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Auf Spurensuche in den Weinbergen

Im Vorhaben Lehre hoch Forschung setzt das KIT Mittel des Bundes dafür ein, die forschungsorientierte Lehre zu stärken. Das interdisziplinäre Modul Fernerkundung ist eine der Maßnahmen.
Weinberge

Professor Stefan Hinz und sein Team vom Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung bieten das Modul an, das die Studierenden ins Feld führt. Nachdem sie eine Vorlesung und eine Übung zu dem Thema besucht haben, fahren sie im Juli für zweieinhalb Tage an den Kaiserstuhl. Im beschaulichen Oberbergen beziehen sie eine Turnhalle, bauen Rechner auf und richten ein Netzwerk ein. Am Anfang ihrer Forschungsarbeit stehen Satellitenbilder: Diese geben spektrale Eigenheiten aus, zum Beispiel Lichtstrahlen oder elektromagnetische Strahlen, von denen die Studierenden auf die Landnutzung schließen können.

Daten sammeln und präsentieren

Die Möglichkeiten und Grenzen der satellitengestützten Fernerkundung überprüfen die Studierenden im Gelände: In Gruppen von sechs bis zehn nehmen sie bei einer Begehung die GPS-Daten eines Maisfeldes, einer Wiese oder einer Weinbergterrasse auf. Eineinhalb Tage sammeln sie Daten und kontrollieren mit ihnen die Qualität der Satellitenbilder. Dann bereiten sie einen halben Tag eine Präsentation vor.

Seit 50 Jahren gibt es die Feldübung schon. Und doch hat sich einiges geändert. Zum Beispiel haben sich die Instrumente gewandelt: Die Studierenden arbeiten mit Tablets, die Algorithmen sind viel ausgeklügelter geworden. Dr. Uwe Weidner hat einen Open Source-Code weiterentwickelt, der es den Studierenden erlaubt, „in die Details hineinzuschauen“. Das System ist nicht so verschlossen wie kommerzielle Varianten: „Das macht die Arbeit für die Studierenden verständlicher.“ So könnten sie zum Beispiel Satellitenbilder mit unterschiedlichen Fehlerquoten vergleichen. Vorkenntnisse sind hilfreich, daher besuchen Geodäsie-Studierende die Feldübung in Südbaden üblicherweise im sechsten Semester, ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen aus anderen Fächern im achten.

Neue Aspekte der Fernerkundung

Die Region eignet sich für das Forschungsprojekt nicht nur, weil sie nicht zu weit entfernt ist vom KIT. „In der Region bewegt sich viel, zum Beispiel durch den Weinbau“, erklärt Dr. Sven Wursthorn. Dadurch entstünde unter anderem immer wieder neue Population, etwa bei den Vogelarten, so Professor Hinz: „Der Bienenfresser zum Beispiel siedelt sich genau zwischen Terrassen an.“

So hat Fernerkundung heute auch mit Biodiversität zu tun – und das ist nur ein Aspekt einer thematischen Verbreiterung, die das Fach in den vergangenen Jahren erfahren hat. „Damit tragen wir der Anforderung des Berufsfeldes Rechnung“, sagt Stefan Hinz. Positiver Nebeneffekt: Die Studierenden erwerben im Forschungsprojekt eine wichtige überfachliche Qualifikation: ein Verständnis für die Fragestellungen und die Sprache anderer Fachgebiete zu entwickeln.

ele, 9.10.15