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Forschung real

Im Projekt Lehre hoch Forschung fördert das KIT mit Mitteln des Bundes Lernen mit Forschungs- und Praxisbezug. Klaus Rümmele hat sich das Teilprojekt „Servicestelle Problemorientierte Lehre“ an der KIT-Fakultät für Informatik angesehen.

Das Teilprojekt unterstützt die Entwicklung von Lehrveranstaltungen, in denen Studierende lernen, wie sie Probleme lösen können. Ein Angebot heißt „Praxis der Forschung“: Studierende bearbeiten zu Beginn der Masterphase selbstständig ein Projekt, das eingebunden ist in ein Forschungsvorhaben an einem Lehrstuhl der Fakultät und mit einer Dissertation zusammenhängt. Etwa zehn Studierende nutzen diese Gelegenheit pro Semester, um jeden Studenten oder jede Studentin kümmert sich mindestens ein Doktorand oder eine Doktorandin.

 

Die Veranstaltung erstreckt sich über zwei Semester und umfasst Arbeitsschritte von der Literaturrecherche über den Forschungsantrag bis zur Projektplanung. Die Studierenden lernen Grundlagen und Methodik, „vergleichbar mit einer Masterarbeit, aber klarer strukturiert“, sagt Studiendekan Professor Dr. Bernhard Beckert. Damit helfe die Lehrveranstaltung Studierenden schon vor der Masterarbeit, zu erkennen, „ob die Forschung etwas für sie ist.“

 

Servicestelle koordiniert Angebot


Die Koordination leistet die Servicestelle: Sarah Grebing organisiert eine zentrale Informationsveranstaltung, tauscht sich mit den Lehrstühlen über geeignete Themen aus und berät neue Doktorandinnen und Doktoranden. Rund 300 gibt es an der KIT-Fakultät.

 

„Praxis der Forschung“ verbindet mehrere Lehrformen: Im Seminar erarbeiten sich die Studierenden den aktuellen Stand der Forschung. Im Praktikum entwickeln sie die konkrete Forschungsfrage für ihr Projekt und wenden dann wissenschaftliche Methoden an, um eine Lösung zu finden. Die Vorlesung vermittelt ihnen fachliche und methodische Kompetenzen. In Gruppen von bis zu vier Studierenden setzen sie ihr Projekt schließlich um. „Die Studierenden lernen dabei die Organisation und Kommunikation wissenschaftlicher Arbeit im Team; auch die Konfliktfähigkeit wird geschult“, sagt Bernhard Beckert.

 

Regelmäßig präsentieren die Studierenden ihre Ergebnisse, manchmal nur kurz: „Das ist die Forschungsrealität“, sagt Beckert.  Auch damit erwerben sie eine wichtige Kompetenz. Die Fakultät unterstützt sie dabei in Zusammenarbeit mit dem House of Competence (HoC): Die Studierenden besuchen halbtägige Workshops mit externen Dozentinnen und Dozenten zu „Wissenschaftlichem Schreiben“, „Präsentieren” und „Projektmanagement“.

 

Am Ende steht eine schriftliche Ausarbeitung von zehn bis 15 Seiten – dem klassischen Umfang einer wissenschaftlichen Publikation. „Wir ermuntern die Studierenden, den Text bei einem Workshop oder einer Konferenz einzureichen“, sagt Beckert. Etwa die Hälfte ergreift die Chance. Wird ein Beitrag angenommen, gehen die Studierenden zur Konferenz und tragen vor: „Damit haben sie direkten Kontakt zur Community“, so Beckert. Es seien oft sehr gute Veröffentlichungen dabei – ein Student hat für seinen Aufsatz eine Auszeichnung bei einer Tagung bekommen. Zwei Studenten bewarben sich mit ihrem Ergebnis aus der Lehrveranstaltung erfolgreich um die Teilnahme an dem BMBF-geförderten Programm Software Campus, bei dem Universitäten und Unternehmen kooperieren. Und, was Bernhard Beckert besonders freut: „Aus der Lehrveranstaltung sind schon zwei Doktoranden hervorgegangen“.

 

In der nächsten Teilprojektphase ab 2017 (Maßnahmen im Vorhaben KIT – LehreForschung) will die Fakultät die Forschungspraxis noch stärker mit der Vorlesung verzahnen. Außerdem wird es ECTS-Punkte für die Schlüsselqualifikationen geben.

 

Softwareentwicklung für Bachelorstudierende 


Ein weiteres Angebot des Teilprojekts an der KIT-Fakultät für Informatik ist die „Praxis der Softwareentwicklung“, die sich an Bachelorstudierende richtet. Sie realisieren ein Projekt in einem fünf- bis sechsköpfigen Team. Die Studierenden lernen, Verfahren des Software-Entwurfs und der Qualitätssicherung praktisch einzusetzen, sich im Team die Arbeit zu teilen und die Software zum Laufen zu bringen. „Damit qualifizieren wir sie für den Beruf“, so Beckert. Die Pflichtveranstaltung besuchen 300 bis 400 Studierende im Jahr, die KIT-Fakultät betreut so mehr als 40 Gruppen. In der nächsten Förderphase ab 2017 sollen die Studierenden auch Forschungsthemen bearbeiten können.