen.“

 

Mehr Informationen zu Lindstädts Studien finden Sie unter:
www.pkm.kit.edu/kit_experten_lindstaedt.php

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zum Experten her. Bitte wenden Sie sich an Nils Ehrenberg, Tel. 0721 608 48122, E-Mail: nils.ehrenberg@kit.edu, oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721 608 47414, E-Mail: presse@kit.edu.

 

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Sehr geehrte Damen und Herren,

die Zugangsdaten von 16 Millionen Nutzerkonten sind laut Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) bei Online-Diensten entwendet worden. Angriffe dieser Art ließen sich durch kryptographische Verfahren wie einem Passwort Safe oder einer Zwei-Faktoren-Authentifikation eindämmen, erklärt der IT-Sicherheitsexperte Jörn Müller-Quade vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT): „Bei Passwort Safes sichert man eine Menge verschiedener und starker Passwörter durch einen Schlüssel und muss sich nur diesen Schlüssel merken. Noch deutlich besser sind Verfahren mit Zwei-Faktor-Authentifikation: Hier hat man ein Token, beispielsweise eine Chipkarte, das man besitzt, und ein Passwort, das man sich merkt. Ein Angriff wird deutlich schwieriger, da dabei auch das Token entwendet werden müsste. Angriffe wie dieser werden so wirksam verhindert.“ Um die Sicherheit der Identitäten von Nutzerinnen und Nutzern im Netz zu erhöhen, führe kein Weg an solchen Verfahren vorbei. „Denn immer mehr Geräte sind mit dem Internet verbunden und dadurch angreifbar. Wenn zukünftige Häuser, Autos und Infrastrukturen über das Internet steuerbar werden, könnten die Folgen solcher Angriffe noch schwerwiegender sein“, so Müller-Quade.

Im aktuellen Fall hätte aber auch ein besserer Passwort-Schutz bei den einzelnen Nutzerinnen und Nutzer schon viel genutzt, so Müller-Quade. Vielen falle es schwer, sich mehrere starke Passwörter zu merken. Der Sicherheitsexperte rät deshalb zu Passphrases wie „MeinPferdsingtgerneimSitzen”. Der Satz könne direkt als Passwort verwendet werden oder das Passwort könne sich aus den Anfangsbuchstaben eines längeren Satzes ableiten. Hinzufügen sollte man dann noch Sonderzeichen.

Als Quelle für die entwendeten Daten vermutet der Informatik-Professor Malware, also Viren und Trojaner. „Es handelt sich hier um sehr viele Nutzerdaten, wohl auch von verschiedenen Providern – deshalb sind dies wahrscheinlich zusammengetragene Daten, möglicherweise aus mehreren Angriffen.“

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu den Experten her. Bitte wenden Sie sich an Margarete Lehné, Tel. 0721 608 48121, margarete.lehne@kit.edu oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721- 608 47414, E-Mail an presse@kit.edu.

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Sehr geehrte Damen und Herren,

im Streit der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) mit dem Video-Portal YouTube hat das Landgericht Hamburg heute ein Urteil gefällt: Sieben der zwölf von der Musik-Verwertungsgesellschaft beantragten Titel muss YouTube aus dem Angebot nehmen – von Deutschland aus dürfen sie künftig nicht mehr abzurufen sein. Bei Zuwiderhandlung könnte ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro anfallen. Zudem muss YouTube die auf der Plattform eingestellten Videos, etwa durch geeignete Software, besser gegen Urheberrechtsverstöße schützen.

Für die Diskussion um das Urheberrecht im Internet bedeutet das Urteil einen entscheidenden Schritt in Richtung auf eine Lösung. „Dass Urheber bei der Nutzung ihrer Werke im Netz nicht leer ausgehen sollen, darüber sind sich die Parteien im Grunde einig“, sagt Professor Thomas Dreier, Leiter des Zentrums für Angewandte Rechtswissenschaft (ZAR) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Experte für Urherrecht. „Über die Höhe der Zahlungen, die der GEMA an den Werbeeinnahmen von YouTube zusteht, wird seit längerem verhandelt. Das Urteil des Landgerichts Hamburg legt YouTube recht strenge Filterpflichten auf, um die ungenehmigte Nutzung geschüzter Musikwerke zu verhindern. Zugunsten von YouTube entschied das Gericht aber auch, dass das Unternehmen nicht auf Schadensersatz haftet.“ Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu Professor Thomas Dreier her. Bitte wenden Sie sich an Margarete Lehné, Tel. 0721 608 48121 oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721- 608 47414, E-Mail an presse@kit.edu.

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Sehr geehrte Damen und Herren,

mit der Rekordenergie von 13 TeV (Tera-Elektronenvolt) kollidieren seit heute am Teilchenbeschleuniger LHC am europäischen Forschungszentrum CERN wieder Teilchen. Mit den generalüberholten Beschleunigern und Detektoren erhoffen sich die Physiker neue Erkenntnisse über das 2012 gefundene Higgs-Teilchen und weitere Entdeckungen. Die Teilchenphysiker des KIT liefern für Experiment, Theorie und Betrieb wichtige Beiträge.

 

„Mit der nochmal fast doppelten Energie von 13 TeV macht der LHC einen immensen Satz nach vorne im Vergleich zu der ersten Laufzeit, bei der 2012 das Higgs-Teilchen entdeckt worden ist. Gleichzeitig wird in den nächsten Wochen auch die Intensität der Strahlen steigen. Das ist extrem spannend und gibt uns erneut die Chance, etwas wirklich Neues zu finden“, sagt Prof. Thomas Müller vom Karlsruher Institut für Technologie, der Sprecher der deutschen Forschungsgruppen am CMS-Experiment, einem der beiden Vielzweckdetektoren am LHC. An allen vier Detektoren, die wieder am LHC zum Einsatz kommen, haben deutsche Arbeitsgruppen erhebliche Beiträge zum Bau und nun zur Wartung für die neue Datennahme geleistet. „Das hat die Voraussetzung dafür geschaffen, das Higgs-Boson besser kennenzulernen und neue Teilchen zu finden“.

 

Von der jetzt begonnenen Laufzeit des LHC mit der neuen, welthöchsten Kollisionsenergie versprechen sich die Forscher neue Einblicke in das Standardmodell der Teilchenphysik und in bisher unbekannte Phänomene, die etwa Erklärungen für die rätselhafte Dunkle Materie liefern könnten, die einen Großteil des Energieinhalts unseres Universums ausmacht.
Seit vielen Jahren sind rund 70 Forscher des KIT am CMS-Experiment beteiligt. Experimentatoren des KIT haben wesentlich zu Bau, Betrieb und Datenanalyse beigetragen. Theoretiker am KIT lieferten mit Präzisionsrechnungen fundierte Vorhersagen über Higgs-Eigenschaften. Informatiker betreiben mit GridKa am KIT eines der großen Rechenzentren für das CERN.

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu den Experten her.

 

Bitte wenden Sie sich an Kosta Schinarakis, Tel.: 0721 608 41956, E-Mail: schinarakis@kit.edu, mob.: 0152 0160 1924 oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel.: 0721 608 47414, E-Mail: presse@kit.edu.

 

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der 29. Oktober gilt als Tag des Internets. Vor 45 Jahren, im Jahre 1969, wurden damals erstmals zwei Universitätsrechner in den USA miteinander verbunden, um eine Textnachricht auszutauschen. Das daraus entstandene Computernetz ARPANET gilt als Vorläufer des Internet. Ebenfalls im Jahre 1969 gründete sich in Karlsruhe das Institut für Informatik. Forscher des KIT sind seitdem Protagonisten der Entwicklung hin zum Internet und zu einer digitalen Gesellschaft.

 

„Das Internet hat sich aus einem Netz von wenigen Forschungsrechnern zu einem sehr wichtigen Teil des Alltags entwickelt“, sagt Roland Bless, Internetexperte am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). „Was den Breitbandausbau im Teilnehmeranschlussbereich angeht, hängt Deutschland aber technisch noch etwas hinterher“. Dies zeigt sich dann, wenn man in manchen Orten Videostreaming in höchster Auflösung nutzen möchte. Bless fordert auch: „Die Einführung der neuen Version des Internetprotokolls (IPv6) mit größerem Adressraum sollte zügiger erfolgen“. Er arbeitet auch in internationalen Kommissionen zur Standardisierung von Internetprotokollen und zukünftigen Internet-Architekturen.

 

Das Internet ist für unsere Gesellschaft bereits ein alltäglicher Lebensraum, dies wird sich mit der Entwicklung zum Internet der Dienste und dem Internet der Dinge weiter intensivieren. „Unternehmen wie Nutzer sind daher gleichermaßen auf Rechtssicherheit im digitalen Raum angewiesen“, sagt der Jurist Oliver Rabe vom KIT. „Wir versuchen daher, Rechtsregeln schon in den technischen Systementwurf zu integrieren.“ Etwa beim Smart Grid, das ein großes Potenzial bietet, Energie effizienter zu nutzen, aber teilweise persönliche Daten dazu benötigt. Hier öffnet sich der Konflikt gesellschaftlicher Werte - von Versorgungssicherheit und Klimaschutz einerseits und dem Schutz personenbezogener Daten andererseits. Raabe arbeitet daran, Rechtsregeln bereits in den technischen Systementwurf zu integrieren, etwa als Software, die im Zuge einer Datenflussanalyse eine automatisierte Rechtsprüfung bezüglich desDatenschutzes vornimmt.

 

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Sehr geehrte Damen und Herren,

die Diskussion um die dieselmotorischen Abgaswerte des Autokonzerns Volkswagen auf dem US-Markt hat die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Technologie der Abgasnachbehandlung gelenkt. Seit Jahren helfen wissenschaftlicher Fortschritt und technisches Know-how, bessere Motoren, Filter und Kraftstoffe zu entwickeln, die der Umwelt wirklich nutzen. Am KIT forschen Motorentechniker und Kraftstoffdesigner für eine nachhaltigere Mobilität.

 

„Auf die Motorenentwickler warten anspruchsvolle Aufgaben. Bei der Auslegung von Dieselmotoren muss berücksichtigt werden, dass sich ein Zielkonflikt zwischen Stickoxidemissionen, Rußemissionen und Verbrauch ergibt“, erklärt Thomas Koch, Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen am KIT, wo er an effizienten, sauberen und einfachen Motoren forscht. „Eine motorische Reduzierung der Stickoxidemissionen würde beim Dieselmotor typischerweise zu einem Anstieg der Rußemissionen und des Verbrauches führen.“ Aus diesem Grund kommt eine Abgasnachbehandlung zur Reduzierung der Stickoxide bei modernen Dieselmotoren zum Einsatz.

 

Die Einhaltung der Abgaswerte wird allerdings nicht auf der Straße unter schlecht zu kontrollierenden Bedingungen, sondern auf einem Rollenprüfstand unter reproduzierbaren Bedingungen geprüft. „Eine Einführung von Tests unter realeren Bedingungen ist auf jeden Fall wünschenswert und zielführend. Hier ziehen die Akteure an einem Strang,“ so Koch. Allerdings beeinflusst das individuelle Fahrverhalten und Einsatzszenario letztlich sehr stark sowohl Kraftstoffverbrauch als auch Abgasausstoß. „Übrigens sind die Nutzfahrzeuganwendungen hier bereits seit Längerem einen Schritt weiter. Mit ihrem vorbildlichen Emissionsverhalten verdienen sich insbesondere die deutschen Hersteller Lob und Anerkennung. Insbesondere ist der Dieselmotor eine hervorragende Technologie, um niedrige Kohlendioxid-Emissionen im Verkehr zu erreichen.“

 

Die häufigsten Fragen zu den aktuellen Messungen rund um die Abgaswerte des Autokonzerns Volkswagen, wie etwa
- Was ist ein Fahrzyklus?
- Was ist eine Abgasnachbehandlung?
- Was ist der Unterschied zwischen der amerikanischen und der europäischen Gesetzgebung?
- Wie entwickelt sich prinzipiell die Luftqualität?
- Was wurde aktuell bei Volkswagen beanstandet?
beantworten Thomas Koch und sein Team auf der Homepage des Institutes:
http://www.ifkm.kit.edu/

 

„Motorenleistung und Abgaswerte hängen aber auch stark vom Kraftstoff ab“, ergänzt Jörg Sauer, Leiter des Instituts für Katalyseforschung und -technologie am KIT, an dem er unter anderem auch umweltfreundliche und motorenverträgliche synthetische Komponenten für Kraftstoffe entwickelt. Im Projekt bioliq etwa werden ausgehend vom Rohstoff Stroh hochwertige Kohlenwasserstoffe erzeugt. „Ziel ist es Kraftstoffzusätze zu entwickeln, die etwa Klopffestigkeit erhöhen, Verbrauch senken oder Schadstoffe-Emissionen verhindern helfen.“ Die Investitionen in das Großprojekt bioliq betrugen insgesamt rund 64 Millionen Euro und wurden von Bund, Land und Industrie getragen. Seit einem Jahr beweist die großskalige bioliq-Pilotanlage, dass ein nachhaltiges und industrietaugliches Verfahren zur effektiven Nutzung von Reststoffen existiert.

 

Das Team aus technischen Chemikern und Verfahrenstechnikern rund um Jörg Sauer arbeitet an Komponenten für den Dieselkraftstoff, die dazu beitragen können, den Zielkonflikt zwischen Stickoxid-Emissionen, Rußbildung und Verbrauch ganz aufzuheben. Die sogenannten OMEs besitzen eine chemische Struktur, die bei der Verbrennung im Dieselmotor dazu führt, die Rußbildung fast ganz zu vermeiden. Die Dieselmotoren könnten dann unter Bedingungen gefahren werden, unter denen sich nur sehr wenige Stickoxide bilden können. Allerdings wird an diese innovativen Kraftstoffe noch intensiv geforscht und es wird dauern, bevor man sie an der Tankstelle kaufen kann. „Es sind noch Forschung und Entwicklung an den Fahrzeugen, den Verbrennungsmotoren und der Kraftstoff-Herstellung und Logistik bis zur Umsetzung im Markt notwendig.“ so Sauer.

 

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auf zwei Grad Celsius wollen die großen Wirtschaftsnationen die durch den Menschen verursachte Erderwärmung begrenzen, gemessen am Niveau vor Beginn der Industrialisierung. Das haben die Staats- und Regierungschefs gerade noch einmal beim G20-Treffen erklärt. Noch fehlt allerdings ein weltweites Klimaschutzabkommen, das in Nachfolge des Kyoto-Protokolls vor allem die schnelle und deutliche Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen verbindlich regelt. Um genau dieses geht es ab 30. November bei der UN-Klimakonferenz in Paris.

 

„Nur wenn es uns gelingt, sichere und nachhaltige Strukturen für die Energieversorgung zu entwickeln und umzusetzen, lassen sich die weltweiten Klimaschutzziele erreichen“, sagt der Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), Professor Holger Hanselka. „Fossile Energieträger verursachen mehr als die Hälfte der globalen Kohlendioxid-Emissionen. Daher erforschen wir am KIT den Klimawandel inklusive der Anpassungsstrategien und arbeiten mit Hochdruck an Lösungen für die künftige Energieversorgung und eine nachhaltige Mobilität. Diese Technologien reduzieren den Ausstoß von Treibhausgasen oder verzichten ganz auf fossile Energieträger. Mit Blick auf die Energiewende brauchen wir außerdem leistungsfähige Energiespeicher für die „Erneuerbaren“, damit diese weltweit in großem Maßstab zum Einsatz kommen können. Wir arbeiten darüber hinaus an intelligenten Verteilsystemen – auch das brauchen wir, um international dem Ziel einer klimaneutralen Energieversorgung ein Stück näher zu kommen“, so Hanselka weiter. „Uns muss klar sein, dass alle Lösungsansätze immer das Gesamtsystem betrachten müssen. Daher verknüpfen wir am KIT unsere Forschung im Bereich Energie, Mobilität und Information, um hier tragfähige Lösungen im Dienste der Gesellschaft zu entwickeln.“

 

Hintergründe, Projekte, Technologien rund um die Themen Klima und Energie finden Sie in unserer digitalen Pressemappe zur UN-Klimakonferenz:
www.pkm.kit.edu/un-klimakonferenz2015.php

 

Die Themen im Überblick

 

Hintergrund: Fragen und Antworten zur UN-Klimakonferenz

Den Wandel verstehen – Klimaforschung am KIT

Klimawandel in den Alpen, Naturgefahren: Risiken im Wandel, Regionale Modelle für die Anpassung an den Klimawandel, CO2-Emissionen europäischer Hauptstädte, Aeorosole, Wolken, Wetter – und Climate Engineering?, Einfluss von Ozon auf die globale Erwärmung

Technologien für die Wende – Energieforschung am KIT

Energiewende und Klimawandel – Technologien zur Verminderung des CO2-Austoßes, bioliq® – Hochwertige Kraftstoffe aus Biomasse, Celitement® - „Grüner“ Zement, EnOB – Energieoptimiert Bauen, Energiewende – eine gesellschaftliche Herausforderung

 

Hintergrund: Fragen und Antworten zur UN-Klimakonferenz

COP21 – eine Klimakonferenz mit weit reichender Bedeutung?

„Viele Regierungen und Bürger verfolgen ein internationales Klimaschutzabkommen als wichtiges Millennium-Ziel. Die Pariser Konferenz folgt einer Reihe ergebnisloser Konferenzen. Im Vorfeld sind einerseits die Erwartungen gedämpft, zugleich aber die diplomatischen Bemühungen verstärkt worden“, sagt Karl-Friedrich Ziegahn, Leiter des Bereichs Natürliche und gebaute Umwelt am KIT. So habe sich Gastgeber Frankreich engagiert, wichtige Staaten wie China, Indien und USA für freiwillige, aber verbindliche Emissionsminderungsziele zu gewinnen. Wesentlich sei aber auch die Frage der Finanzierung. „Die klimapolitischen Maßnahmen werden große Investitionen erfordern. Ohne eine klare Finanzierungsperspektive für Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen wird es kein bedeutungsvolles Abkommen sein.“ Als Herausforderung sieht Ziegahn auch den gesellschaftlichen Wandel hin zu einem post-fossilen Szenario: „Neue Technologien werden sich auf Verhaltens- und Konsummuster auswirken. In der Forschung müssen wir mehr und mehr den integrativen, ganzheitlichen Ansatz verfolgen, der natur- und ingenieurwissenschaftliche mit sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Erkenntnissen zusammenführt. Beispiel dafür ist die Forschung für die Zukunftsstadt, in der das KIT nahezu alle Disziplinen verknüpft. Eine nachhaltige, also sozial, ökologisch und ökonomisch gleichermaßen auf Dauer durchhaltbare Stadtentwicklung wird durch verbindliche Klimaschutzziele entscheidend geprägt.“


Worum geht es in Paris? – „Acht Fragen an das Süddeutsche Klimabüro“

Ziel der UN-Klimakonferenz ist ein weltweites Abkommen zur Verminderung des Treibhausgasausstoßes, vor allem von Kohlendioxid (CO2). „Das Schwierige dabei ist, dass die momentan in der Atmosphäre vorhandenen Treibhausgase eine Folge der Emissionen von mehr als 100 Jahren sind. Gleichzeitig ist die Treibhausgasmenge so hoch, dass eine Reduktion des Ausstoßes unmittelbar stattfinden müsste“, sagt Hans Schipper, Leiter des Süddeutschen Klimabüros am KIT. „Dabei spielen die Länder, die derzeit am meisten CO2 ausstoßen, eine zentrale Rolle. Allerdings sind das nicht mehr die großen Industrieländer der vergangenen Jahrzehnte, sondern Nationen mit sehr hohem Wirtschaftswachstum wie zum Beispiel China. Eine der großen Herausforderungen wird es deshalb sein, die Folgen der ‚Altlasten‘ sowie die aktuellen Emissionen mit den – auch wirtschaftlichen – Zielen der einzelnen Länder in Einklang zu bringen.“

Warum wir ein weltweites Klimaschutzabkommen brauchen, worum es in Paris noch geht, woran wir den Klimawandel auch in Deutschland spüren: Diese und weitere Fragen beantwortet Hans Schipper im Interview: www.pkm.kit.edu/un-klimakonferenz2015.php

Weitere Informationen:

www.pkm.kit.edu/kit_experten_schipper.php

www.sueddeutsches-klimabuero.de

 

Den Wandel verstehen – Klimaforschung am KIT


Klimawandel – in den Alpen

„In den deutschen Alpen ist der Klimawandel deutlich sichtbar: Die Gletscher gehen massiv zurück, in den nächsten 20 bis 30 Jahren werden die letzten Reste verschwunden sein“, sagt Harald Kunstmann vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung (IMK-IFU) des KIT. „Meist sind es plötzlich auftretende Ereignisse wie Hochwasser, die uns auf das Thema Klimawandel stoßen – wir brauchen aber auch ein stärkeres Bewusstsein für die weniger sichtbaren, schleichenden Prozesse.“ Im alpinen Bereich macht sich die Temperaturerhöhung im Vergleich zum globalen Mittel stärker bemerkbar, Vegetationszonen verschieben sich, auch in höheren Lagen gibt es längere Vegetationszeiten. „Gleichzeitig wird das Wetter variabler: Die Ausschläge zwischen sehr trockenen und sehr feuchten, sehr kalten und sehr warmen Jahren werden extremer“, so Kunstmann. Um allmähliche Veränderungen langfristig beurteilen zu können, setzen die Wissenschaftler auf Beobachtungsstationen mit komplexen Messgeräten, die über viele Jahre laufen, wie in der Helmholtz-Initiative TERENO, in der das KIT das Observatorium Bayerische Alpen/Voralpenland mitkoordiniert. Die Forschung des IMK-IFU reicht aber weit über Deutschland hinaus, etwa mit Projekten in West Afrika, im Nahen Osten und in China. „In Deutschland verfügen wir über die technischen und finanziellen Mittel, um selbst mit einem Jahrhunderthochwasser vergleichsweise gut umgehen zu können. In infrastrukturschwachen Ländern führt ein solches Ereignis schnell in eine humanitäre Katastrophe – das macht sie zu Hotspots für die Klimaforschung.“

Weitere Informationen:

www.imk-ifu.kit.edu

 

Naturgefahren: Risiken im Wandel

Hagelkörner mit einem Durchmesser bis zu zehn Zentimetern – extreme Wetterereignisse wie diese sorgen für große Aufmerksamkeit, nicht zuletzt weil sie enorme Schäden verursachen können. Aber nehmen diese Ereignisse tatsächlich zu? „Hagel tritt vergleichsweise selten und räumlich eng begrenzt auf, das macht direkte Messungen und statistische Analysen schwierig. Allerdings haben in den vergangenen Jahren Temperatur und Feuchtigkeit zugenommen und mit ihnen die Wahrscheinlichkeit für schwere Gewitter, bei denen Hagel auftritt“, sagt Michael Kunz, der am IMK-TRO die Arbeitsgruppe Atmosphärische Risiken leitet. Wie sich das Hagelpotenzial verändert untersucht die Gruppe auch mit Hilfe von regionalen Klimamodellen. Kunz, der auch der für das KIT zuständige Sprecher des Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology, kurz CEDIM, ist, hat auch weitere Naturgefahren im Blick. „Unser Ziel ist es, natürliche und strukturelle Risiken besser zu verstehen, um sie früher zu erkennen und besser bewältigen zu können“, sagt er. Unter anderem haben die CEDIM-Forscher Risiken für Hochwasser, Erdbeben und Sturm in Deutschland ermittelt und quantitativ verglichen. Mit dem CEDIM Risk Explorer lässt sich für jede Gemeinde die Naturgefahr identifizieren, welche die größten Schäden verursachen könnte.

Weitere Informationen:

www.pkm.kit.edu/kit_experten_kunz.php

CEDIM Risk Explorer:

www.cedim.de/riskexplorer.php

Hagel – das unterschätzte Risiko: Michael Kunz im Helmholtz-Podcast:

www.helmholtz.de/artikel/das-unterschaetzte-risiko-3042


Regionale Modelle für die Anpassung an den Klimawandel

„Mit regionalen Klimamodellen in höchster Auflösung wollen wir zum Beispiel Aussagen zur Entwicklung der Häufigkeit und Intensität beispielsweise von Starkregenereignissen oder Winterstürmen treffen können“, sagt Christoph Kottmeier, der am KIT das Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Forschungsbereich Troposphäre (IMK-TRO) leitet. „Wir benötigen diese kleinräumigen Informationen auch, um Strategien zur Anpassung an den Klimawandel entwickeln zu können, die sich ebenfalls überwiegend auf lokale und regionale Gegebenheiten beziehen.“ Die Forscher verbinden Klimamodelle mit hydrologischen, biologischen und chemischen Modellen, um zu erforschen, wie sich Klimaänderungen auf Hochwasserrisiko und Wasserverfügbarkeit, Vegetation, Böden und Luftqualität auswirken. Aktuell untersuchen Kottmeier und sein Team mit der Anlage KITcube, die eine ganze Reihe Messinstrumente integriert, wie der Energieaustausch an der Erdoberfläche, turbulente Prozesse und die Wolken- und Regenentstehung genau ablaufen.

Die Messanlage wird dazu in verschiedenen Regionen der Erde für jeweils einige Monate betrieben, zuletzt auf Korsika und in Israel, 2016 in Westafrika (Benin).

Weitere Informationen:

www.pkm.kit.edu/kit_experten_kottmeier.php

KITcube:

www.imk-tro.kit.edu/4635.php


CO2-Emissionen europäischer Hauptstädte

Um die langfristige Entwicklung der Konzentrationen in der Atmosphäre vorhersagen und mögliche Strategien zur Minimierung der Klimafolgen bewerten zu können, ist es erforderlich, Treibhausgasquellen genau vermessen zu können. „Schwierig ist das, weil die Gase sehr lange in der Atmosphäre verweilen“, so Johannes Orphal und Frank Hase vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Spurengase und Fernerkundung (IMK-ASF). „Eine bestimmte Quelle, etwa eine Großstadt, bewirkt nur eine sehr kleine zusätzliche Erhöhung gegenüber der Konzentration, die sich bereits im Hintergrund angesammelt hat. Genau diese kleine Erhöhung gilt es zu messen.“ Die Klimaforscher des KIT haben dazu ein neues Verfahren entwickelt, das darauf basiert, die von den Treibhausgasen bewirkte Abschwächung der Sonnenstrahlung am Boden mit hochpräzisen tragbaren Fernerkundungsinstrumenten (Fourierspektrometern) zu vermessen. Auf diese Weise können sie nicht nur die erhöhten Werte in der Abluftfahne der Stadt, sondern auch die Hintergrundkonzentration bestimmen. Aus der Differenz ergeben sich die tatsächlichen Emissionsstärken von Kohlendioxid und Methan mit hoher Genauigkeit. Dieses Verfahren haben die Wissenschaftler zusammen mit französischen Partnern in diesem Jahr in Paris angewandt, derzeit läuft die Auswertung der Daten. Die Messmethode eignet sich nicht nur für Großstädte, sondern auch für weitere lokalisierte Quellen, beispielsweise Erdgasfelder.

Weitere Informationen:

www.kit.edu/kit/pi_2014_15336.php


Aeorosole, Wolken, Wetter – und Climate Engineering?

Von scheinbar leicht und strahlend weiß bis bedrohlich in Grau-Schwarz: Wolken gibt es in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen. Die Größe und Form der Wolken wirken sich auch auf den Strahlungshaushalt der Erde aus. Als Kondensationskeime für die Bildung von Wassertropfen in den Wolken dienen Aerosole, kleinste Schwebeteilchen aus natürlichen und vom Menschen verursachten Quellen. In der Regel gefrieren diese Tropfen bei etwa minus 35 Grad Celsius. „Nur ein sehr kleiner Anteil der Partikel, etwa Staubteilchen, lassen die Wassertröpfchen bereits bei knapp unterhalb null Grad Celsius gefrieren. Das Entstehen dieser Eiskeime ist sehr häufig für die Bildung von Niederschlag verantwortlich. Damit ist dieser Prozess wesentlich für die bessere Vorhersage der räumlichen und zeitlichen Verteilung von Niederschlägen“, sagt Thomas Leisner, Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung – Bereich Atmosphärische Aerosolforschung (IMK-AAF). Er und sein Team untersuchen, welche Aerosolpartikel wie stark als „Anlaufstelle“ für die Bildung von Eispartikeln dienen.

Die hohe Klimawirksamkeit von Wolken führt auch immer wieder zu Vorschlägen, sie künstlich für eine Klima- oder Niederschlagskontrolle zu beeinflussen – man spricht dabei von Geoengineering. Leisner sieht hier eher die Risiken als die Chancen: „Unerwünschte Nebeneffekte solcher Maßnahmen könnten weder bewiesen noch abgestritten werden. Dies könnte zur Intensivierung politischer Konflikte führen“. Dennoch plädiert er für eine Erforschung der Potenziale und Risiken dieser Methoden: „Wenn, beispielsweise nach klimabezogenen Extremereignissen, der öffentliche Ruf nach Maßnahmen zur Klimabeeinflussung laut wird, sollten wir als Forscher mit fundierten Analysen vorbereitet sein“.


Einfluss von Ozon auf die globale Erwärmung

Peter Braesicke ist Spezialist für die Wechselwirkung zwischen Luftzusammensetzung und Zirkulation der Atmosphäre. Zum Beispiel haben er und Kollegen der Universität Cambridge ein Defizit gängiger Klima-Modelle bezüglich des Ozons in der Stratosphäre, also dem Teil der Atmosphäre zwischen etwa zehn und 50 Kilometern Höhe, erforscht. Hierzu betrachteten sie eine gängige Methode zum Test von Klimamodellen: die „abrupte vierfach Kohlendioxid-Methode“. Dabei wird von den klimatischen Bedingungen der vorindustriellen Zeit ausgegangen und die Auswirkung einer vervierfachten Kohlendioxid-Konzentration auf das Klima berechnet. In diese Methode bezogen die Forscher nun auch Wechselwirkungen zwischen Ozon und Luftzirkulation in der Atmosphäre mit ein. Verglichen mit den Ergebnissen gängiger Modelle, wiesen sie nach 75 Jahren signifikante Unterschiede in der Erdoberflächentemperatur von einem Grad Celsius nach. Dies entspricht etwa 20 Prozent der Änderung der simulierten Erdoberflächentemperatur und belegt die wichtige Rolle des Ozons beim Klimawandel.

Weitere Informationen:

www.imk-asf.kit.edu/IAS.php

 

Technologien für die Wende – Energieforschung am KIT


Energiewende und Klimawandel – Technologien zur Verminderung des CO2-Ausstoßes

„Die Energiewende in Deutschland hat in den kommenden zehn Jahren zunächst das Ziel, Kraftwerke ohne CO2-Emissionen, nämlich Kernkraftwerke, durch CO2-emissionsfreie Technologien für erneuerbare Energien zu ersetzen“, sagt der Sprecher des Zentrums Energie am KIT, Thomas Schulenberg. „Zur Einsparung von CO2-Emissionen tragen auch Kohlekraftwerke mit deutlich höherem Wirkungsgrad, Einsparungen im Stromverbrauch und eine Verbesserung der Wärmeisolierung von Gebäuden bei. Dazu sind erhebliche Investitionen erforderlich. Spätestens in zehn Jahren werden Stromspeicher benötigt, also etwa preisgünstige Batteriesysteme für Photovoltaikanlagen, und das Stromnetz benötigt verlustarme Hochspannungs-Gleichstromleitungen um Windstrom aus Nord- und Ostsee nach Süddeutschland zu transportieren.“

An entsprechenden Technologien arbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des KIT. Das Spektrum reicht dabei unter anderem von Flüssigmetalltechnologien für die Solarthermie über Busse mit Brennstoffzellen und Wasserstoffantrieb bis zu neuen Batteriesystemen für Fahrzeuge und stationäre Anwendungen; von innovativen organischen Solarzellen über Kraftstoffe aus Restbiomasse und neuartige Baumaterialien bis zu Versuchen zur CO2-Speicherung.

Weitere Informationen zum KIT-Zentrum Energie:

www.energie.kit.edu/index.php

bioliq® – Hochwertige Kraftstoffe aus Restbiomasse

Deutliche CO2-Einsparungen können Biokraftstoffe der zweiten Generation erreichen. Das am KIT entwickelte bioliq®-Verfahren macht es möglich, umweltfreundliche und motorenverträgliche Kraftstoffe aus biogenen Reststoffen wie Stroh zu gewinnen. „Da wir mit Stroh oder Restholz Ausgangsstoffe verwenden, die in der Land- und Forstwirtschaft ohnehin anfallen, benötigen wir keine zusätzlichen Anbauflächen, stehen also nicht in Konkurrenz zur Nahrungs- und Futtermittelproduktion“, sagt der Sprecher des bioliq®-Projekts Jörg Sauer. Über insgesamt vier Verfahrensstufen wird die trockene Restbiomasse zunächst in einen flüssigen, transportablen Brennstoff, dann in Synthesegas und schließlich in synthetische Kraftstoffe umgewandelt. Im vergangenen Jahr lief die Anlage zum ersten Mal erfolgreich über die gesamte Prozesskette. Nun geht es darum, die Verfahrensschritte weiter zu verbessern. Die bioliq®-Pilot-Anlage ist so konzipiert, dass die Erkenntnisse aus der Pilotanlage direkt in die Auslegung einer technischen Anlage einfließen können. Ziel der begleitenden Forschung ist es, Verfahren zu neuen Kraftstoffe und Kraftstoff-Komponenten zu entwickeln, die dabei helfen, die Energieeffizienz und die Emissionen von Verbrennungsmotoren zu verbessern. Grundsätzlich lassen sich nach dem bioliq®-Konzept auch Kraftstoffe für Dieselmotoren und Flugzeuge herstellen.

Weitere Informationen:

www.kit.edu/kit/pi_2014_15980.php und unter www.bioliq.de


Energieoptimiertes Bauen

Noch beanspruchen Gebäude mehr als 40 Prozent der in Deutschland verbrauchten Primärenergie – das Haus der Zukunft soll ressourcenschonend und weitgehend klimaneutral sein, und dies bei hohem Nutzerkomfort. Wie das gelingen kann, untersuchen Andreas Wagner und Thomas Lützkendorf zusammen mit Kollegen zweier weiterer Universitäten und des Fraunhofer ISE im Programm „EnOB – Forschung für Energieoptimiertes Bauen“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Schwerpunkt ist das Gesamtenergiekonzept von Gebäuden. So erhebt Wagner etwa den Energieaufwand für Heizen und Kühlen, Lüften und Beleuchten sowie Kennzahlen für die Performance technischer Systeme in Bürogebäuden. Solche Auswertungen münden in wissenschaftlich abgesicherte Planungsempfehlungen. „Ein kluger Entwurf und ein integriertes Energiekonzept sind entscheidend für hohe Energieeffizienz. Ein Beispiel ist das passive Kühlen unter Ausnutzung natürlicher Wärmesenken wie Außenluft oder Erdreich“, sagt Wagner. Allerdings sei Energieeffizienz allein kein Indikator für die Zufriedenheit der Nutzer. Deshalb beschäftigt sich der Klima-Ingenieur auch mit Aspekten wie thermischer Behaglichkeit, Beleuchtung, Raumakustik und Luftqualität. Thomas Lützkendorf untersucht unter anderem, wie sich energieeffizientes Bauen im Lebenszyklus eines Gebäudes ökonomisch auswirkt: von den Herstellungskosten über die Betriebskosten für Energie und Wartung bis hin zu Aufwendungen für den Rückbau und das Recyceln der Baumaterialien. „Wir entwickeln Methoden, um die Lebenszykluskosten früh abschätzen zu können“, sagt Lützkendorf. Ein Ziel ist es, Planern künftig Hilfsmittel für die Bewertung und Auswahl von Planungsvarianten aus ökonomischer Sicht an die Hand zu geben. Diese werden ergänzt durch die Ergebnisse einer Ökobilanzierung zur Beurteilung der ökologischen Vorteilhaftigkeit.


Celitement® – „grüner“ Zement

Mehr als zweieinhalb Milliarden Tonnen CO2 stoßen Zementwerke pro Jahr aus – drei bis viermal so viel wie der globale Flugverkehr und rund sechs Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Bis zu 50 Prozent weniger CO2 entstehen bei der Produktion des neuartigen hydraulischen Bindemittels Celitement®, das Chemiker des KIT entwickelt haben. „Durch sehr viel niedrigere Temperaturen bei der Herstellung – etwa 200 Grad Celsius statt der für konventionellen Zementklinker benötigten 1450 Grad Celsius – können wir zudem den Energiebedarf halbieren. Außerdem benötigen wir ein Drittel weniger Kalk, sodass Stoff- und Energiebilanz deutlich günstiger sind als bei Produktion herkömmlichen Zements“, erläutert Peter Stemmermann, einer der Erfinder und Gründer der Celitement GmbH, die das Verfahren derzeit in einer Pilotanlage am KIT weiterentwickelt und den „grünen“ Zement unter anderem für verschiedene Anwendungen in der Baustoffindustrie testet. Künftig soll Celitement® zunächst in besonderen Anwendungen, später in größerem Maßstab Portlandzement ersetzen.

Weitere Informationen:

www.pkm.kit.edu/kit_experten_stemmermann.php

www.celitement.de

 

Energiewende – auch eine gesellschaftliche Herausforderung

Für die künftige Energieversorgung spielen neue Technologien eine wesentliche Rolle. Der Systemwandel zieht aber auch Entwicklungen nach sich, die über die rein technischen Innovationen weit hinausgehen. „Durch die Energiewende verändert sich zum Beispiel der Bedarf an bestimmten Rohstoffen, was zu neuen Konkurrenzbeziehungen führen wird. So benötigen wir für die Herstellung von Windkraftanlagen oder auch für bestimmte Batterien etwa Seltene Erden wie Neodym. Dagegen werden in thermischen Großkraftwerken eingesetzte Stähle volumenmäßig weniger wichtig“, sagt Witold-Roger Poganietz, Leiter des Forschungsbereichs Energie am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des KIT. „Es ändern sich also die Materialflüsse – mit Konsequenzen für die Wirtschaftsverflechtungen weltweit, aber auch für den heimischen Arbeitsmarkt und letztlich für die Qualifikation der Arbeitnehmer.“ Konfliktpotenzial berge aber auch die Nutzung der Ressource Land, wie die „Teller-Tank-Diskussion“ um den Anbau von Nahrungsmitteln auf der einen Seite und Pflanzen für Biokraftstoffe der ersten Generation auf der anderen zu Beginn des Jahrtausends gezeigt habe. „Wenn sich solche Konflikte nicht gesellschaftlich verträglich lösen lassen, können unter Umständen bestimmte Technologien nicht genutzt werden, weil die Gesellschaft sie schlicht ablehnt“, so Poganietz. Wie der gesellschaftlich optimale Technologiemix aussieht, lasse sich indes nicht klar sagen. „Ein Grund: ‚Die‘ Gesellschaft gibt es nicht. Die Individualisierung nimmt zu, der Staat wird weniger als neutrale Instanz denn als Vertreter der eigenen Interessen gesehen. So wird es immer schwieriger, mehrheitsfähige Lösungen zu finden.“ Aufgabe für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse sei es, Konfliktsituationen aus einer systemischen Perspektive zu identifizieren – das heißt nicht nur aus der wirtschaftlichen, sondern auch aus unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen Blickwinkeln – und mögliche Strategien zum Überwinden von Konfliktsituationen zu entwickeln.

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu den Experten her. Bitte wenden Sie sich an Margarete Lehné, Tel. 0721 608-48121, margarete.lehne@kit.edu oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721 608-47414, E-Mail an presse@kit.edu.

 

Hintergründe, Projekte, Technologien rund um die Themen Klima und Energie finden Sie in unserer digitalen Pressemappe zur UN-Klimakonferenz:

www.pkm.kit.edu/un-klimakonferenz2015.php

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

gemeinsam in eine bessere Energiezukunft: Unter diesem Motto steht der Weltumwelttag der Vereinten Nationen am 5. Juni. „Beim künftigen Energiesystem spielen viele technische Aspekte eine Rolle – aber eben auch die Menschen, die als Verbraucher beteiligt sind“, sagt Professor Armin Grunwald, Sprecher des Schwerpunkts Mensch und Technik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Beim Umbau der Energieversorgung reiche es nicht aus, alte Technik durch neue zu ersetzen: „Wir müssen uns ein ganzes Stück weit mitverändern. Das kann heißen, dass wir einen Teil unserer Freiheit, Strom jederzeit zu nahezu gleichbleibenden Preisen verfügbar zu haben, abgeben müssen. Zum Beispiel an eine Einrichtung oder eine Software, welche die Nachfrage im Hinblick auf das Angebot optimiert.“ Um Verbraucher dabei mitzunehmen, schlägt Grunwald Anreizsysteme vor. Sinnvoll sei auch eine Kompensation für Regionen, für die die erforderlichen neuen Infrastrukturen möglicherweise eine Belastung darstellen. Aspekte wie diese untersucht die Helmholtz-Allianz „Zukünftige Infrastrukturen der Energieversorgung“, bei der Armin Grunwald einer der Sprecher ist.

Fragen zu den gesellschaftlichen Aspekten der künftigen Energieversorgung beantwortet Armin Grunwald im KIT-Experten-Podcast (Audio): http://www.pkm.kit.edu/kit_experten_grunwald

Für weitere Fragen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu Professor Armin Grunwald her. Bitte wenden Sie sich an Margarete Lehné, Telefon: 0721- 608 48121 oder E-Mail: margarete.lehne@kit.edu

Ansprechpartner zu weiteren Highlights der KIT-Forschung sowie zu tagesaktuellen Themen bietet Ihnen das Portal „KIT-Experten“: http://www.pkm.kit.edu/kit_experten

Freundliche Grüße

Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

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Monika Landgraf
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Sehr geehrte Damen und Herren,

 

die Urbanisierung hat den Planeten Erde nachhaltig verändert und tut es noch immer. Heute leben weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Im stark urbanisierten Europa ist der Unterschied noch deutlicher: So sind etwa in Deutschland heute zwei von drei Einwohnern Stadtbewohner.
Besonders hier – in Städten und Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet, Berlin oder Hamburg – treffen die großen Herausforderungen der Zukunft geballt aufeinander: steigender Energiebedarf, Klimaveränderungen, Mobilität und Verkehr, bezahlbares Wohnen, gute Arbeitsbedingungen, demografischer Wandel und Zuwanderung.
Heute hat die Bundesministerin für Bildung und Forschung Johanna Wanka in Berlin das Wissenschaftsjahr 2015 „Zukunftsstadt“ eröffnet. Im Mittelpunkt steht dabei die Stadtforschung, die Voraussetzung für eine nachhaltige Stadtentwicklung ist. Am KIT beschäftigen sich Forscherinnen und Forscher unterschiedlichster Disziplinen mit den Herausforderungen in den Städten der Zukunft.

 

Smart City und Datensicherheit

Die Stadt wird zunehmend „smart“ – intelligente Häuser, die Beleuchtung und Heizung regeln, Haushaltsgeräte, die miteinander reden, Ampeln, die auf den Verkehrsfluss reagieren. „Die physische Welt und die digitale Welt wachsen zusammen. Das smarte Internet der Dinge macht unseren Alltag komfortabler und trägt dazu bei, Ressourcen zu sparen“, sagt Prof. Martina Zitterbart, Leiterin des Instituts für Telematik am KIT. Für die intelligente Steuerung sind unter anderem drahtlos vernetzte Sensoren im Einsatz, die fleißig Daten sammeln und diese typischerweise über das Internet an einen zentralen Datenspeicher senden. Übermitteln nun zum Beispiel smarte Stromzähler in einem Hochhaus den Verbrauch an den Energieanbieter, könnte dieser etwa ermitteln, wann ein einzelner Bewohner die Kaffee- oder Waschmaschine anschaltet und so ein detailliertes Profil seiner Lebensgewohnheiten erstellen. Auch beim Smart Traffic, der intelligenten Steuerung von Verkehrsflüssen, wird einer Zentrale preisgegeben, wo sich ein konkreter Verkehrsteilnehmer mit seinem Fahrzeug zu einer bestimmten Zeit befindet.

 

 „Das Internet weiß möglicherweise mehr über mich als ich selbst“, sagt Martina Zitterbart. Die Informatikerin sucht deshalb mit ihrer Forschungsgruppe nach Lösungen, bei denen Sensoren auch weiterhin wertvolle Informationen liefern können und trotzdem die Privatheit der Nutzer gewährleistet wird. „Es geht darum, Information zu verschleiern, um die Rückführung zu erschweren“, erläutert Zitterbart, die unter anderem am Kompetenzzentrum für Angewandte Sicherheitstechnologie (KASTEL) am KIT forscht.

 

Weitere Informationen zur Forschung von Martina Zitterbart:

http://telematics.tm.kit.edu/forschung.php
http://www.kastel.kit.edu/

 

Stadtökologie und Urbane Geochemie

Städte sind keineswegs „naturfreie Zonen“, sondern komplexe Ökosysteme mit einem weitgehend unbekannten Wirkungsgefüge. „Hier treffen einheimische auf eingewanderte Arten. Hier müssen sich Arten auf spezifische Bedingungen, wie häufig höhere Temperaturen und niedrigere Luftfeuchten, Lärm, Luftverschmutzung und Versiegelung einstellen“, sagt der Geoökologe Dr. Stefan Norra vom Institut für Angewandte Geowissenschaften. „Diese Kombination macht ihre Einzigartigkeit als urbane Ökosysteme aus, die außerhalb von Städten so nicht vorkommen.

 

Stefan Norra befasst sich unter anderem mit der wissenschaftlichen Bewertung der „Dienstleistungen“ urbaner Ökosysteme. So bieten etwa Grün- und Freiflächen Rückzugsmöglichkeiten für seltene Pflanzen und Tiere, besitzen aber zugleich auch Erholungswert für die Stadtbewohner. „Der Mensch als Stadtbewohner ist dabei ein wichtiger Bestandteil dieser urbanen Ökosysteme. Unsere stadtökologische Forschung dient deshalb als Grundlage für eine gesunde und lebenswerte Stadtentwicklung, die allen Beteiligten nützt“, erklärt der Wissenschaftler.

 

Darüber hinaus beschäftigt sich Stefan Norra mit urbaner Geochemie, also den Stoffflüssen einer Stadt auf der Ebene der chemischen Elemente und deren Verbindungen. „Städte mit ihren Infrastruktureinrichtungen, Industrieanlagen und Gebäuden bilden für viele Substanzen Senken. In diesem Zusammenhang erforschen wir unter anderem, inwieweit diese Senken sich für eine nachhaltige Ressourcennutzung verwenden lassen – das sogenannte Urban Mining“, erläutert der Wissenschaftler. Die Analysen der Karlsruher zu den Stoffflüssen durch Wasser, Boden, Luft und Lebewesen helfen außerdem dabei, etwa den Einfluss verschmutzter Gewässer und Luft auf die Gesundheit der Stadtbewohner sowie den Beitrag von Städten zu globalen Klimaveränderungen zu erforschen.

 

Weitere Informationen zur Forschung von Stefan Norra:

http://www.img.kit.edu/3952.php

 

Wasserversorgung in der Stadt

Trinkwasser aus dem Hahn gehört in westlichen Industrienationen wie Deutschland zu den absoluten Selbstverständlichkeiten des Alltags. Doch am Beispiel Großbritannien wird deutlich, dass Wassermangel nicht nur in Entwicklungsländern ein Thema ist: So verhängte die britische Regierung nach einem besonders trockenen Winter im Frühjahr 2012 harte Wassersparmaßnahmen wie etwa ein „Gartenschlauch-Verbot“. Vom Wassermangel besonders betroffen war der Großraum London wegen seines maroden Leitungsnetzes voller Lecks: Bis zu einem Viertel des Wassers versickert dort ungenutzt im Untergrund der britischen Hauptstadt.

 

„Auch in deutschen Städten sind solche Wasserverluste ein Thema, denn kein Rohrnetz ist wirklich zu 100 Prozent dicht“, sagt Dr. Phillip Klingel vom Institut für Wasser und Gewässerentwicklung (IWG). „Mit im Schnitt unter 10 Prozent Verlusten stehen deutsche Städte zwar vergleichsweise sehr gut da, doch sind die Leckagen mit einem erhöhten Betriebsmittelaufwand und Energieverbrauch für die zusätzlich benötigte Leistung der Förderpumpen verbunden.“ Viele deutsche Städte wie etwa Bonn oder Pforzheim wenden sich deshalb an Experten wie Phillip Klingel, der unter anderem Systeme entwickelt, mit denen Wasserverluste ermittelt und bewertet werden können. Ihr Wissen wenden die Karlsruher auch weltweit an, so zum Beispiel in Indien und Indonesien. „In vielen Metropolen der Entwicklungs- und Schwellenländer liegen die Verluste durch Lecks und Wasserdiebstahl bei über 50 Prozent“, sagt Phillip Klingel, „während es in Deutschland also um Effizienzsteigerung und die Vermeidung von CO2-Emissionen geht, ist ein gutes Wasserverlustmanagement in Entwicklungs- und Schwellenländern oft überlebenswichtig.“

 

Weitere Informationen zur Forschung von Phillip Klingel:

http://wasserversorgung.iwg.kit.edu/
http://www.iwg.kit.edu/

 

Residentielle Multilokalität und ihre Folgen

Das Leben in der europäischen Stadt hat sich im Laufe der Jahrhunderte stark verändert. Während die Städte des Mittelalters noch aus übersichtlichen Lebensgemeinschaften bestanden, die sich weitgehend selbst aus ihrem unmittelbaren Umland versorgten, ist die Großstadt der Postmoderne alles andere als übersichtlich und autonom. Sie ist ein weitläufiger Agglomerationsraum und mehr Landschaft als Ort. Ihr komplexes Netzwerk aus Transport- und Informationswegen reicht weit über ihr unmittelbares Einzugsgebiet hinaus in die Welt. Für die Bewohner einer Stadt bedeutet diese Globalisierung vor allem eines – eine massive Ausweitung ihres Kommunikations- und Aktionsraumes durch eine verbesserte Infrastruktur.

 

„Eine Folge davon sind multilokale Lebensformen. Menschen können in einer Stadt wohnen, in einer anderen arbeiten, in wieder einer anderen ihre Freizeit verbringen“, erklärt Prof. Caroline Kramer vom Institut für Geographie und Geoökologie IfGG. „Zwar können sie dadurch deutlich mehr Angebote nutzen, doch entstehen auch Nachteile. Die Infrastruktur wird durch die hohe Mobilität mehr belastet. Mehr Energie wird verbraucht, durch Zweitwohnungen am Arbeitsort steigt der Flächenbedarf. Ganze Stadtviertel verändern sich und ihr Bildungs-, Kultur- und Einzelhandelsangebot, wenn sie etwa von Studierenden und pendelnden Angestellten erschlossen werden, die in der Woche ein- und an den Wochenenden ausfliegen.“

 

Die von Caroline Kramer geleitete Arbeitsgruppe Humangeographie setzt sich unter anderem mit den Folgen zunehmender residentieller Multilokalität auseinander. Mit empirischen Analysen schaffen sie die Grundlage für eine zukunftssichernde räumliche Planung und für die Lösung raumbezogener Konflikte.

 

Weitere Informationen zur Forschung von Caroline Kramer:

http://www.ifgg.kit.edu/gesellschaft/forschung.php

 

Quartier Zukunft – Labor Stadt

Stadtneugründungen und massive Stadterweiterungen sind insbesondere in Asien und Afrika noch immer von großer Bedeutung. Im bereits stark urbanisierten Europa dagegen geht es bei der Stadtentwicklung vor allem um behutsame Eingriffe in bereits bestehende Stadtstrukturen. Städte unter dem umfassenden Leitbild der Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln, ist in Politik und Forschung weitgehend Konsens. Die Wege hin zu einer nachhaltigen Stadt hingegen sind vielfältig und weitgehend offen.
Dr. Oliver Parodi und sein multidisziplinär besetztes Team gehen im Projekt Quartier Zukunft – Labor Stadt der Frage nach, wie bestehende europäische Städte in nachhaltige Lebensräume transformiert werden können. Als „Labor Stadt“ dient dabei ein bestehendes Quartier in der Stadt Karlsruhe, die in diesem Jahr ihren 300. Geburtstag feiert.

 

Das Team um Oliver Parodi arbeitet dabei in Karlsruhe eng mit der Bürgerschaft, Politik und Verwaltung, Schulen, Unternehmen und weiteren lokalen Akteuren zusammen und stößt im Rahmen eines intensiven Dialogs Projekte für eine nachhaltige städtische Zukunft an. Zentrales Element ist dabei, wissenschaftliches Knowhow mit lokalem Wissen zu verknüpfen. Der Stadtraum wird so zum gemeinsamen Experimentierraum, einem Ort, an dem Zukunft gemeinsam ausprobiert wird. „Unsere Gesellschaft wird sich nur nachhaltig entwickeln, wenn alle Beteiligten die Entwicklung mitgestalten“, ist Oliver Parodi überzeugt.

 

Weiterführende Informationen zur Forschung von Oliver Parodi:

http://www.itas.kit.edu/num_lp_paro11_quazu.php
www.quartierzukunft.de

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu den Experten her. Bitte wenden Sie sich an Nils Ehrenberg, Tel. 0721 608-48122, E-Mail: nils.ehrenberg@kit.edu, oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721 608-47414, E-Mail: presse@kit.edu.

 

Im Portal „KIT-Experten“ finden Sie weitere Ansprechpartner zu Highlights der KIT-Forschung und tagesaktuellen Themen:

http://www.pkm.kit.edu/kit_experten.php

 
Mit freundlichen Grüßen

 

Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Presse, Kommunikation und Marketing
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Monika Landgraf
Pressesprecherin

 

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www.kit.edu

 

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Sehr geehrte Damen und Herren,

für den Mord zum Sonntag zieht er regelmäßig Millionen von Zuschauern vor die Bildschirme: Der „Tatort“ ist die älteste und eine der beliebtesten Krimireihen im deutschen Fernsehen. Das Erfolgsrezept: „Der Tatort ist der wahre Gesellschaftsroman der Bundesrepublik Deutschland. Seine föderalistische Struktur macht ihn einzigartig: Jeder Sender der ARD steuert eine oder mehrere Serien bei, die regional geprägt sind“, sagt Stefan Scherer, Professor für Neuere Deutsche Literatur am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). „So werden immer wieder neue Konzepte eingeführt, die Mentalität und Lebensstil der jeweiligen Zeit und Region widerspiegeln.“

 

Der KIT-Experte ist einer der führenden Tatort-Forscher Deutschlands. Gemeinsam mit Professorin Claudia Stockinger und Dr. Christian Hißnauer von der Universität Göttingen untersucht er, wie die Reihe soziale Entwicklungen und regionale Lebensverhältnisse widerspiegelt. Die literaturwissenschaftlichen Ermittler interessieren sich dabei unter anderem für statistische Kriterien wie Ermittlungszeit, Opferwahl und Rauminszenierung – rund 500 Folgen landeten bislang auf ihrem „Seziertisch“. Eine Folge in allen Kategorien zu bearbeiten, dauere etwa acht Stunden, so Stefan Scherer. Ein Ergebnis: „Seit dem Tatort-Start in den 1970er-Jahren ist die Reihe deutlich vielfältiger geworden: Heute gleicht die Bildästhetik vieler Folgen der eines Spielfilms. Die Ermittlerinnen und Ermittler werden immer individueller, sie sind in ihr Milieu eingebunden und auch ihr Privatleben wird thematisiert.“

 

Themen und Ergebnisse der Tatort-Forschung stehen im Mittelpunkt der internationalen Tagung „Zwischen Serie und Werk: Die ARD-Reihe Tatort im fernseh- und gesellschaftlichen Kontext“, die vom 20.-22. Juni 2013 an der Universität Göttingen stattfindet.

 

Tagungsprogramm: http://serialitaet.uni-goettingen.de/documents/Tatort_Program.pdf

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu Professor Stefan Scherer her. Bitte wenden Sie sich an Margarete Lehné, Tel. 0721 608-48121, E-Mail: margarete.lehne@kit.edu oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721 608-47414, E-Mail: presse@kit.edu.

 

Im Portal „KIT-Experten“ finden Sie Informationen zur Arbeit von Professor Scherer und weiteren Ansprechpartnern zu Highlights der KIT-Forschung und tagesaktuellen Themen: http://www.pkm.kit.edu/kit_experten_scherer.php bzw. http://www.pkm.kit.edu/kit_experten.

Freundliche Grüße

Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Presse, Kommunikation und Marketing
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Monika Landgraf
Pressesprecherin

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Als zertifizierte Universität und Großforschungseinrichtung fördert und praktiziert das KIT die Vereinbarkeit von Beruf, Studium und Familie.

KIT - Universität des Landes Baden-Württemberg und nationales Forschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft

 

CEDIM: Erdbeben in Nepal

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Erdbeben in Nepal mit der Stärke von etwa 7,8 auf der Richterskala hat weite Landstriche verwüstet. Weitere Nachbeben bis zur Stärke 6,8 wurden registriert, weitere sind möglich. Experten des CEDIM (Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology), einer gemeinsamen Forschungseinrichtung des KIT und des Helmholtz-Zentrums Potsdam Deutsches Geoforschungszentrum (GFZ), beobachten die Lage und schätzen die Schadensentwicklung zeitnah. Ihren fortlaufend aktualisierten Bericht stellen sie online allen Interessengruppen zur Verfügung:

http://www.cedim.de/

 

Derzeit wird von mehr als 4000 Toten und 9000 Verletzten ausgegangen. In der betroffenen Region leben rund 15,62 Millionen Menschen, in ganz Nepal 28,38 Millionen. „Unsere theoretischen Schadensmodelle halten Totenzahlen von 7500 für wahrscheinlich, Zahlen bis zu 10.000 für möglich“, erklärt James Daniell vom KIT, einer der Autoren des CEDIM-Berichtes.

 

Der wirtschaftliche Schaden in Nepal wird wahrscheinlich bei 3,5 Milliarden Dollar liegen (Fehlergrenzen 2,8 - 4,6 Milliarden Dollar, mit Wiederaufbaukosten um 5 - 7 Mrd. Dollar), geschätzt anhand der vorliegenden Informationen aus dem Katastrophengebiet, vergangenen Schadensereignissen und verschiedenen sozio-ökonomischen Indikatoren. Die vergleichbaren Erdbeben in Haiti (2010) und Kaschmir (2005) verursachten Schäden um 4 Milliarden Dollar. „Nepals Wirtschaft basiert stark auf Landwirtschaft. Aufgrund der zerstörten Straßen können viele Güter nicht mehr exportiert werden und weiterer wirtschaftlicher Schaden entsteht. Ebenso wird die Tourismusindustrie leiden“, sagt Bijan Khazai vom KIT, Mit-Autor des CEDIM-Berichtes.

 

Der Monsun mit starken, landesweiten Regenfällen wird für Nepal ab Mitte Juni erwartet. In der Vor-Monsunzeit ist dennoch mit lokalen schweren Regenfällen und Gewittern zu rechnen, die auch Erdrutsche ermöglichen können. Die aktuellen Wetterprognosen bis zum 2. Mai zeigen für die Erdbebenregion aktuell jedoch keine derartige Starkregen. Die Temperaturen in Kathmandu am Tag liegen zwischen 22 und 26 Grad Celsius und 11 bis 15 in der Nacht.

 

Das größte registrierte Erdbeben in der Region (300 km Radius) fand am 15. Januar 1934 in Bihar, Nepal mit einer Stärke von 8,1 statt. Aus der historischen Analyse gehen die Experten davon aus, dass die „Erdbebenlücke“ in der Region noch nicht geschlossen ist und in den nächsten Jahren ähnliche Beben wahrscheinlich weiter westlich auftreten könnten.

 

Für weitere Informationen stellt die Abteilung Presse gern den Kontakt zu den Experten her. Bitte wenden Sie sich an Kosta Schinarakis, Tel. 0721 608 41956, schinarakis@kit.edu oder an das Sekretariat der Abteilung Presse, Tel. 0721- 608 47414, E-Mail an presse@kit.edu.

 

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Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

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Sehr geehrte Damen und Herrn,

Biohacking ist ein neuer Trend in der Wissenschaftsszene. Den Gesetzgeber stellt dies vor neue Herausforderungen. Das Gentechnikgesetz sei nicht mehr zeitgemäß, sagt Dipl.-Biologe Rüdiger Trojok.

„Biotechnologie wird in Zukunft so alltäglich und verbreitet sein wie heute die Computertechnik", sagt Rüdiger Trojok. Der Biologe erforscht am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Innovationsprozesse und Technikfolgen. Wie die Computerpioniere der siebziger Jahre würden bald Bio-Nerds in Garagen und Souterrains an Genen herumexperimentieren, so Trojoks Prognose. In Amerika ist das wiederum in Anlehnung an die Computerszene sogenannte „Biohacking“ längst ein Trend. In Deutschland hingegen ist es Privatpersonen derzeit nicht gestattet, gentechnische Veränderungen vorzunehmen.

In den USA kann sich schon heute Jedermann ein Selbstmach-Set für biolumineszierendes Bier, erzeugt mithilfe gentechnisch veränderter Bakterien, im Internet bestellen. Hierzulande dagegen wird beim Gedanken, dass Do-it-yourself-Biologen bald zu Hause an selbst erdachten Erbmolekülen herumtüfteln könnten, nicht nur Biomaisgegnern mulmig. Gehören sechsbeinige Hunde im Park und selbstoptimierte Supermutanten im Sportstudio bald zum Alltag?

Trojok, der am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT arbeitet und auch den Bundestag bei der Einschätzung neuer Technologien berät, wiegelt ab: Zwar koste ein gentechnisches Labor einzurichten inzwischen nur noch 5000 Euro und stehe mit der CRISPR/Cas-Methode ein einfaches Verfahren zur Verfügung, um DNA gezielt zu schneiden und zu verändern. „Eigenständige Experimente erfordern aber noch ein fundiertes Fachwissen und langwierige wie akkurate Vorbereitungen.“ Mal eben zum Spaß ein paar Gene auch nur von Bakterien zu verändern oder gar Organismen mit völlig neuen Eigenschaften zu kreieren sei für Hobby-Biologen deshalb schwierig bis unmöglich – für den Moment.

Infolge weiter sinkender Preise, immer einfacherer Verfahren und Labortechnik nicht größer als ein Computerchip, werde die Gentechnik zukünftig der Kontrolle und dem exklusiven Zugriff staatlicher Forschungseinrichtungen, Biotechnologieunternehmen und Großkonzernen entgleiten, erwartet Trojok. Das im Jahr 1990 erlassene Deutsche Gentechnikgesetz hält der Wissenschaftler deshalb für nicht mehr zeitgemäß. Die Risiken der damals noch jungen Gentechnik seien seinerzeit noch nicht abschätzbar gewesen, so der 31-Jährige. Deshalb seien die Regelungen vorsichtshalber extrem streng ausgestaltet. Schon für harmlose, heute tausendfach bewährte Versuche drohten drei Jahre Haft.

„Das Recht auf Forschung ist zusammen mit der Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit im Grundgesetz verankert“, sagt Trojok. Der Wissenschaftler schlägt deshalb eine Art Stufenführerschein für Privatforscher vor, damit jeder Zugang zu dem Wissen und der Technologie bekommen könne. Wer mit dem Laborbaukasten harmlose Bakterien bunt färben will, der solle dies tun dürfen. Ein weitergehendes Verändern von Organismen hingegen wäre zum Beispiel nur Genbastlern mit Biologiestudium erlaubt. „Wenn Sie heute eine Fahrerlaubnis erwerben, bekommen Sie damit auch nicht gleich die Zulassung für Schwerlaster“, sagt Trojok.

Momentan seien die rechtlichen Hürden für Biohacker hoch, meint Trojok: So verlange der Gesetzgeber einen Betreiber und einen Sicherheitsbeauftragten pro Gentechniklabor, die jeweils eine spezielle Zulassung benötigten und drei Jahre Laborerfahrung vorweisen müssen. Zudem gebe es eine große Zahl an baulichen Auflagen und Dokumentationspflichten. „Diese Regel lässt sich angesichts der technischen Möglichkeit, Gentechnik in einer dezentralisierten, miniaturisierten Weise durchzuführen, kaum noch sinnvoll umsetzen.“

Praktikabler wäre, die Sicherheitsstufe 1 des Gentechnikgesetzes weiter zu differenzieren, so Trojok. „Man kann aus dieser Stufe bereits nach bestehendem Recht Experimente ausgliedern, die etabliert sind und als sicher bewertet wurden – darunter würden auch cisgenetische und bestimmte CRISPR-Experimente fallen.“ Solche sicheren und bekannten transgenen Arbeiten müssten seiner Auffassung nach nicht den strengen gesetzlichen Auflagen des Gentechnikgesetzes unterliegen und sollten der Gesellschaft freigegeben werden, meint Trojok. Um diese Experimente anzumelden, würde sich ein schnelles Online-Register anbieten, in dem Bundes- oder besser sogar EU-weit legale Experimente gesammelt werden.

Was für Folgen und Konsequenzen eine demokratisierte und dezentrale Nutzung der Genombearbeitung in naher Zukunft haben könnte, darüber diskutieren Nachwuchswissenschaftler der Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften, Geistes- und Rechtswissenschaften sowie Biohacker und auch Künstler auf Einladung von KIT und ITAS auf einer Klausurwoche in München vom 12. bis 17. März.