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Lernerfolg ist wichtig

Ich bin sehr unzufrieden mit einer speziellen Veranstaltung, einige andere Teilnehmer finden diese Veranstaltung jedoch sehr gut.


Wie geht die Evaluation damit um?


Das KIT hat ein in Deutschland einmaliges theoretisches Konzept zur Evaluation von Lehrveranstaltungen  entwickelt, das die Lernbedürfnisse der Studierenden in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt. Beim Ausfüllen eines Veranstaltungsfragebogens bewerten die Studierenden die Fragen in Hinblick auf ihre eigene persönliche Studiensituation (Anzahl gleichzeitig besuchter Veranstaltungen, Anzahl Prüfungen, zeitliche Passung in den Studienplan etc.), in Bezug auf ihre persönliche Situation (Jobben vs. Arbeitsaufwand fürs Studium etc.), ihren persönlichen Lerntyp und ihre Motivation bzw. persönliches Interesse zur Teilnahme an einer speziellen Veranstaltung.


Diese Unterschiedlichkeit der persönlichen Lernbedürfnisse und -bedingungen in einer Veranstaltung führt auch immer zu einem unterschiedlichen Ankreuzverhalten beim Ausfüllen der Fragebögen, das sich jedoch bei zunehmender Teilnehmerzahl einer Veranstaltungsevaluation wieder relativiert. Veranstaltungen erfüllen nur in seltenen Fällen die Lernbedürfnisse aller teilnehmenden Studierenden gleichermaßen. Auf der Grundlage dieser aus Lehr-/Lernforschung stammenden Erfahrung wurde am KIT ein eigener studierendenzentrierter Qualitätsbegriff für Veranstaltungen entwickelt:

 

          Veranstaltungsqualität ist die Erfüllung der Lernbedürfnisse der Studierenden in einer Veranstaltung unter inhaltlicher
          Berücksichtigung der gesellschaftlichen Anforderungen an den Kompetenzerwerb für Forschung, Lehre und Wirtschaft.

 

Je mehr es in einer Veranstaltung gelingt, die naturgemäß unterschiedlichen Lernbedürfnisse der Studierenden zu erfüllen, desto höher ist auch die allgemeine Qualität dieser Veranstaltung aus der Sicht aller teilnehmenden Studierenden.

 

„Veranstaltungsqualität“ wird in der allgemeinen Diskussion jedoch oft einfach mit „Lehrqualität“ gleichgesetzt. Diese Gleichsetzung ist ausgesprochen unbefriedigend, denn sie führt immer wieder zu langen (polemischen) Diskussionen und endet dann häufig in der rüde vorgetragenen Feststellung, dass Veranstaltungsevaluationen die (Lehr)Qualität nicht valide messen können und deswegen eigentlich überflüssig sind. Als Beispiel dafür wird oft eine große Pflichtveranstaltung genannt, in der ca. 500 Studierende sitzen müssten, an der aber tatsächlich nur ca. 50 Studierende teilnehmen. Diese 50 Studierenden bewerten die Veranstaltung dann relativ gut, der unzufriedene Rest, der eine „Abstimmung mit den Füßen“ betreibt, kann nicht an der Evaluation teilnehmen* und die Ergebnisse der Evaluation sind folglich erheblich positiv verzerrt.

 

Wir haben solche Veranstaltungen am KIT näher analysiert und dabei festgestellt, dass trotz der hohen Abwesenheitsquote sich am Ende über 90% zu den dazugehörigen Prüfungen anmelden und die große Mehrheit die Prüfungen auch besteht. Die „geflüchteten“ Studierenden sehen zwar ihre Lernbedürfnisse offenbar nicht durch Präsenz in der Vorlesung befriedigt, nutzen aber viele weitere Lernmöglichkeiten, die ihrem persönlichen „Lerntyp“ mehr entgegenkommen. Dies kann z.B. der Besuch von begleitenden Tutorien sein, die intensive Nutzung der Veranstaltungsskripts und Musterklausuren, Lesen der empfohlenen Literatur, Anschauen von Vorlesungsvideos zum selben oder ähnlichen Themen aus anderen Hochschulen, Teilnahme an einer Lerngruppe u.v.m. Man kann an einer Veranstaltung folglich auch teilnehmen, ohne in der Vorlesung anwesend zu sein. Auf der Grundlage unserer Definition hat diese Beispielveranstaltung eine Qualität, die zu dem geforderten Kompetenzerwerb führt; das wird durch die bestandenen Prüfungen bewiesen.

 

Die Hypothesen aus der kleinen Studie zur An- bzw. Abwesenheit von Studierenden in Veranstaltungen können Sie sich bei Interesse  -> hier downloaden.

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* Am KIT protokollieren wir jedoch die Teilnehmerzahlen bei der Evaluation, die später mit den Anmeldungen zu den Prüfungen in den Fachbereichen verglichen werden können. Eine hohe Abwesenheitsquote fällt grundsätzlich auf und wird in den Fakultätsvorständen auch thematisiert.